Gestaltung von Hausarbeiten

Prof. Dr. Dieter Martin


             Zur Gestaltung von Hausarbeiten


1)   Grundsätzliches


•   Ziel einer Hausarbeit ist es, ein Thema selbständig mit Hilfe der zur Verfügung stehenden
    Mittel und unter Berücksichtigung einschlägiger Forschungsliteratur kritisch zu erarbeiten.
    Die Hausarbeit soll zeigen, daß Sie in der Lage sind, ein Thema problembewußt und
    methodisch sowie formal einwandfrei zu behandeln.


•   Die Erarbeitung des Themas setzt bei folgenden Einzelschritten an: a) Orientierung in
    Hilfsmitteln und Nachschlagewerken, b) Bibliographieren, c) Konsultieren und
    Exzerpieren von Fachliteratur.


•   Nachdem man die wichtigsten Quellen und Forschungsarbeiten zum Thema konsultiert
    hat, kann man eine Gliederung der eigenen Hausarbeit skizzieren und ggf. mit dem
    Dozenten absprechen.


•   Oftmals erkennt man erst nach dem schriftlichen Fixieren des Hauptteils, daß man die
    eigene Fragestellung bzw. seine Ergebnisse einschränken bzw. erweitern muß. Deshalb ist
    es ratsam, Einleitung und Schlußteil erst nach der Abfassung des Hauptteils zu formulieren.




Weiterführendes bei: Burkhard Moennighoff / Eckhardt Meyer-Krentler:
           Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. 18. Aufl. Paderborn 2019.
auch online:     https://www.redi-bw.de/start/unifr/eBooks-utb/9783838549019
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2)  Aufbau einer Seminararbeit

•  Die Seminararbeit muß enthalten:

   − DECKBLATT (Nennung der Universität, des Seminars und des Semesters, der Seminarart
        und des Titels des Seminars, Name des Seminarleiters; Titel der Arbeit;
        Verfasser, Adresse des Verfassers, Studienfächer und Semesterzahl)
        [vgl. Abb. unter 3)]

   − INHALTSVERZEICHNIS mit Seitenangaben (alle Kapitel und Unterkapitel der Arbeit
        werden genannt; die Zählung kann auf verschiedene Weise erfolgen, muß
        innerhalb der Arbeit jedoch einheitlich sein, z. B. I.1.; 1.a); 1.2.1.; Deckblatt
        und Inhaltsverzeichnis selbst werden allerdings nicht aufgeführt und auch
        nicht mitgezählt!)

   − EINLEITUNG (knappe Hinführung zum Thema und Erläuterung der zentralen
        Fragestellung; Eingrenzung des Themas, Schwerpunktbildung, evtl.
        Begriffserklärungen und Definitionen; Umreißen des aktuellen
        Forschungsstandes; keine persönlichen Mitteilungen!!!)

   − HAUPTTEIL (systematische Feingliederung möglich; Verweis auf evtl. bestehende
        Forschungskontroversen; die eigene Argumentation muß transparent und
        nachprüfbar gemacht werden; deshalb sind korrekte Quellenbelege und
        Verweise auf Forschungspositionen in Fußnoten unerläßlich, d. h. alle
        Zitate und alle forschungsgestützten Aussagen, sofern sie nicht zum
        Grundwissen gehören, müssen belegt werden.)

   − SCHLUSS (Fazit aus dem Hauptteil, Aufgreifen der in der Einleitung gestellten Fragen;
         evtl. Einordnen des Themas in größeren historischen Zusammenhang; evtl.
         Aufzeigen neuer Forschungsperspektiven)

   − ANMERKUNGEN (möglich als Anhang; besser als Fußnoten unter dem laufenden Text)

   – LITERATURVERZEICHNIS, aufgeteilt in
      a) QUELLEN (anzugeben sind die Ausgaben, nach denen die Primärtexte zitiert
        werden; dabei sollte eine kritische, zitierfähige Ausgabe benutzt werden)
      b) DARSTELLUNGEN (alphabetisch geordnet nach Verfassern; bei mehreren
        Werken/Artikeln eines Autors, darf ab der zweiten Nennung mit Ders./Dies.
        bzw. Diess. abgekürzt werden; bei Aufsätzen/Artikeln, die nicht selbständig
        erschienen sind, bitte immer auch komplette Seitenangaben anführen!)

   [− evtl. Abkürzungsverzeichnis, Abbildungen, Tabellen, Dokumente etc.]

   – ABSCHLIESSEND DIE UNTERSCHRIEBENE ERKLÄRUNG ZUR HAUSARBEIT:
   [erhältlich als Download auf der Seminar-Homepage und auf meiner Homepage]

   Hausarbeiten ohne diese Erklärung nehme ich nicht an!
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3)    Formalia
•    Das Deckblatt
                      Albert Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.  Sommersemester 2021
                      Deutsches Seminar – Neuere deutsche Literatur
                      Techniken und Methoden der Literaturwissenschaft
                      Leitung: Prof. Dr. Dieter Martin




                               Der Diskurs über die Sexualmoral
                                in Arthur Schnitzlers Reigen




                                    vorgelegt von:
                                   Fritz Lobheimer
                                    Ringstraße 1b
                                  79007 Freiburg i. Br.
                                    flob@gmx.de
                               Deutsch / Geschichte (BA polyvant)
                                    2. Semester

•   GESTALTUNG DER EINZELNEN SEITEN: maschinenschriftlich im Format DIN A 4. Jeweils
nur einseitige Beschriftung; rechts ein breiterer Korrekturrand (3 cm); die Ränder links und
oben/unten betragen 2 cm. Zeilenabstand im Fließtext: 1,5-zeilig, im Anmerkungsapparat und
im Literaturverzeichnis 1-zeilig. Fußnoten werden durchgezählt und erscheinen entweder im
unteren Seitenbereich oder am Textende. Seiten werden ab der Einleitung durchgezählt.

•    ZITIEREN:
–    Wörtl. Zitate in Anführungszeichen setzen und in Fußnoten genau nachweisen
(Seitenzahl nicht vergessen!!!).
–    Zitiert man häufig aus ein und demselben poetischen Werk, so kann man die Zitate auch
im Fließtext durch einfache Seiten- oder Verszahlen (in Klammern) nachweisen. Dazu weist man
beim ersten Zitat die benutzte Ausgabe in einer Fußnote genau nach und gibt dazu diesen
Hinweis: „Im folgenden zitiere ich aus dieser Quelle durch Angabe der Seiten- [oder ggf. Vers-
]zahl im laufenden Text.“
–    Wenn die Übernahme grammatikalische oder graphische Änderungen oder
Auslassungen innerhalb des Zitats erfordert, muß dies [in eckigen Klammern] gekennzeichnet
werden (entbehrlich bei Auslassungen am Anfang oder Ende des Zitat). Beispiele:
Bernd W. Seiler meint hierzu, „[d]as überraschende Ergebnis dieser Untersuchung ist, daß die auf den ersten Blick
unklar, widerspruchsvoll und entmutigend fragmentarisch wirkenden Dichtungen in einem engen rationalen
Zusammenhang stehen“.52
Seiler kommt zu dem Schluß, daß die „auf den ersten Blick unklar [...] und [...] fragmentarisch wirkenden Dichtungen
in einem engen rationalen Zusammenhang“ stünden. 52

–   Zitate bleiben in der Originalsprache.
–   Zitate, die länger als drei Zeilen sind, werden                eingerückt    und   ohne
Anführungszeichen in 1-zeiligem Zeilenabstand wiedergegeben.
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•    ANMERKUNGEN/FUSSNOTEN enthalten erstens Quellennachweise für Zitate aus
Primär- und Sekundärliteratur sowie zweitens zusätzliche Informationen, Erklärungen,
Beispiele, eigene Kommentierungen und Verweise auf weiterführende Forschungsliteratur. Gehen
die Anmerkungen über bloße Quellennachweise hinaus, sollten sie als ganze Sätze formuliert
werden. Wird eine Forschungsmeinung paraphrasiert, steht der Konjunktiv. Wörtliche Übernahmen
durch Anführungszeichen markieren. In beiden Fällen muß auch die entsprechende Seitenangabe
aufgeführt werden.

    Beispiele:
    52     Anders urteilt Bernd W. Seiler: Die historischen Dichtungen Georg Heyms. Analyse und
    Kommentar. München 1972, 8; er kommt zu dem Schluß, daß die „auf den ersten Blick unklar [...] und [...]
    fragmentarisch wirkenden Dichtungen in einem engen rationalen Zusammenhang“ stünden.
    53     Vgl. ebd. [Gemeint ist hier: gleiches Werk und gleiche Seite.]
    54     Vgl. ebd., 135. [Gemeint ist hier: gleiches Werk, aber andere Seite.]
    55     Vgl. Hans-Wolf Jäger: Zwischen Décadence und Expressionismus. „Revolution“ bei Schnitzler,
    Heym, Heinrich Mann und Klabund. In: Schreckensmythen – Hoffnungsbilder. Die Französischen
    Revolution in der deutschen Literatur. Essays. Hg. v. Harro Zimmermann. Frankfurt a. M. 1989, 222–250,
    hier 234, der darauf hinweist, daß in den „Vorstellungen des Erwachens, des Schreies, des Lohens [...] bereits
    Herzwörter der expressionistischen Bewegung und ihres exstatischen Programmes“ dargeboten werden.
    56     Vgl. Seiler: Historische Dichtungen, 42. [Nachdem ein Werk beim ersten Mal mit Vollbeleg zitiert wurde,
    genügt für jedes weitere Zitat eine jeweils einheitlich durchgehaltene Abkürzung. Gleiches gilt für die Verwendung von Siglen;
    an Stelle eines Kurztitels findet man bisweilen auch das Publikationsjahr, also z. B. Seiler 1972, 42 – man sollte sich für ein
    System entscheiden und dies in der gesamten Arbeit konsequent beibehalten.]
    57     Vgl. Jäger: Décadence, 233.




•    BIBLIOGRAPHISCHE ANGABEN IM LITERATURVERZEICHNIS

Angeführt werden sämtliche in den Fußnoten angeführten Quellen (Primärliteratur) und
Darstellungen (Sekundärliteratur): nicht weniger, aber auch nicht mehr!

Grundsätzlich gilt:
–   Nicht der Einband gilt als Grundlage für die Titelangabe, sondern das Titelblatt;
–   Vornamen so vollständig wie vorgefunden aufnehmen; akademische Titel entfallen;
–   bis zu drei Verfasser/Herausgeber werden alphabetisch geordnet wiedergegeben; bei
   mehr als drei Verfassern/Herausgebern darf mit u. a. („und andere“) abgekürzt
   werden; gleiches gilt auch für Erscheinungsorte (z. B. Berlin u. a.);
–   von der ersten Auflage verschiedene Auflagen müssen als solche gekennzeichnet werden
   (etwa: ... Berlin 21986; 3., stark verm. Aufl. München 1972; 4., durchges. u. verb. Aufl. Frankfurt a.
   M. 1980 etc.)
–   sind Erscheinungsort/-jahr zwar auf dem Titelblatt nicht vorhanden, aber anderweitig
   ersichtlich (etwa aus dem Copyright oder dem Vorwort), so werden diese Angaben wie
   folgt vermerkt: [Leipzig] 1919 oder Dresden [1956]
   lassen sich Erscheinungsort/-jahr nicht ermitteln, notiert man o. O („ohne Ort“), o. J.
   („ohne Jahr“) bzw. o. O. u. J.
–   am Ende jeder bibliograph. Angabe steht ein „.“!
–   aus Gründen der Effektivität sollte für die eigene Literaturliste auch die Angabe der
   jeweiligen Signatur des Bandes nicht fehlen (Ort, Art der Bibliothek, Signatur, z. B:
   FR UB: GE 86/1234 oder FR DSem: S 124/530)!
–   verschiedene Modi der bibliographischen Aufnahme sind zulässig (Abtrennung durch
   Kommata/Punkte; Nennung des Herausgebers durch (Hg.) oder durch Hg. v. ...);
   unabhängig davon, wofür man sich entscheidet, gilt als oberstes Kriterium:
   Einheitlichkeit!
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Selbständig erschienene Literatur:

Modell:     Autor(en)/Herausgeber – vollständiger Titel einschließlich Untertitel – [evtl.
          Bandzählung] – [evtl. Auflage] – [evtl. Zusätze bei Hochschulschriften: phil.
          Diss./Habil. masch] – Erscheinungsort und -jahr – [evtl. Zusatz bei
          Reihenpublikationen]. – [evtl. Signatur]
Beispiele:   STEINER, Wilfried: Rausch – Revolte – Resignation. Eine Vorgeschichte der poetischen
          Moderne von Novalis bis Georg Heym. Wien 1993 (Dissertationen der Universität
          Salzburg 37).
        LIEDE, Helmut: Stiltendenzen expressionistischer Prosa. Untersuchungen zu Novellen
          von Alfred Döblin, Carl Sternheim, Kasimir Edschmid, Georg Heym und Gottfried
          Benn. Diss. phil. Freiburg i. Br. 1960.
        SCHNEIDER, Nina (Hg.): Der Städte Schultern knacken. Bilder, Texte, Dokumente.
          Zürich 1987.
        EYKMAN, Christoph: Die Funktion des Häßlichen in der Lyrik Georg Heyms, Georg
          Trakls und Gottfried Benns. Zur Krise der Wirklichkeitserfahrung im deutschen
          Expressionismus. 3., erg. Aufl. Bonn 1985 (Bonner Arbeiten zur deutschen
          Literatur 11).
        CHICK, Jean McGregor: Form as Expression. A Study of the Lyric Poetry written between
          1910 and 1915 by Lasker-Schüler, Stramm, Stadler, Benn and Heym. Bern u. a. 1988.
        Erzählte Kriminalität. Zur Typologie und Funktion von narrativen Darstellungen in
          Strafrechtspflege, Publizistik und Literatur zwischen 1770 und 1920. Hg. v. Jörg
          Schönert u. a. Tübingen 1991 (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur
          27).
        DAMMANN, Günter; SCHNEIDER, Karl Ludwig; SCHÖBERL, Joachim: Georg Heyms
          Gedicht Der Krieg. Handschriften und Dokumente. Untersuchung zur
          Entstehungsgeschichte und zur Rezeption. Heidelberg 1978 (Euphorion Beiheft 9).

Unselbständig erschienene Literatur:
a) Festschriften/Sammelbände/Lexika

Modell:     Autor(en) – Titel des Beitrags/Artikels – In: – Titel der Festschrift etc. (nach obigem
         Modus) – Seiten-/Spaltenangabe. [evtl. Signatur]
Beispiel:    SCHUMACHER, Hans: Die Todesproblematik in dem Novellenbuch Der Dieb von Georg
         Heym. In: Ders. (Hg.): Spiegel im dunklen Wort. Analysen zur Prosa des frühen 20.
         Jahrhunderts. Bd. 2. Frankfurt a. M. 1986 (Berliner Beiträge zur neueren deutschen
         Literaturgeschichte 11), 35–99.

b) Zeitschriften-/Zeitungsartikel

Modell:     Autor(en) – Titel des Aufsatzes – In: – Name der Zeitschrift (evtl. nach gängigen Siglen
          abgekürzt) bzw. der Zeitung – Jahrgang/Heftnummer (bei Zeitungen Erscheinungsort
          und Datum) – Jahreszahl (durch Kommata oder Klammer abgetrennt) – Seiten-
          /Spaltenangabe. [evtl. Signatur]
Beispiele:   BICK, Judith: Cross or Judas-Tree. A Footnote to the Problem of Good and Evil in Georg
          Heym. In: GQ 46 (1973), 22–30.
        HARTUNG, Harald: Verlorenes Ich. Zum 100. Geburtstag des Lyrikers Georg Heym. In:
          FAZ, Nr. 252 vom 30. 10. 1987, 27.

–    Achtung: Obige systematische Unterscheidung in selbständig resp. unselbständig
erschienene Literatur ist wichtig für unterschiedliche Arten bibliogr. Angaben; gliedern Sie aber
bitte Ihr Literaturverzeichnis nicht nach diesem Kriterium, sondern nach „Quellen“
(Primärliteratur) und „Darstellungen“ (Sekundärliteratur)!
–    Die Fettmarkierungen in den Beispielen dienen der Veranschaulichung; bitte in Ihrer
Hausarbeit nicht nachahmen!