Intermetallische Phasen
Mehr als 75% der Elemente des Periodensystems sind Metalle. Dementsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, metallische Komponenten zu intermetallischen Verbindungen zu kombinieren, die sich folglich in Struktur und Eigenschaften häufig stark unterscheiden. Diese bisweilen schier unüberschaubar scheinende Komplexität mag ein Grund dafür sein, weswegen intermetallische Verbindungen in der Vergangenheit ein Stiefkind der Forschung blieben. Zwar haben bedeutsame Konzepte wie Zintl-Bußmann-Klemm, Laves und Hume-Rothery das Verständnis von struktur- und bindungsbeeinflussenden Faktoren in intermetallischen Phasen erheblich vertieft, trotzdem bleiben diese Modelle zu häufig von rein beschreibender Natur. Es gelingt vielfach erfolgreich, durch Anwendung der entsprechenden Methode intermetallische Phasen einer bestimmten Kategorie zuzuordnen und Bindungs- und Strukturverhältnisse zufriedenstellend zu beschreiben. Meist aber versagen die angesprochenen Konzepte bei der Vorhersage von Existenzfähigkeit und Aufbau bisher unbekannter Verbindungen, so daß eine rationale Syntheseplanung oft nicht möglich ist.
Der Problematik der Systematisierung intermetallischer Verbindungen stehen ihre bisweilen herausragenden mechanischen, magnetischen und elektronischen Eigenschaften gegenüber. Außerdem offenbaren viele intermetallische Phasen eine faszinierende Strukturchemie, an die die "klassischen" Halogenide oder Chalkogenide nicht heranreichen.
Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen vor allem Systeme aus einer hochschmelzenden (späte Übergangsmetalle) und einer niedrigschmelzenden Komponente (Ga, In, Zn ...) im Überschuß, deren Verbindungen hochinteressante Strukturmerkmale aufweisen.
