Handout für wissenschaftliche Arbeiten

                  Prof. Dr. Weertje Willms

    HINWEISE ZUR ABFASSUNG VON HAUSARBEITEN UND
     ABSCHLUSSARBEITEN (BA-, MA-, Zulassungsarbeiten)

I. FORMALIA

1. Umfang und Abgabetermin
  - Umfang und Abgabetermin von Hausarbeiten werden im Seminar festgelegt. Jede
   Arbeit muss mit der Lehrenden in der Sprechstunde besprochen werden!
  - Umfang B.A.-Arbeiten: ca. 40 S.
  - Umfang Zulassungs- und Masterarbeiten: 60-80 S.

2. Formale Gestaltung
  - Schriftart: Times New Roman
  - Seitenränder: 2,5 cm links, 3,5 cm rechts, oben und unten je 2,5 cm (hier darf nicht
    getrickst werden, wenn Arbeiten zu lang geraten sind!)
  - Zeilenabstand: Haupttext 1,5; Fußnoten, eingerückte Zitate einzeilig
  - Schriftgröße: Haupttext pt 12; Fußnoten, eingerückte Zitate pt 10 (auch hier gilt: nicht
    schummeln!)
  - Blocksatz verwenden und Trennstriche setzen (automatische Silbentrennung)
  - Keine Leerzeilen nach Absätzen
  - Seitennummerierung ab dem Inhaltsverzeichnis
  - Rechtschreibung: Alte und neue Orthographie sind beide akzeptabel, wichtig ist
    Einheitlichkeit.

3. Literaturverweise im Text
  - Alle Entlehnungen aus Primär- und Sekundärliteratur – direkte und indirekte Zitate,
    Paraphrasen etc. – sind als solche zu kennzeichnen.
  - Literaturverweise erfolgen nach der Harvard-Zitierweise, also im Haupttext (und nicht
    in den Fußnoten) durch den Nachnamen des Autors oder Herausgebers, das Jahr der
    Publikation und die Seitenzahl in Klammern direkt nach dem Zitat: „Das sieht so aus“
    (Müller 2005, 21). (Die Zitierweise in Fußnoten ist weder falsch noch verboten, ist aber
    fehleranfälliger und umständlicher.)
    Ø Ein Autor: (Langer 1985); zwei Autoren: (Schmidt und Müller 1995); mehr als zwei
      Autoren: (Kurz et al. 2006); bitte listen Sie im Literaturverzeichnis aber alle Autoren
      und Herausgeber auf.
    Ø Wenn es mehrere Publikationen eines Autors aus einem Jahr gibt, differenzieren Sie
      durch Kleinbuchstaben (Müller 1987a, 1987b, 1994).
    Ø Werke verschiedener Autoren: (Langer 1985; Kurz 1993).
    Ø Nachdrucke: (Koeppen 2015 [1954], 73)
    Ø Längere Passagen: (Sokol 1964, 140–145); schreiben Sie Zahlen immer komplett
      aus (nicht 140–5).
    Ø Wenn der Name des Autors im Text ohnehin genannt wird, muss er in Klammern
      nicht wiederholt werden: Bloomfield (1933, 123–125) hat den Begriff geprägt…;
      Sapir (1922) argumentiert …
    Ø Geben Sie immer alle Seitenzahlen an, vermeiden Sie die Benutzung von „ff.“.
  - Der vollständige Nachweis der Quellen erfolgt im Literaturverzeichnis am Ende des
    Textes.

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4. Zitieren
  - Zitate im Fließtext werden durch „...“, Zitat im Zitat wird durch ‚...‘, gekennzeichnet.
    Keine Kursive für Zitate verwenden, die Kursive ist anderen Hervorhebungen
    vorbehalten.
  - Längere Zitate (ab drei Zeilen) sollten vom übrigen Text durch eine Leerzeile davor und
    danach, einen linken Einzug und ohne Anführungszeichen kenntlich gemacht werden.
  - Primärzitate in der Originalsprache anführen (ggf. wissenschaftlich transliteriert) plus
    deutsche Übersetzung (Ausnahme: Englisch). Übersetzung neben dem Zitat oder ihm
    direkt nachfolgend. Die Rechtschreibung bleibt beim Wortlaut und wird nicht
    umgewandelt/angepasst. Offensichtliche Fehler in der Vorlage werden mit einem [sic!]
    gekennzeichnet, nicht aber die Konventionen der alten Rechtschreibung.
  - Paraphrasierende Bezugnahmen auf verwendete Literatur sowie Hinweise auf
    weiterführende Arbeiten erhalten den Zusatz „Vgl.“. Beisp.: Vgl. Eco 1993: 20.
  - Zusätze/Auslassungen werden durch eckige Klammern [...] markiert.
    Beisp.: „Der vorligende [sic!] Text über das [...] Verfassen von wissenschaftlichen
    Arbeiten ist 2018 entstanden.“
  - Hervorhebungen im Fließtext oder im Zitat durch Kursivierung; durch Initialen des
    Verfassers in eckigen Klammern nach dem Zitat markiert. Beisp.: [Hervorhebungen
    W.W.] oder [Hervorh. d. Verf.]
  - Werktitel werden kursiviert.
  - Uneigentliches, ‚vorsichtiges‘ oder von der wissenschaftlichen Sprache abweichendes
    Sprechen wird mit einfachen Anführungszeichen gekennzeichnet. Beisp.: Die
    Protagonistin weist ‚typisch weibliche‘ Eigenschaften auf.


5. Fußnoten
  - Fußnoten sind weiterführenden Gedanken und Anmerkungen vorbehalten, alle
   Literaturverweise erfolgen im Fließtext nach der o.g. Harvard-Zitierweise.
  - Das hochgestellte Fußnotenzeichen steht, wenn es sich lediglich auf ein Wort bzw. eine
   Wortgruppe bezieht, direkt hinter dem letzten Bezugswort, und damit vor einem
   eventuellen Satzzeichen.
  - Bezieht sich das Fußnotenzeichen auf einen ganzen Satz oder einen Teilsatz, steht es
   stets hinter dem letzten Satzzeichen (Punkt, Komma oder Semikolon etc.).


6. Bibliographie / Literaturverzeichnis
  -  Auflistung der zitierten und der für diesen Zweck gelesenen Literatur. (Wie so oft, weichen
    auch an diesem Punkt die Meinungen auseinander. Ich vertrete die Meinung, dass man der
    wissenschaftlichen Redlichkeit am ehesten gerecht wird, wenn man jeden Text nennt, der einem bei der
    Bearbeitung seines Themas geholfen hat, auch, wenn man am Ende nicht direkt aus ihm zitiert.)
  -  Primär- und Sekundärliteratur werden getrennt aufgelistet.
  -  Auflistung erfolgt alphabetisch sortiert.
  -  Treffen Sie eine sinnvolle Auswahl: Keine Lektürehilfen für den Schulunterricht, nur
    in Ausnahmefällen Lexika.
  -  Anders als in anderen Fächern gibt es in der Germanistik kein bis ins letzte Detail
    geregeltes, verbindliches System. Das folgende System ist lediglich ein Vorschlag.
    Wichtig ist, dass Sie sich in der Hausarbeit einheitlich an das gewählte Schema
    halten, und zwar bis auf Punkt und Komma genau. Für Spezial- und Problemfälle
    konsultieren Sie am besten folgendes Handbuch: Burkhard Moennighoff/Eckhardt
    Meyer-Krentler: Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. 13., aktual. Aufl. München
    2008 (= UTB 1582).

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Primärtexte/Werkausgaben
  - Verwenden Sie für wissenschaftliche Arbeiten ausschließlich zitierfähige, d.h. in der
   Regel die historisch-kritischen Ausgaben.
  - Auch Reclam-Ausgaben dürfen verwendet werden.

Der Autor steht hier an erster Stelle, der Herausgeber nach dem Titel, z.B.:
→ Fischart, Johann: Sämtliche Werke. Hg. von Hans-Gert Roloff/Ulrich Seelbach/W. Eckehart
Spengler. Bd. 1. Bearb. von Ulrich Seelbach. Bern u.a. 1993.

Der Herausgeber steht nach der Bandangabe, wenn die verschiedenen Bände verschiedene
Herausgeber haben und man (anders als im obigen Fall) nur einen der Bände verwendet, z.B.:
→ Schiller, Friedrich: Sämtliche Werke. Bd. 1. Hg. von Albert Meier, München/Wien 2004.
  -  Ist der Herausgeber bei allen Bänden derselbe, kann er auch nach dem Titel der Ausgabe stehen, z.B.:
    Schiller, Friedrich: Sämtliche Werke. Hg. von Albert Meier. Bd. 1. München/Wien 2004.
  -  Falls die Ausgabe Bestandteil einer Reihe ist, kommt es für die ‚Standortwahl‘ bzgl. der Reihenangabe
    darauf an, ob jeder Einzelband eine eigene Reihennummer hat oder ob die ganze Ausgabe unter einer
    Reihennummer subsumiert wird.

Das Nachwort des Herausgebers zu einer Textausgabe (gehört im Literaturverzeichnis zur
‚Sekundärliteratur’!) wird z.B. so angegeben:
→ Kurz, Gerhard: „Nachwort“. In: Friedrich Hölderlin: Gedichte. Hg. von G.K. (= RUB 18242),
Stuttgart 2003.


Sekundärliteratur

Bücher/Monographien:
Autornachname, Autorvorname: Titel. Erscheinungsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
→ Pannikar, Raimundo: Rückkehr zum Mythos. Frankfurt a. M.: Insel, 1985.
  -  Die Auflage wird nur dann angegeben, wenn es sich nicht um die erste Auflage handelt (Schreibweise:
    2. Aufl.). Zusätze, die auf Veränderungen hindeuten, müssen aufgeführt werden, z.B.: 2., erw. Aufl.,
    München 1994. Gängige Abkürzungen sind z.B. „erw.“ für „erweiterte“, „erg.“ für „ergänzte“,
    „neubearb.“ für „neubearbeitete“ usw.
  -  Die Auflagenzahl bei unveränderten Auflagen ist durch eine hochgestellte Ziffer ersichtlich, z.B.:
    Martinez, Matias/Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München 32002.
  -  Bei mehr als einem Autor trennt man die Autoren durch einen Schrägstrich (/).
  -  Verlagsorte: Drei werden noch angegeben; bei vier Orten gibt man nur den ersten an und ergänzt: ‚u.a.‘.
    Zur Trennung bei mehreren Orten benutzt man ebenfalls den Schrägstrich. Im Gegensatz dazu werden
    Spezifizierungen bei Orten abgekürzt, z.B.: Frankfurt a.M., Cambridge (Mass.).
  -  Die AutorInnen eines Buches sollten dagegen stets alle angegeben werden.
  -  Reihentitel gibt man ohne Herausgeber an.
  -  Hervorhebungen im Titel (Kursivierungen, einfache oder doppelte Anführungszeichen) werden
    übernommen.
  -  Ob Sie Verlagsorte anführen oder nicht, eindeutschen (z.B. Rom statt Roma) oder nicht, bleibt Ihnen
    überlassen. Wie immer gilt: Einheitlichkeit!
  -  Bandangaben – entweder die Anzahl aller Bände (z.B.: 5 Bde.) oder die Nummer des Bandes, aus dem
    zitiert wird (z.B.: Bd. 1), oder beides (z.B.: 5 Bde., hier Bd. 1) – werden hinter dem Titel und
    gegebenenfalls vor der Auflagenzahl angegeben (außer, die Bandanzahl hat sich mit der neuen Auflage
    geändert) und durch Punkte abgetrennt.
  -  Nachdrucke werden in eckigen Klammern hinter dem ersten Erscheinungsort und -jahr angegeben.




                                                      3
Aufsätze:
In einem Sammelband: Autornachname, Autorvorname: „Aufsatztitel“. In: Buchtitel. Hg. v.
Autorvorname Autornachname, Erscheinungsort: Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahlen.
→ Beispiel Sammelband: Henkel, Arthur: „Traum und Gesetz in Kleists ‚Prinz von Homburg‘“. In:
Heinrich von Kleist. Aufsätze und Essays. Hg. v. Walter Müller Seidel, Darmstadt: Wiss.
Buchgesellschaft, 1967, S. 576–604.
  -  Bei Aufsätzen aus Sammelbänden gibt es eine Besonderheit. Wird nur ein Aufsatz dem Band entnommen,
    funktioniert die Angabe im Literaturverzeichnis ganz normal. Werden mehrere Aufsätze aus einem Band
    aufgeführt, ist es praktisch, den Sammelband separat anzugeben und dann bei den einzelnen Aufsätzen
    mit einem Kurztitel des Sammelbands zu arbeiten, z.B.:
    → Knape, Joachim: „Rhetorizität und Semiotik. Kategorientransfer zwischen Rhetorik und Kunsttheorie
    in der Frühen Neuzeit“. In: Kühlmann/Neuber (Hg.): Intertextualität, S. 507-532.
    → Kühlmann, Wilhelm/Wolfgang Neuber (Hg.): Intertextualität in der Frühen Neuzeit. Studien zu ihren
    theoretischen und praktischen Perspektiven. Frankfurt a.M. u.a. 1994.

In einer Zeitschrift: Autornachname, Autorvorname, „Aufsatztitel“, in: Zeitschriftentitel
Bandnr. (Jahr), Seitenzahlen.
→ Tholen, Toni, „Familienmännlichkeit und künstlerisch-literarische Arbeit“. In: Weimarer Beiträge
57 (2011), S. 253–268.
  -  Für viele Zeitschriftentitel haben sich platzsparende Abkürzungen (sog. Siglen) etabliert, z.B. LY für
    Lessing Yearbook. Die Abkürzung von Zeitschriften oder Lexika erfolgt nach den üblichen Standards
    (RLW = Reallexikon der Literaturwissenschaft; HWR = Historisches Wörterbuch der Rhetorik usw.).
    Bilden Sie keine eigenen Abkürzungen, sondern konsultieren Sie dafür die Liste in der Germanistik oder
    in Moennighoff/Meyer-Krentler: Arbeitstechniken Literaturwissenschaft. Wenn Sie über den
    Bekanntheitsgrad eines Organs und seiner Abkürzung nicht informiert sind, schreiben Sie besser alles
    aus.
  -  Zeitschriftentitel werden grundsätzlich ohne Herausgeber, Verlag o.ä. angegeben.
  -  Die Angabe der Heftnummer ist nur erforderlich, wenn eine Zeitschrift die Seiten heftweise
    durchnummeriert (= jedes Heft beginnt neu mit S. 1), z.B. Der Deutschunterricht. Normalerweise zählen
    die Zeitschriften die Seiten nach Bänden (d.h. zum Beispiel: Heft 2 beginnt mit S.123, Heft 3 mit S. 246
    etc.; die Heftangabe ist dann überflüssig).



Internet-Quelle:
Autornachname, Autorvorname: „Aufsatztitel“, online verfügbar unter: Link (letzter Zugriff:
xx.xx.xxxx).
→ Magenau, Jörg: „Wie sich der Verlust von Heimat anfühlt“, online verfügbar unter:
http://www.deutschlandradiokultur.de/natascha-wodin-sie-kam-aus-mariupol-wie-sich-der-
verlust.950.de.print?dram:article_id=380798 (letzter Zugriff: 12.04.2018).


Artikel in Lexika
  - Allgemeinenzyklopädien (Brockhaus, Meyer, Microsoft Encarta, die Wikipedia usw.)
    sind nicht zitierfähig.
  - Oft sind Autorennamen unter einem Lexikonartikel abgekürzt. In solchen Fällen gibt es
    im Band aber eine Namensliste, über die Sie den vollen Namen herausfinden. Ein
    Lexikonartikel wird wie ein Aufsatz in einem Sammelband zitiert. Das Titelstichwort
    wird jedoch in einfache Anführungszeichen gesetzt, ihm voran steht: Art. (für Artikel).

    → Jaumann, Herbert: Art. ‚Barock’. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd.
    1. Hg. v. Klaus Weimar u.a. Berlin/New York 1997, S. 199-204.
  -  Der Herausgebername ist hier nach dem Band zu finden, weil die verschiedenen Bände
    des Reallexikons unterschiedliche Herausgeber haben. Ist dies nicht der Fall, können
    die Herausgeber ganz normal dem Titel vorangestellt werden.


                                                       4
II. DIE EINZELNEN TEILE DER WISSENSCHAFTLICHEN ARBEIT UND IHRE
FUNKTION

1. Deckblatt
Das Deckblatt einer wissenschaftlichen Arbeit enthält die folgenden Angaben:
  - Universität, Institut, Semester, Seminarart (PS, HS, Übung etc.) bzw. Bezeichnung der Art
    der Abschlussarbeit, Bezeichnung des Seminars, Name der Seminarleiterin
  - Titel der Arbeit
  - Name, Anschrift, Email-Adresse, Studienfächer, Semesterzahl des/der Verfassers/in


2. Gliederung / Inhaltsverzeichnis
  - Das Inhaltsverzeichnis gibt einen Überblick über Thema, Methode und Vorgehensweise der
    Arbeit.
  - Das Inhaltsverzeichnis gibt die Gliederung der Arbeit schematisch wieder. Hier sollten die
    Logik und der Argumentationsgang der Arbeit erkennbar werden.
  - Das Inhaltsverzeichnis entspricht den Zwischentiteln im Text.
  - Alle Punkte und Unterpunkte werden nummeriert, die Bibliographie nicht.
  - Seitenzahlen angeben.


3. Einleitung
  - Sie haben sich für Ihre Hausarbeit ein Thema gewählt, mit dessen Bearbeitung Sie ein
    bestimmtes Erkenntnisinteresse / eine Forschungsfrage verfolgen. Außerdem wählen Sie
    für die Bearbeitung eine Methode oder Theorie. In der Einleitung sollten Sie als erstes Ihre
    Forschungsfrage und Ihr Erkenntnisinteresse vorstellen. Danach kontextualisieren Sie Ihr
    Thema, begründen seine Relevanz, stellen Ihre Vorgehensweise, Ihre Methode, theoretische
    Basis, Textauswahl und Gliederung vor und begründen diese ebenfalls.
  - Als Leser Ihrer HA stellen Sie sich ein Fachpublikum vor, das über ein gewisses Vorwissen
    besitzt. Das heißt, dass allgemeine Angaben zu Epochen, biographische Angaben zu
    bekannten Autoren und Inhaltsangaben bekannter Werke nicht notwendig sind.


4. Hauptteil
In der Regel nehmen Sie eine oder mehrere Textinterpretationen unter einer bestimmten
thematischen Leitfrage vor. Das Leit-Thema bestimmt sinnvoll die Gliederung und wurde bereits
mit dem Titel der Arbeit angekündigt. Zwischen Titel, Gliederung, Einleitung, Hauptteil und Fazit
besteht ein roter Faden.

Wichtige Hinweise für die Analyse
  - Die endgültige Fassung Ihrer Hausarbeit sollte aus einem kohärenten, argumentativ
    durchstrukturierten Text bestehen. Achten Sie auf einen roten Faden in Ihrer
    Argumentation, entwickeln Sie Ihre Gedanken aus dem analysierten Text heraus.
  - Begründen Sie Ihre Vorgehensweise und Ihre Interpretation.
  - Belegen Sie Ihre Argumente mit überzeugenden Textstellen.
  - Achten Sie darauf, den Text nicht lediglich zu paraphrasieren oder zu beschreiben, sondern
    ihn zu analysieren und zu interpretieren.
  - Sie müssen nicht alle Aspekte der Textanalyse an einem Text abarbeiten, sondern nur die
    für den jeweiligen Text und die Interpretation relevanten. Wichtig ist immer die Funktion
    und Bedeutung einzelner Merkmale innerhalb des Gesamttextes; isolierte Beobachtungen
    (etwa: Auf S. X in der dritten Zeile wechselt die Erzählperspektive; das Gedicht folgt dem
    Reimschema XY) sind wertlos. Versuchen Sie, Einzelbeobachtungen zu verbinden und
    interpretatorisch auszuwerten.
                                                 5
  -  Thematische (Das „Was“ der Geschichte) und darstellungsbezogene (Das „Wie“ der
    Geschichte) Aspekte des Textes werden nicht isoliert voneinander betrachtet und
    interpretiert, sondern in ihrem Zusammenspiel.

Spezielle Hinweise für das Abfassen komparatistischer Arbeiten
  - In Ihrer wissenschaftlichen Arbeit können Sie 2 oder mehrere Texte unterschiedlicher
    Autoren miteinander unter verschiedenen Maßgaben (Thema, Struktur, Motive usw.)
    vergleichen.
  - Formal kann der Vergleich folgendermaßen gestaltet werden:

Möglichkeit I:
1. Vergleichsaspekt 1
1.1. Analyse von Text A unter dem gegebenen Aspekt
1.2. Analyse von Text B unter dem gegebenen Aspekt
1.3. Vergleich der Ergebnisse aus den Interpretationen von Text A und B, Schlussfolgerungen
2. Vergleichsaspekt 2 (entsprechend; usw.)

Möglichkeit II:
1. Vergleichsaspekt 1
Interpretation von Text A und Text B im Hin- und Herverweis
2. Vergleichsaspekt 2 (entsprechend; usw.)

Möglichkeit III:
1. Vergleichsaspekt 1
1.1. Analyse von Text A unter dem gegebenen Aspekt
1.2. Analyse von Text B im Vergleich und Rückbezug zu Text A
2. Vergleichsaspekt 2 (entsprechend; usw.)


5. Hinweise zur Verwendung von Sekundärliteratur
  - Versuchen Sie zunächst, selber Fragen an einen Text zu stellen und Antworten zu finden,
    bevor Sie sich mit der Sekundärliteratur auseinandersetzen. Ihre eigene
    Interpretationsleistung sollte nicht durch die Wiedergabe einer fremden ersetzt werden.
  - Behandeln Sie einen oder mehrere Texte unter einem bestimmten Leitthema, ist es wichtig,
    sich Hintergrundinformationen zu besorgen, damit die eigene Textinterpretation fundiert
    wird und nicht in die falsche Richtung läuft.
  - Betrachten Sie einen Text unter bestimmten methodischen oder theoretischen Prämissen,
    müssen Sie sich natürlich die entsprechende Theorie, Methode usw. zu eigen machen.
  - Wenn Sie sich eingehend über Ihren Text und Ihre Fragestellung Gedanken gemacht haben,
    sollten Sie die existierende (bzw. die aktuellste) Forschungsliteratur zu Ihrem Thema zur
    Kenntnis nehmen. Überlegen Sie sich nun, wie Sie sich zu den Meinungen der anderen
    Wissenschaftler/innen positionieren. Worin stimmen Sie ihnen zu, in welchen Punkten
    vertreten Sie andere Ansichten, kommen Sie zu anderen Deutungen und warum?


6. Schluss / Zusammenfassung / Resümee / Fazit
  - Der Schlussteil fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Darauf aufbauend sollte ein
    erhöhter Standpunkt erreicht werden, der v.a. zu den historischen und / oder theoretischen
    Kontextualisierungen Bezug nimmt und von dem aus abschließende Gedanken formuliert
    werden können.
  - Keine neuen Themen, Ergebnisse, Belege.



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