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Projekt Gehrke/Sénécheau

Populäre Konstruktionen antiker Lebenswelten im Lichte von Europäisierungs- und Globalisierungsprozessen

 

In aktuellen Prozessen der Europäisierung und Globalisierung sowie in den darauf bezogenen Diskursen gewinnen Rückgriffe auf die Geschichte zunehmend an Bedeutung. Kulturelle Prägungen und Traditionen, mithin historische Lebenswelten, sind nicht allein Gegenstand historischer Forschung im engeren Sinne, sondern breiterer und lebhafter – auch politischer – Debatten (Stichwort: clash of civilisations). Dabei stehen häufig sehr frühe Stufen der historischen Entwicklung im Blickpunkt.
Bezogen auf die Europäisierung geht es im Projekt vor allem um das Römische Reich, das in der Öffentlichkeit neuerdings als Vergleichsfolie für die EU herangezogen wird, und um Germanen und Kelten, die im heutigen europäischen Kontext in Deutschland und in Frankreich mit unterschiedlichen identitätsstiftenden Funktionen aufgeladen werden  (Projektbereich I, verantwortlich M. Sénécheau). Im Hinblick auf die Globalisierung untersucht das Projekt populäre Darstellungen zur griechischen Geschichte, in denen im Zusammenhang mit Elementen der Universalisierung gegenwärtig insbesondere die klassische Gegenfigur des Barbaren in den Vordergrund rückt (Projektbereich II, verantwortlich H.-J. Gehrke).
Die Studie wird am Beispiel historischer Lebenswelten in deutschen und französischen Schulbüchern, didaktischen Filmen, Ausstellungen, Museen und Freilichtmuseen durchgeführt (Projektbereich I) sowie anhand neuerer Dokumentarsendungen und Sielfilme (Projektbereich II). Im Zentrum stehen die folgenden Fragen: die in der Öffentlichkeit und von der Forschung vorgenommene Instrumentalisierung oder Deutung von Themen der Alten Geschichte und der Frühgeschichtlichen Archäologie und die Dokumentation gegenwärtiger Geschichtskonstruktionen als Prozess der 'intentionalen Geschichte'; die Präsentation von kultureller Differenz und kulturellen Wechselbeziehungen in populären Darstellungen des Verhältnisses von Griechen und Nichtgriechen ('Barbaren') vor allem in der Lebenswelt des Hellenismus sowie von Römern und Germanen/Kelten in der Frühgeschichte; das Verhältnis von akademischen und populären Präsentationsformen in den untersuchten Medien; die Wege der Vermittlung von der Wissenschaft an die Öffentlichkeit sowie die eventuelle Rückwirkung populärer Vermittlungsformen auf ursprünglich wissenschaftliche Produktion.
Der Forschungsschwerpunkt liegt zunächst bei Projektbereich I, der von Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke (Alte Geschichte) und Prof. Dr. Sebastian Brather (Frühgeschichtliche Archäologie) zusammen betreut wird. Durch die neue Tätigkeit von H.-J. Gehrke am Deutschen Archäologischen Institut ab März 2008 ergeben sich neue Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Universität, DAI und in der Geschichtsvermittlung tätigen Medienproduzenten.
 

Projektleiter: Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke (Alte Geschichte)

Mitarbeiterinnen: Dr. Miriam Sénécheau (Frühgeschichtliche Archäologie); Hilfskraft Anabelle Thurn

 

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