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Die fertige Hand. Reden und Aufsätze
Wolfgang Heidenreich
| Titel | Die fertige Hand. Reden und Aufsätze |
|---|---|
| Autor | Wolfgang Heidenreich |
| Verlag | Modo-Verlag |
| Sprache | deutsch |
| Titelbild |
Rezension
Zeit der Orientierung - Wolfgang Heidenreich über sein Studium und sein neues Buch „Die fertige Hand“
Wolfgang Heidenreich war von 1982 bis 1995 Studioleiter des SWR in Freiburg. Seine journalistische Laufbahn begann er schon während seines Studiums als Chefredakteur der Freiburger Studentenzeitung. Im Laufe der Jahre lernte er viele Künstler wie beispielsweise den Maler Otto Dix, den Keramiker Horst Kerstan und den Dichter Peter Huchel kennen, deren Arbeitsweise Heidenreich nachhaltig beeindruckte und an die er in seinem kürzlich erschienenen Buch „Die fertige Hand“ mit gesammelten Aufsätzen und Reden erinnert.
Newsletter: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?
W. Heidenreich: Meine Generation hat etwa 1953 Abitur gemacht und hatte das so genannte „Wirtschaftswunder“ um sich herum. Man spürte das aber auf dem eigenen Konto nicht, weil man als Student gar keines hatte. Unser Studium war ein Werkstudentendasein. Ich verdiente mein Geld – auch wegen der Studiengebühren, die es damals selbstverständlich gab – auf Baustellen.
Newsletter: Was macht für Sie Freiburg als Studienort besonders attraktiv? Warum sind Sie in Ihrem Geburtsort geblieben, um zu studieren?
W. Heidenreich: Für uns damals war Freiburg attraktiv, weil es eine sehr geachtete Hochschule mit hervorragenden Lehrern war. Es ist für mich bis heute erstaunlich, festzustellen, dass ich mich an einzelne Erzählungen, Vorlesungen und Argumentationen erinnere. Zudem gibt es hier die Möglichkeit, was damals neu und aufregend war, Ausflüge ins nachbarschaftliche Ausland zu machen.
Newsletter: Sie haben zunächst Jura studiert, haben sich später dann jedoch für die Fächer Philosophie, Germanistik, Latein und Sport entschieden. Was hat Sie zu diesem Fachwechsel bewogen?
W. Heidenreich: Das Studium war für mich eine Orientierung nach allen Seiten. Ich studierte zunächst Jura und Wirtschaftswissenschaften, verstand aber Null-Komma-Null Prozent. Ich ging zu den Medizinern und zu den Physikern, zu Professoren wie Wolfgang Gentner. Dann zu den Romanisten. Es gehörte dazu, dass man das alles miterlebte. Wir versuchten, Karten für die Vortragsreihe von Heidegger zu bekommen und waren stolz, wenn wir welche ergattern konnten. Erst später konzentrierte ich mich auf Deutsche Literatur, Philosophie und Sport.
Newsletter: War Ihr Studium eine wichtige Voraussetzung für Ihr berufliches Vorankommen?
W. Heidenreich: Unbedingt. Während dieser Zeit konnte ich in einem System von Arbeitsmöglichkeiten in den Medien, bei Funk, Zeitschriften und Verlag meine ersten, ganz konkreten Erfahrungen sammeln. Vor dem Examen sagte mir mein Chef beim Rundfunk, wo ich schon früh als freier Mitarbeiter angefangen hatte: „Es ist ganz egal, wie ihr Examen ausfällt, aber machen Sie es, und anschließend können Sie dann bei uns anfangen.“
Newsletter: Haben Sie die Künstler, die in Ihrem Buch vorgestellt werden, im Zusammenhang mit Ihrem Beruf kennen gelernt oder eher im privaten Rahmen?
W. Heidenreich: Beides. Es sind Menschen, an die zu erinnern es sich lohnt, weil sie in unserer Region ganz spezifische künstlerische oder literarische Leistungen vollbracht haben. Ganz wichtig bei der Auswahl der Reden und Aufsätze war die Herangehensweise als ein behutsames, achtsames Umkreisen der Menschen und ihrer Kunst. Ich war immer auf eine gute Art darauf neidisch, was diese Menschen Konkretes aus ihren Händen entlassen konnten.
Newsletter: Werden Sie oft gefragt, ob Sie mit Elke Heidenreich verwandt sind und „die Heidenreichs“ eine große Journalistenfamilie sind?
W. Heidenreich: Das ist natürlich eine Frage, die immer wieder gestellt wird und die mich außerordentlich ehrt. Mir hat Elke Heidenreich immer sehr gut gefallen als Frau Stratmann morgens im dritten Programm des Südwestfunks, wo sie eine wunderbare „Gosche“ hatte, wie wir im Badischen sagen. Die Literaturpäpstin sagte mir weniger zu.
Wolfgang Heidenreich: Die fertige Hand. Reden und Aufsätze. Modo-Verlag, Freiburg 2005, 256 Seiten, 26 Euro.
