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Forschungsgruppe Zeitgeschichte
Prof. Dr. Ulrich Herbert
Albert-Ludwigs-Universität

Postadresse:
Historisches Seminar
D-79098 Freiburg

Tel.: +49 (0)761-203-3439

Büros:
Erbprinzenstraße 13
79098 Freiburg

 

Ramona Bräu

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Telefon:
 

E-Mail:
ramona.braeu(at)mailbox.org

Postadresse:
Historisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität
Rempartstraße 15 - KG IV
D-79085 Freiburg



 

CV

  • Seit 2017/20 Arolsen Archives (International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen)
    stellvertretende Abteilungsleitung Tracing
    Manger Digital Business Development
  • 2019/20 Lehrbeauftragte der Universität Göttingen
  • 2012-2019 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
    Promotion im Fach Geschichte
    Arbeitstitel: [Aus]Beute für den Fiskus. Das Reichsfinanzministerium und die Plünde- rung Polens 1939-1945
  • 2015 Lehrbeauftragte am Aleksander Brückner Zentrum für Polenstudien und am Institut für Politikwissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • 2011-2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln
    Forschungsprojekt des Bundesfinanzministeriums zur Geschichte des Reichsfinanzministeriums
  • 2010/11 Lehrbeauftragte der Universität Erfurt
  • 2008-2010 wissenschaftliche Volontärin Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
  • 2008 Stipendiatin bei der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung in Krzyzowa, Polen
  • 2007 wissenschaftliche Hilfskraft im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar
  • 2000-2007 Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Magister (M.A.) in den Fächern Neuere und Neueste Geschichte sowie Politikwis- senschaften
    Magisterarbeit: „Arisierung“ in Breslau. Die „Entjudung“ einer deutschen Groß- stadt und deren Entdeckung im polnischen Erinnerungsdiskurs
  • 2004-2005 Universität Wrocław, Polnische Geschichte und Internationale Beziehungen
     

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Forschung

Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen im September 1939 erweiterte sich abermals der Zuständigkeitsbereich des Reichsfinanzministeriums und seines Verwaltungsapparats. Zuvor waren bereits durch die Annektierung Österreichs und von Teilen der Tschechoslowakischen Republik Millionen von Steuerzahlern, Gebühren- und Abgabenpflichtigen, aber auch Privat- und Staatsvermögen sowie die Zollabfertigung und Grenzsicherung an den neuen Reichsgrenzen an die Reichsfinanzverwaltung übergegangen. Mit der Besetzung, Zerschlagung und Enteignung des polnischen Staates und seiner Einwohner wurden nun zudem bis dahin ungeahnte Vermögensmassen im Rahmen der Germanisierungspolitik und der Kriegswirtschaft zwangsenteignet, umverteilt oder schlicht geraubt. Welche Aufgaben und Einflussmöglichkeiten dabei dem Reichsministerium der Finanzen zukamen, untersucht das Teilprojekt.

Die lange Besatzungsphase von über fünf Jahren, die teilweise Annektion polnischer Gebiete im Zuge der nationalsozialistischen Vertreibungs- und Siedlungspolitik, die Ausbeutung des Landes in wirtschaftlicher Hinsicht und die Errichtung eines Polizei- und Terrorapparates waren in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand weitreichender Forschungsarbeit. Bisher lag der Schwerpunkt dieser Forschung zur nationalsozialistischen Polenpolitik vor allem auf der wirtschaftlichen Ausplünderung durch Verschleppung von Zwangsarbeitern, Abtransport von Ressourcen und der Zwangsenteignung, Beraubung und Ermordung der polnischen und jüdischen Bevölkerung. Zur deutschen Besatzungsverwaltung, die durch finanz- und steuerpolitische Lenkung die finanzielle Basis für dieses Regime schuf, ist hingegen kaum etwas bekannt. Welcher Maßnahmen sich das mit Fachpersonal der Reichsfinanzverwaltung geschaffene Finanzressort bei der deutschen Okkupationsregierung in Krakau bediente, um der polnischen und jüdischen Bevölkerung immer höhere Abgaben für die deutsche Kriegsmaschinerie abzupressen, wird ebenso untersucht wie die Frage nach der Einflussnahme des Berliner Ministeriums auf die Entscheidungsprozesse im Generalgouvernement. Welches Selbstverständnis nahmen dabei die Ministerialbeamten in Berlin und die ins besetzte Polen entsandten Beamten gegenüber ihrem Verwaltungsauftrag ein? Inwieweit waren sie in die Terrormaßnahmen gegenüber der jüdischen und polnischen Bevölkerung verstrickt oder über die Vorgänge informiert?

Sowohl Steuer- als auch Zollverwaltung wurden in raschem Tempo errichtet und gewährleisteten so, dass die Einnahmen für das Besatzungsregime schnellstmöglich flossen. Dabei wurde von Beginn an gegenüber der einheimischen Bevölkerung rücksichtslos und mit Zwangsmaßnahmen agiert.

Nach der Teilung des besetzen Polens unterstützte das Ministerium in den westlichen vom Reich annektierten Gebieten durch eine diskriminierende Steuerpolitik und eine rigide Grenzsicherung die Vertreibungs- und Germanisierungspolitik. Gegenüber dem als Generalgouvernement unter deutscher Besatzungsverwaltung stehenden polnischen Restgebiet forderte der Reichsminister der Finanzen rücksichtslos immer höhere Besatzungskosten ein, die maßgeblich zur weiteren Verelendung der polnischen Bevölkerung beitrugen.

Neben der Verbuchung der Kriegsbeute für den Reichshaushalt bezog das Ministerium nicht nur in haushaltsrechtlichem Sinne Position zu anderen Reichs- und Besatzungsbehörden, die mit der Verwaltung und Verwertung von polnischen Beutegütern betraut waren. In welchem Umfang das Ministerium dabei eigene Interessen durchsetzen konnte bzw. welche Position es gegenüber anderen Stellen wie dem Reichsführer SS oder der mit der Vermögensabwicklung in den annektierten Gebieten beauftragten Haupttreuhandstelle Ost (HTO) einnahm, wird im Rahmen der Studie analysiert.

Der Aufgabenbereich des Reichsfinanzministeriums wuchs mit Kriegsbeginn nicht nur hinsichtlich der Kriegs- und Besatzungsfinanzierung. Die Sicherung der sich ausdehnenden Grenzen des sogenannten "Großdeutschen Reiches" und der besetzten Gebiete band die Beamten der Zollverwaltung im besetzten Polen unmittelbar in die Raub- und Terrormaßnahmen ein. Die Rolle des Zollgrenzschutzes als militärisch organisiertem Zweig der Reichsfinanzverwaltung zwischen Grenzsicherung, Partisanenbekämpfung und Judenmord ist ebenfalls Forschungsgegenstand des Projekts. Nach bisherigen Erkenntnissen beteiligten sich Zollgrenzschützer und Zöllner vereinzelt aktiv an Beraubungs- und Vernichtungsmaßnahmen gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Die Teilstudie zu Polen verdeutlicht im Besonderen die Verstrickung des Ministeriums in die ideologischen Kriegsziele des Regimes. Neben der Erpressung von Besatzungskosten steht hier die Rolle des Reichsfinanzministeriums in der nationalsozialistischen Eroberungs-, Siedlungs- und Vernichtungspolitik in Mittelosteuropa im Zentrum des Erkenntnisinteresses.

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Publikationen (Auswahl)

  • The Economic Consequences of German Occupation Policy in Poland, in: Scherner, Jonas, White, Eugene N., Hitler’s War and Nazi Economic Hegemony in Occupied Europe Cambridge, New York, 2016.
  • mit Banken, Ralf, „Herrenloses Gut“. Raub und Verwertung mobilen polnischen Ei- gentums im Zweiten Weltkrieg, in: Res nullius. Zur Genealogie und Aktualität ei- ner Rechtsformel, hrsg. von Kempe, Michael und Suter, Robert (= Schriftenreihe zur Rechtsgeschichte), Bd. 170, Berlin 2015, S. 153-174.
  • Übersetzung: Hoffmann, Jens, „Diese außerordentliche Bestialität“. Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten. Augenzeugenberichte und Gespräche, Berlin 2013.
  • Zwangsarbeit – Rüstung – Volksgemeinschaft. Die Leipziger Rüstungsfirma Hugo Schneider AG im „Dritten Reich“ – Versuch einer Einordnung, in: Schötz, Susanne (Publ.), Leipzigs Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Akteure, Handlungsspielräume, Wirkungen (1400–2011), Leipzig 2012.
  • Zwischen Schlesien und Palästina: Lebensläufe schlesischer Juden auf der Grundla- ge von Zeitzeugeninterviews, in: Eiden, Maximilian (Publ.), Von Schlesien nach Israel. Juden aus einer deutschen Provinz zwischen Verfolgung und Neuanfang, Görlitz 2009.
  • David Littmann and the Mohrenapotheke in Erfurt, in: Fates of Jewish Families in Thuringia 1933 - ’45, Erfurt 2009.
  • Shoah und „Arisierung“ in Schlesien – aktueller Forschungsstand, in: Domaschke, Cornelia, Schmohl, Daniela, Wehner, Günther (Publ.), Nationalsozialismus und an- tifaschistischer Widerstand in Schlesien, Leipzig 2009.
  • Knigge, Volkhard, Stein, Harry, Stein, Sabine (Publ.), Bräu, Ramona, Seeger, Adina, Franz Ehrlich: Ein Bauhäusler in Widerstand und Konzentrationslager, Weimar 2009.
  • Überzeugter Patriot und Protestant Dr. Walter Spiegel - thüringischer Studienrat in Gotha und Gera, in: Gibas, Monika (Publ.), „Ich kam als wohlhabender Mensch nach Erfurt und ging als ausgeplünderter Jude davon.“ Schicksale 1933-1945, Erfurt 2008.
  • „Arisierung“ in Breslau. Die Entjudung einer deutschen Großstadt und deren Ent- deckung im polnischen Erinnerungsdiskurs, Saarbrücken 2008.
  • mit Wenzel, Thomas (Publ.), „ausgebrannt, ausgeplündert, ausgestoßen“ ; die Po- grome gegen die jüdischen Bürger Thüringens im November 1938; Quellen zur Ge- schichte Thüringens, Erfurt 2008.
  • Monika Gibas (Publ.), Ramona Bräu (Red.), „Arisierung“ in Thüringen. Entrechtung, Enteignung und Vernichtung der jüdischen Bürger Thüringens 1933-1945, Erfurt 2006.
     

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