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Liverpool Exkursion 2006

Im Februar 2006 fand eine Exkursion nach Liverpool statt. Organisiert wurde die Exkursion vom Lehrstuhl Prof. Dr. Korte in Zusammenarbeit mit dem LS der Geschichte Prof. Dr. Brüggemeier.

Lesen Sie dazu den Exkursionsbericht von Ulrike Pirker (LS Korte) und weiteren TeilnehmerInnen der Exkursion:

The Empire Strikes Back - Liverpool-Exkursion des englischen und historischen Seminars vom 16. bis 20. Februar 2006

 

Nach Liverpool flogen im Februar 2006 TeilnehmerInnen des Oberseminars The Empire Strikes Back - Großbritannien und das Empire im 20. Jahrhundert. Die Veranstaltung ist Teil einer von Prof. Korte und Prof. Brüggemeier angebotenen Seminarreihe zu Großbritannien, die kulturwissenschaftlich angelegt ist und sich an fortgeschrittene Studierende und Promovierende der Anglistik und der Neueren Geschichte richtet. Im Wintersemester 2005/2006 haben die TeilnehmerInnen die Bedeutung des Britischen Weltreichs und seiner Folgen, insbesondere der Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien und der Entstehung einer multikulturellen Gesellschaft, untersucht. Die engagierte Mitarbeit sowie das große Interesse der Studierenden an der Veranstaltungsreihe waren Anlass, die Thematik erstmals auch in einer Exkursion zu vertiefen.

Diese Vertiefung vor Ort in Liverpool erwies sich als ideale Ergänzung der theoretischen Diskussion über die sich wandelnde Bedeutung des Empire und seiner Prägung der jüngeren kulturellen Landschaft Britanniens. Liverpool bietet vielfältige Zugangsmöglichkeiten zur Thematik: Von Anbeginn in die kolonialen Wirtschaftsbeziehungen des Königreichs eingebunden, entwickelte sich die Stadt rasant zu einem der wichtigsten Hafenzentren. Ihre Blütezeit erlebte sie im 19. Jahrhundert, wovon zahlreiche historische Gebäude und Denkmäler zeugen. Dass Liverpool auch das britische Zentrum des transatlantischen Sklavenhandels war und einen Großteil seines kolonialen Reichtums diesem Handel verdankt, ist eine Tatsache, mit der sich die angehende Europäische Kulturhauptstadt (2008) und ihre Institutionen erst seit den 1990er Jahren (öffentlich) auseinandersetzen.

Die heutige Gesellschaft Liverpools, die sich aus vielfältigen Kulturen und Ethnien zusammensetzt, ist charakteristisch für eine Hafenstadt - so findet sich hier nicht nur die älteste Chinatown Europas, sondern auch eine schwarze community, die bereits seit 1750 existiert. Wie im übrigen Großbritannien war es jedoch vor allem die Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien nach dem zweiten Weltkrieg, die Liverpool nachhaltig in eine multiethnische und multikulturelle Stadt umwandelte. Heute gibt es über 8000 Schüler mit familiärem Migrationshintergrund, wie uns Barbara Higgins, die Leiterin von EMTAS (Ethnic Minority and Traveller Achievement Service) in einem Informationsgespräch mitteilte. Dass das Zusammenleben von Migranten und der englischen, in erster Linie weißen Gesellschaft Liverpools nicht immer reibungslos war, zeigten die großen Rassenunruhen der 1980er Jahre im Stadtteil Toxteth. Bei den riots entlud sich eine aufgestaute Frustration, die systematische Benachteiligung im Schulsystem, öffentliche Diskriminierung sowie zahlreiche Fälle von institutionellem Rassismus und Polizeigewalt hervorgerufen hatten. Sie sind eines derjenigen Kapitel der Stadtgeschichte, das Touristikführer gerne verdrängen.

Stephen Gibbs, Stadthistoriker und unser Führer durch Liverpools Town Hall, ging auf die jüngere Geschichte und die Rassenunruhen ein, nachdem er uns eindrucksvoll die Spuren von Liverpools Entwicklung zur Weltmetropole an der Geschichte des Rathauses nahe brachte. Hierbei wurde unter anderem deutlich, dass die kolonialen Stadtväter ihren Reichtum mehr als gottgegeben denn als Ergebnis von Ausbeutung menschlicher Arbeit im großen Stil ansahen. Ein Beispiel, das diese Haltung illustriert, ist die prunkvolle, im 18. Jahrhundert aufgesetzte Kuppel der Town Hall, die die Inschrift "Deus nobis haec otia fecit" ("Gott gab uns diese Reichtümer") trägt. (Abb. 2)

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird den TeilnehmerInnen die Stadtführung durch Eric Lynch, einem Kenner der Stadtgeschichte, der Liverpools alter schwarzer community entstammt. (Abb. 3)Er führte uns zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die von der Verflechtung der Stadt in den Sklavenhandel zeugen und öffnete uns die Augen für Details, die oberflächlichen Betrachtern entgehen. Dieser zweistündige Stadtrundgang war eine wertvolle Ergänzung der Exponate und Erläuterungen der Transatlantic Slavery Gallery im Merseyside Maritime Musem, die 1994 eröffnet wurde und 2007, zum 200-jährigen Jubiläum der britischen Abschaffung des Sklavenhandels, zu einem eigenen Museum ausgebaut werden soll.

Nach einer Fahrt nach Blackpool, einem Vergnügungs- und Erholungsort der Arbeiterklasse schon zu viktorianischen Zeiten, sahen wir uns zum Abschluss der Exkursion eine Großinstallation des bekannten Künstlers Antony Gormley, die bis November 2006 am Strand von Sefton (nördlich von Liverpool) aufgebaut ist. (Abb. 4) Dort referierte der Künstler Daniel Kukucis über Gormley und sein Werk "Another Place". Gormley's lebensgroße, seinem eigenen Körper nachempfundene Statuen, die am Strand von Sefton Coast auf das Meer und vorüberziehende Schiffe blicken, können als eigentümliche Allegorie der Themen unserer Exkursion aufgefasst werden: Menschliches Wandern, die Sehnsucht nach anderen Orten, die Bewegung und Funktion von Schiffen und ihre ambivalente Rolle zur Kolonialzeit und Zeit des Sklavenhandels, das Meer als Sinnbild für Freiheit, aber auch für den "black atlantic", die schwarze Diaspora.

  

Links/Kontakte:

 

*EMTAS
* Führungen durch die Town Hall: Lizzy Clamp: 0044 (0)151 225 5530,          lizzy.clamp@liverpool.gov.uk
* Slavery Trail Walk mit Eric Lynch: 0044 (0)151 709 7682
* Black History (Merseyside Maritime Museum)

* International Slavery Museum Liverpool
* Anthony Gormley
* Touristeninformation Liverpool

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