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Projekt Paletschek/Reusch

Historische Lebenswelten in illustrierten Zeitschriften des 19. Jahrhunderts (Deutschland, ca. 1850-1914/18)

 

Zwischen Unterhaltung und Wissenschaft. Geschichtssschreibung in illustrierten Familienzeitschriften 1890-1913

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden illustrierte Familienzeitschriften als erste Form moderner Massenmedien. Diese Zeitschriften, die gleichzeitig Unterhaltung wie Belehrung bieten sollten, spielten eine wichtige Rolle in der Popularisierung von Geschichtsbildern: Das neue Interesse für Geschichte, das im 19. Jahrhundert aufkam fand durch Printmedien weite Verbreitung – nicht nur im Bürgertum, sondern auch in unterbürgerlichen Schichten, durch alle Generationen hindurch und bei Männern wie Frauen.
In dem Projekt wird untersucht, in welcher Weise Geschichte in deutschsprachigen illustrierten Zeitschriften von 1890 bis 1913 dargestellt und verhandelt wird, welche Funktion diese populäre Geschichtsschreibung innehatte und in welchem Verhältnis sie zur Geschichtswissenschaft  stand.  Da Zeitschriften in einem komplexen Zusammenspiel von verschiedenen Strukturen, Individuen und kulturellen Prägungen entstehen, werden neben einer inhaltlichen Analyse die Bedingungen von Produktion und Rezeption der Zeitschriften beleuchtet. Untersucht werden fünf  Familienzeitschriften aus verschiedenen sozialen, politischen und konfessionellen Milieus.
Obwohl in einem Unterhaltungsmedium publiziert, nahmen die historischen Texte eine Position zwischen Populärkultur und Wissenschaft ein – die Autoren und Autorinnen der Artikel schrieben mit wissenschaftlichem Anspruch und hatten meist einen akademischen Hintergrund. In den Familienzeitschriften wurden sowohl neueste Entwicklungen der Geschichtswissenschaft vorgestellt und diskutiert, als auch verschiedene im akademischen Raum noch nicht gängige Formen der Geschichtsschreibung wie Kultur-, Sozial- und Alltagsgeschichte eingeführt.
Die Geschichtsbilder in den populären Zeitschriften lassen sich als Dokumente der Geschichtskultur ihrer Zeit lesen, in der sich Mentalitäten, Ideale und Orientierungsbedürfnisse niederschlagen. Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte ist ein wichtiger Faktor der Identitätsstiftung, gerade im Zeitalter der Herausbildung eines deutschen Nationalbewusstseins, das zu großen Teilen auf der Entdeckung und Konstruktion einer nationalen deutschen Vergangenheit basiert. Der Umgang mit den Herausforderungen der Moderne findet Niederschlag in den Geschichtsbildern des späten Kaiserreichs, ebenso wie aktuelle politische Entwicklungen, Geschlechter- und Klassenverhältnisse oder konfessionelle Verortungen.

 

Projektleiterin: Prof. Dr. Sylvia Paletschek (Neue Geschichte)

Bearbeiterinnen: Nina Reusch, M. A. (Neue Geschichte); Hilfskraft: Christian Kercher

 

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