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Hohe Auszeichnungen für Dr. Angela Lüchtrath und Dr. Micha Herdtfelder

 

Forschungsarbeiten über Luchse in Baden-Württemberg abgeschlossen und mit Preisen ausgezeichnet:
 

Von 2008 bis 2012 arbeitete die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) zusammen mit der Universität Freiburg im Auftrag des Ministeriums für Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) an dem Forschungsprojekt "Luchs in Baden-Württemberg". In diesem interdisziplinären Projekt wurden erstmals eine differenziert ökologische Lebensraumanalyse und eine Analyse der sozialen Tragfähigkeit für Baden-Württemberg erstellt und miteinander kombiniert, um die Eignung des Landes Baden-Württemberg für eine Luchspopulation sowohl auf naturwissenschaftliche, als auch sozialwissenschaftliche Grundlagen zu stützen und Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit der Arbeitsgruppe Luchs (www.ag-luchs.de) zu geben.

Im Rahmen des Projektes entstanden zwei Doktorarbeiten an der Professur für Forst- und Umweltpolitik der Universität Freiburg, die nun mit zwei Preisen ausgezeichnet wurden.


Die Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg e.V. verlieh Herrn Dr. Micha Herdtfelder den „Walter-Schall Preis“ 2013 für seine Dissertation „Natur- und sozialwissenschaftliche Analysen anthropogen bedingter Mortalitätsfaktoren und deren Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit des Luchses (Lynx lynx)“. Die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erforschung der Natur – insbesondere der heimischen – zu fördern und vergibt diesen Preis einmal jährlich für bedeutende wissenschaftliche Arbeiten. In seiner Dissertation analysiert Micha Herdtfelder darin zunächst die Wahrscheinlichkeit, dass es durch zuwandernde Luchse aus dem Schweizer Jura zu einer vitalen Luchspopulation in Baden-Württemberg kommen kann. Mittels räumlich expliziten Simulationsmodellen wird dabei insbesondere die Bedeutung von Verlusten durch den Straßenverkehr und durch gelegentliche illegalen Abschüsse herausgearbeitet. Das Fazit dieses ersten Teils ist es, dass eine Luchspopulation in Baden-Württemberg nur zu erwarten ist, wenn zusätzlich zu den vereinzelten Zuwanderungen mehrere Luchse im Land ausgesetzt werden. Der Erfolg von möglichen Aussetzungen hängt dabei entscheidend davon ab, wie viele Luchse illegal getötet werden. Aus diesem Grund wird in dem zweiten Teil der Arbeit mittels Modellen aus der Rechtssoziologie herausgearbeitet, welche Faktoren die Bereitschaft von Jägern beeinflussen, Luchse zu schonen oder zu schießen. Abschließend werden entsprechende Handlungsempfehlungen für ein zukunftsweisendes Luchsmanagement empfohlen.


Die Gregor Louisoder Umweltstiftung vergab den „Förderpreise Wissenschaft“ an Dr. Angela Lüchtrath. Die Stiftung zeichnet Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus, die sich mit ihren Abschlussarbeiten außergewöhnlich für den Umwelt- und Naturschutz engagiert haben. Angela Lüchtrath erhält den Preis für ihre Dissertation zum Thema „Bewertung von Bestrebungen zum Schutz großer Beutegreifer durch betroffene Bevölkerungsgruppen am Beispiel des Luchses“. Die Dissertation behandelt die Frage, wie betroffene Bevölkerungsgruppen die Rückkehr großer Beutegreifer wahrnehmen. Naturschützerinnen und Naturschützer freuen sich beispielsweise über in Deutschland frei lebende Luchse, während Interessensgruppen wie Jägerinnen und Jäger sowie Landwirtinnen und Landwirte Bedenken haben. Die Forscherin betrachtet die verschiedenen Standpunkte aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive und arbeitet die zentralen Fragen des Konflikts heraus: Für viele Jäger gehe es dabei um Machtverteilungen, die sie als ungerecht empfinden, und das traditionelle, Identität stiftende Berufsbild. Bei Landwirten sei die Frage nach finanzieller Entschädigung wichtig: Wer erstattet Kosten, die der Luchs verursacht und bezahlt zum Beispiel notwendige Zäune? Angela Lüchtraths Studie zeigt, dass bei dem Konflikt nicht die Tiere, sondern soziale Aspekte im Mittelpunt stehen. Abschließend gibt sie Empfehlungen, wie die verschiedenen Gruppen das Problem zukünftig angehen sollten und lösen könnten.

 

Zur Dissertation von Micha Herdtfelder: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8707/

Zur Dissertation von Angela Lüchtrath: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8347/

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