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Projekt Korte/Pirker

After Windrush: Populäre Re-Konstruktionen einer Black History für ein multiethnisches Großbritannien

 

Seit den späten 1990er Jahren definiert sich Großbritannien offiziell als multiethnische Gesellschaft. In Öffentlichkeit, Politik und Kultur wird der Debatte um die Bedeutung und Gestalt der nationalen Identität große Aufmerksamkeit geschenkt. Um eine nachhaltige Re-Konstruktion der britischen Identität in Richtung auf eine ethnisch diverse Gesellschaft und Kultur zu erreichen, bedarf es neben gegenwarts- und zukunftsorientierten Maßnahmen der Erzeugung eines neuen Bewusstseins der nationalen Vergangenheit und des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses – und zwar nicht nur bei den Angehörigen der betreffenden Minderheitsethnien, sondern in der britischen Gesellschaft überhaupt. So wird in jüngerer Zeit die Rolle von Blacks und Asians in britischen Vergangenheiten verstärkt aufgearbeitet und über die akademische Geschichtswissenschaft hinaus einem breiten Publikum bewusst gemacht. Einen besonderen Stellenwert hat hierbei die Geschichte der Einwanderung aus (ehemaligen) Kolonien seit dem Zweiten Weltkrieg, vor allem die Einwanderung aus der Karibik, mit der die Genese des heutigen multiethnischen Bewusstseins beginnt. Ein wichtiger Motor in diesem Prozess war die mehrteilige TV-Dokumentation Windrush, die 1998 zur besten Sendezeit von der BBC ausgestrahlt wurde. Diese Fernsehserie stellte die karibischen Nachkriegsmigranten ausdrücklich in vielen Bereichen der Alltagskultur dar, d.h. als Teil gesamtbritischer Lebenswelten der 1950er und 1960er Jahre. Die Windrush-Serie ist nicht der alleinige Faktor für die Popularisierung schwarzer britischer Geschichte, hat dieser Entwicklung aber den Weg geebnet: Seither ist ein solcher Zugang in verschiedenen dokumentarischen und fiktionalen Medienprodukten für ein Breitenpublikum weiter verfolgt worden. Ein neuer thematischer Schwerpunkt hat sich um das Jahr 2007 im Zuge der Erinnerung an die Abschaffung des britischen Sklavenhandels herausgebildet und manifestiert sich in zahlreichen populärhistorischen Produkten.

Ziel des Projekts ist es, eine Reihe dieser Medienprodukte genauer zu untersuchen. Das Interesse richtet sich dabei auf inhaltliche Elemente und ihre diskursiven Kontexte sowie auf Präsentationsstrategien, die einem ethnisch diversen – aber dominant weißen – britischen Publikum einen Zugang zu ‚schwarzen’ Erfahrungen der Vergangenheit eröffnen.
 

Projektleitung: Barbara Korte
Mitarbeitende: Eva Ulrike Pirker; Hilfskräfte: Jonas Takors, Doris Lechner

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