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Estnisches Staatsarchiv

Eestii Riigarhiiv, Tallinn

 Daten zu diesem Artikel
 Verfasser Michel Abeßer, MA, Universität Freiburg
 Stand November 2011
 Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag
 Feedback & Neues hiwis.osteuropa@geschichte.uni-freiburg.de

 

 

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Anreise

Tallinn wird von der Lufthansa direkt von Frankfurt aus täglich angeflogen. Alternativ kann man auch mit Air Baltic anreisen, wobei hier zu beachten ist, dass der Flug über das Drehkreuz Riga abgewickelt wird und nur Handgepäck im Preis inbegriffen ist. Ein Koffer kostet zusätzlich ca. 25 Euro pro Flugrichtung. Auf der Homepage von Air Baltic kann die Gebühr im Voraus entrichtet werden. Passkontrollen sind seit dem Schengen-Beitritt Estlands  weggefallen, mindestens der Personalausweis muss dennoch mitgeführt werden. Der Flughafen Tallinn ist klein und übersichtlich. Geldwechseln (Estnische Kronen) ist noch im Terminal entweder am EC-Automaten oder in der Wechselstube möglich. Beim Verlassen des Gebäudes trifft man auf eine große Zahl von Taxen. Alternativ und preisgünstiger fährt im Abstand von 25 Minuten ein Bus (Nr.2) direkt ins Stadtzentrum.


Lage des Archivs

Das Estnische Staatsarchiv und seine Lesesäle befinden sich nahe dem historischen Stadtzentrum und sind zu Fuß sowie mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. Der Hauptlesesaal in der Madara Straße 24 liegt südlich vom Stadtkern und ist entweder zu Fuß (20 Minuten) oder mit den Bussen 16 und 23 (von Theater Estonia bis „Taksopark“, von dort 5 Minuten Fußweg) zu erreichen. Der Lesesaal in der Maneeži Straße 4 liegt 5 Minuten Fußweg vom historischen Stadtzentrum entfernt.


Tipps für Unterbringung und Verpflegung

Die historische Altstadt Tallinns sowie der weitere Stadtkern kann mit einer Fülle an Jugendherbergen und Bed and Breakfast Unterkünften aufwarten, ein Trend, der sich durch den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2011“ zweifelsohne verstärkt hat. Für längere Aufenthalte ab einem Monat ist die Anmiete eines Zimmers oder einer ganzen Wohnung in Betracht zu ziehen. Besonders im östlich gelegenen Stadtteil „Lasnamäe“, der in den sowjetischen 1970er und 1980er Jahren entstand, ist die Anmiete einer 70 qm Wohnung für ab 180 € möglich, ein Preis, der durchaus für den verlängerten Anfahrtsweg zum Archiv zu entschädigen vermag. Ein ausreichend dichtes Netz an Supermärkten ist in ganz Tallinn vorhanden, ebenso finden sich zahllose Restaurants und Imbisse, deren Preise im touristisch frequentierten historischen Stadtkern naturgemäß höher sind. Preise für Lebensmittel sowie in Restaurants liegen über dem deutschen Durchschnitt.


Archivbeschreibung

Der Hauptlesesaal des Staatsarchivs befindet sich in einem zweistöckigen gelben Neubau in der Madarastraße, während der Zweiglesesaal in der Maneežistraße näher am Stadtkern im Erdgeschoss eines Jahrhundertwendebaus zu finden ist. Hier gibt es lediglich 10 Sitzplätze, während dem Nutzer in der Madara Straße ca. 30 Sitzplätze und mehrere internetfähige PC's zur Verfügung  stehen. Eine vorherige Absprache und Anmeldung sind sicherlich hilfreich, aber auch ohne diese helfen die engagierten und fachkundigen Mitarbeiter dem Nutzer mit Hinweisen und Vorschlägen weiter. Das Personal spricht estnisch, ältere Mitarbeiter zudem russisch, während die jüngeren über gute Englischkenntnisse verfügen. Besonders bei der Nutzung des sehr gut aufgebauten Onlinekataloges für Akten, dessen Suchmaske nur auf Estnisch funktioniert, sind die Mitarbeiter sehr hilfreich. Bestellungen werden zwischen einem und drei Tagen erledigt, Kopien nach spätestens einer Woche, während das Fotografieren der Dokumente kostenlos ist. Bei einer Bestellung am Morgen ist es abhängig von der generellen Auslastung des Archivs und dem Lagerungsort möglich, die Dokumente am Mittag zu bekommen.

Die Bestellgrenze liegt bei 10 Dokumenten aus einem Bestand, wodurch abhängig vom Thema mit geschickter Bestellpolitik mehr Dokumente  bezogen werden können. Auch erwies sich diese Obergrenze nach einigen Wochen Arbeit im Archiv als „dynamisch“. Findbücher sind abhängig von der historischen Periode auf Estnisch, Deutsch und Russisch verfasst, wobei der Onlinekatalog nach einiger Eingewöhnung hier deutlich effizienter ist, nicht zuletzt durch seine detaillierte Schlagwortsuche. Kostenloser Zugang zum Wlan-Netz ist möglich. Der Lesesaal hat Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr geöffnet, am Samstag 9- 15 Uhr. Jeden letzten Freitag im Monat schließt das Archiv für Reinigungsarbeiten. Die Einrichtung bietet Aufbewahrungsmöglichkeiten für Kleidung und Wertsachen und verfügt über einen Pausenraum mit Kaffeeautomaten. Die nächstgelegene Möglichkeit für eine warme Mahlzeit ist ein großes Einkaufzentrum an der Endlastraße, das zu Fuß in drei Minuten zu erreichen ist.

Die Bestände des Estnischen Staatsarchivs sind auf drei Orte in Tallinn verteilt und können in der Madarastraße und Maneežistraße eingesehen werden. Im Gebäude der Madarastraße lagern die Dokumente der wichtigsten Staats- und Militärorganisationen vor 1940, wie Ministerien, Katasterämter, Handels- und Industriekammern, Gerichts- und Polizeiakten sowie Verwaltungsdokumentation verschiedener Ebenen, aber auch persönliche Bestände historisches Figuren. In der Maneežistraße sind die wichtigsten zentralen Institutionen der Sowjetperiode zu finden, darunter alle wichtigen Ministerien, aber auch Universitäten, Krankenhäuser und verschiedene Kultureinrichtungen. Diese Dokumente können auch dort genutzt werden. In der Tõnismägi Straße 16 lagern die Dokumente der Kommunistischen Partei, der Jugendorganisation Komsomol, der Gewerkschaften aber auch des Innenministeriums und des KGB. Hierzu ist anzumerken, dass die Bestände für die Zeit der „zweiten Okkupation“, Kollektivierung und Deportation sehr gut erschlossen und zugänglich sind (1940/41, 1944-1953). Dokumente der Zeit danach sind 1991 entweder verbrannt oder nach Moskau zurückgebracht worden. Für die 60er und 70er Jahre liegen große Mengen an Akten des KGB vor, die allerdings noch kaum systematisch ausgewertet worden sind. Hier empfiehlt es sich, telefonisch Kontakt mit den spezialisierten Archivaren aufzunehmen.


Und sonst?

Für historische Forschungen zur estnischen Geschichte ist weiterhin das Estnische Historische Archiv zu empfehlen, welches vielfältige Dokumente für die Zeit vor 1918 bereithält. Für die estnische Zeitgeschichte interessant ist weiterhin das Estnische Filmarchiv, das über einen gut erschlossenen Fundus an Filmen, Fernsehsendungen und Reportagen verfügt, die auf Anfrage zu vertretbaren Preisen auch digitalisiert werden. Im Archiv des Tallinner Museums für Theater und Musik finden sich viele Dokumente zum Musik- und Theaterleben der estnischen Republik und der ESSR, sowie die persönlichen Nachlässen vieler Musiker, Regisseure und Komponisten. Das Tallinner Stadtarchiv bietet eine gut katalogisierte Auswahl an estnischen Dokumenten zur Geschichte der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung Tallinns durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart. In der  Estnische Staatsbibliothek unweit des Stadtzentrums findet man neben einen umfangreichen Bestand an Literatur in estnischer, russischer und englischer Sprache alle relevanten Zeitschriften der estnischen Geschichte, sowie die wichtigsten sowjetischen Periodika. Ein dichtes Busnetz verbindet Tallinn mit weiteren estnischen Regionalzentren (Tartu, Pärnu etc.) sowie St. Petersburg, Riga und Vilnius. Der Busbahnhof südöstlich vom Stadtzentrum ist bequem per S-Bahn zu erreichen.  Für die touristische Erkundung und weiterführende Tipps empfiehlt sich der Lonely Planet Baltikum.


Links

Neuerscheinungen
  • Laura Ritter: Schreiben für die Weisse Sache. General Aleksej von Lampe als Chronist der russischen Emigration, 1920–1965. Köln 2019.
  • Martin Faber: Sarmatismus. Die politische Ideologie des polnischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert. Wiesbaden 2018.
  • Michel Abeßer: Den Jazz sowjetisch machen. Kulturelle Leitbilder, Musikmarkt und Distinktion zwischen 1953 und 1970. Köln 2018.
  • Ingrid Bertleff, Eckhard John, Natalia Svetozarova: Russlanddeutsche Lieder. Geschichte - Sammlung - Lebenswelten, 2 Bände, Essen 2018. (Ausgezeichnet mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2018)
  • Alfred Eisfeld, Guido Hausmann, Dietmar Neutatz (Hrsg.): Hungersnöte in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Band 48).
  • Peter Kaiser: Das Schachbrett der Macht. Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938). Stuttgart 2017.
  • Reinhard Nachtigal: Verkehrswege in Kaukasien. Ein Integrationsproblem des Zarenreiches 1780–1870. Wiesbaden 2016.
  • Thomas Bohn, Rayk Einax, Michel Abeßer (Hrsg.): De-Stalinisation Reconsidered. Persistence and Change in the Soviet Union. Frankfurt am Main/New York 2014.

 

Kontakt
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Historisches Seminar
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