Uni-Logo
Sie sind hier: Startseite Archiv-Guide Russisches Staatsarchiv für sozial-politische Geschichte
Artikelaktionen

Russisches Staatsarchiv für sozial-politische Geschichte

Rossijskij Gosudarstvennyj Archiv Social’no-političeskoj Istorii, Moskau

 Daten zu diesem Artikel
 Verfasser Peter Kaiser, MA, Universität Freiburg
 Stand November 2011
 Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag
 Feedback & Neues hiwis.osteuropa@geschichte.uni-freiburg.de

 

 

archivinfo_zurueck zurück zur Übersicht archivinfo_download als .pdf herunterladen


Anreise

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und noch mehr nach Moskau. Die Hauptstadt der Russländischen Föderation ist sowohl per Flugzeug als auch per Zug von Deutschland aus gut erreichbar. Bevor man jedoch seine Reise antritt, hat man zu beachten, dass Russland als ein Nicht-EU-Mitgliedsland visumpflichtig ist. Die entsprechenden Anträge können entweder in der russischen Botschaft in Berlin oder aber in den meisten russischen Konsulaten gestellt werden, wo man auch eine Auskunft darüber bekommen kann, welche Unterlagen genau für den Visumantrag benötigt werden. Hat man diese Hürde genommen, kann man an die genaue Planung seiner Anreise herangehen.  Außer Lufthansa, die mehrmals täglich Flüge nach Moskau aus mehreren deutschen Städten, unter anderem Berlin und Frankfurt/Main anbietet, sind auch Angebote mehrerer „Billig-Airlines“, vor allem Germanwings nicht zu missachten, die unter Umständen ein Ersparnis von mehr als 100 Euro ermöglichen können. Abhängig von der gewählten Fluggesellschaft ist meistens auch der Ankunftsflughafen, von denen Moskau drei hat.  Ob Domodedowo, Scheremetjewo-II oder Wnukowo, für alle drei gelten die gleichen Regeln: Da Russland kein EU-Mitglied ist, sind Grenz- und Zollkontrollen zu beachten, die unter Umständen lange Zeit in Anspruch nehmen können. Hat man diese passiert, stehen einem mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, wie man vom Flughafen in die Stadt gelangen kann. Dabei ist folgendes zu beachten:

  1. Von der Benutzung privater Taxis ist es auf jeden Fall abzuraten, es sei denn, man hat sehr viel Geld zur Verfügung oder Lust auf ein Abenteuer mit einem unvorhersehbaren Ausgang. Die Benutzung staatlich zugelassener Taxis ist zwar ungefährlich, aber eine sehr kostspielige Angelegenheit.
  2. Empfehlenswert sind die Schnellzüge (sogenannten Aero-Expresse), die zwar einen morbiden Charme versprühen, jedoch schnell, unkompliziert und zuverlässig einen der Hauptbahnhöfe in der Stadt in ca. 40-45 Minuten ansteuern, von wo man dann mit der Moskauer Metro weiterreisen kann.
  3. Da Moskau chronisch an kilometerlangen Staus leidet, ist von einer Busfahrt eher abzuraten, weil eine solche Fahrt schnell zur kein Ende nehmend wollenden Tortur werden kann. Wer allerdings die Schimpfkünste der russischen Busfahrer studieren will, soll auf eine Busfahrt unter keinen Umständen verzichten.

Währungswechsel

Da Russland keine fremden Währungen auf seinem Staatsgebiet akzeptiert, ist grundsätzlich nur eine Zahlung in Rubel möglich. Es empfiehlt sich bereits vor der Reise einen kleinen Vorrat von ungefähr 1000 Rubel anzulegen, da die Wechselkurse in den Flughäfen äußerst ungünstig sind. Erst in der Stadt angekommen, kann man Geld in größerem Umfang wechseln. Es wird eindringlich vor den fliegenden Wechselstuben, Wechselzelten und ähnlichen mobilen Einrichtungen  gewarnt, da sie meistens mit betrügerischen Tricks arbeiten.

Am besten wechselt man sein Geld in einer der zahlreichen Filialen der Staatsbank (russ.: Sberkassa), wo man auch eine Quittung verlangen kann. Normalerweise dauert eine solche Operation nur wenige Minuten. Vor Mitnahme der Kreditkarten wird abgeraten, weil diese weniger verbreitet sind als bei uns und nur in exklusiven Geschäften und Restaurants akzeptiert werden. Auf jeden Fall sollte man sich gut das Aussehen der russischen Banknoten einprägen; sonst könnte es durchaus passieren, dass man plötzlich stolzer Inhaber mongolischer oder kirgisischer Geldscheine ist, die praktisch wertlos sind.


Lage des Archivs

Das RGASPI- Archiv befindet sich in der Stadtmitte, in der Bol’šaja Dmitrowka- Straße 15, nur wenige Minuten vom Kreml entfernt und ist verkehrstechnisch gut erreichbar. Wenn man die Moskauer Metro benutzt, steigt man abhängig von der gewählten Linie an den Stationen Puschkinskaja, Twerskaja oder Ochotnyj rjad aus und geht dann noch ca. 5-10 Minuten zu Fuß, wobei die genaue Marschroute wiederum von der jeweiligen Metrostation abhängt (ein Gehweg steht aber auf jeden Fall bevor). Die Benutzung von Bussen und Trolleybussen ist möglich, allerdings eher ungünstig, da man mit zahlreichen Staus zu rechnen hat. Das Archiv für die Jugendorganisationen, im Archivjargon auch als Molodežnyj bezeichnet, befindet sich an anderer Stelle, an der Ulica Profsojuznaja 82 und ist mit der Metrolinie 6 von der Stadtmitte in ca. 30 Minuten erreichbar (Ausstieg: Station Kalužskaja).


Tipps für Unterbringung und Verpflegung

Da Moskau eine sehr teure Stadt ist, gibt es kaum Möglichkeiten, an eine günstige Unterkunft zu gelangen. Deswegen soll man bereits bei der Reiseplanung sich intensiv mit dieser Frage auseinandersetzen. Das Deutsche Historische Institut (DHI) in Moskau vermittelt Wohnungen und ermöglicht darüber hinaus den Kontakt zu Wohnvermittlern. Allerdings ist das DHI in erster Linie darauf bedacht, seine Stipendiaten mit dem Wohnraum zu versorgen, so dass man sich entsprechend frühzeitig danach erkundigen sollte. Eine relativ günstige Unterkunftsmöglichkeit bieten private Vermittler an, die aber mit Bedacht ausgewählt werden müssen. Die Preise für Lebensmittel und Gegenstände des täglichen Bedarfs sind nur unwesentlich billiger als die in Deutschland.


Archivbeschreibung

Die Arbeitsbedingungen in den russischen Archiven sind eine eigene Erzählung wert und unterscheiden sich diametral von denen, die in den westlichen Ländern üblich sind. Sowohl die Arbeit in dem Hauptlesesaal an der Bol’šaja Dmitrovka als auch in dem kleineren Lesesaal an der Profsojuznaja 82 erfordert eine Registrierung, die man mittels des mitgebrachten Empfehlungsschreibens, das an den Direktor des Archivs adressiert sein muss, in dem Hauptlesesaal erledigt. Das Hauptarchiv an der Bol’šaja Dmitrovka befindet sich in einem hässlichen Gebäude sowjetischen Baustils in den Stockwerken vier und fünf (russische Zählweise), die man mit einem Fahrstuhl oder über eine Treppe erreicht.  Am Haupteingang befindet sich die obligatorische Polizeikontrolle, die man auf keinen Fall ignorieren darf und die mehr oder weniger bereitwillig weitere Einzelheiten der Anmeldeprozedur erklärt. Die Mitarbeiter des Archivs, mit denen man tagtäglich zu tun hat, verfahren oft nach dem Motto: „Ich mache mir die Regeln selbst“ , so dass man eine Menge an Geduld und Stehvermögen mitbringen muss. Haben sie sich an den Neuankömmling jedoch gewöhnt, sind sie meistens bereit, ihre harte Gangart abzulegen und den „weichen Kern“ zu offenbaren, vorausgesetzt, man folgt ihren Anweisungen, ohne Fragen zu stellen. Der Lesesaal bietet viel Platz, ist allerdings eher spartanisch ausgestattet. Das Mitbringen von Laptops bzw. Notebooks ist erlaubt. Für die Aufbewahrung von Ober- bzw. Winterkleidung gibt es sowohl die unbewachte Garderobe im Erdgeschoss als auch mehrere Spinds direkt vor dem Lesesaaleingang.

Das Archiv für die Jugendorganisationen verfügt über einen sehr kleinen Lesesaal und wird von der Lesesaalleiterin unter ihrer eisernen Kontrolle gehalten. Westliche Ausländer werden grundsätzlich misstrauisch beäugt und erst nach einer gewissen Bewährungsprobe als „valid“ akzeptiert. Für beide Archive gilt: Es sind keine elektronischen Findbücher bzw. Archivführer vorhanden. Im Internet hat man zwar die Möglichkeit, sich einen groben Überblick über die aufbewahrten Dokumente und die Fondsstruktur zu verschaffen, eine detaillierte Suche ist aber nur mit altmodischen Mitteln möglich. Man darf maximal nur 10 Akten pro Tag und Person bestellen, wobei die Erledigung von Bestellungen nicht immer schnell und reibungslos verläuft.
Zu beachten sind die Öffnungszeiten der beiden Archive (für das Zentrale-RGASPI: Montag von 12 bis 20 Uhr, Mittwoch 10 Uhr bis 17.30 Uhr und Freitag 9.30 bis 16.00 Uhr; Das Archiv für die Jugendbewegungen ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet) und die Fest- und Feiertagsregelungen. Von Mitte Juli bis Mitte September sind die Archive grundsätzlich geschlossen..


Und sonst?

Unerlässlich für alle, die sich mit historischen Studien beschäftigen, ist der Besuch der Russischen Staatsbibliothek, die über einen äußerst reichen Bücherbestand verfügt und allmählich modernisiert wird. Will man dort nicht in allgemeinen Lesesälen seinen Arbeitsplatz mit russischen Studenten und Doktoranden teilen, dann soll man sich für den Lesesaal Nr.1 registrieren lassen, der über eine eigene Bücherausgabestelle und sehr gute Arbeitsbedingungen verfügt. Die Staatsbibliothek hat eine eigene Kantine, die zu moderaten Preisen gutes Essen anbietet und einen Raucherraum, den niemand vergisst, der einmal dort war.

Ansonsten hat Moskau auch kulturell viel zu bieten, wobei man sich mental darauf einstellen muss, dass die kilometerlangen Menschenschlangen den Besuch von Museen zu einer Geduldspartie werden lassen können. Einen besonderen touristischen Höhepunkt stellt der Besuch des Roten Platzes, des Lenin-Mausoleums nebst den Gräbern der Parteiführer und des Kremls dar, wobei man als Ausländer ziemlich hohe Preise entrichten muss, was allerdings in Moskau keine Seltenheit ist.


Links

 

Neuerscheinungen
  • Laura Ritter: Schreiben für die Weisse Sache. General Aleksej von Lampe als Chronist der russischen Emigration, 1920–1965. Köln 2019.
  • Martin Faber: Sarmatismus. Die politische Ideologie des polnischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert. Wiesbaden 2018.
  • Michel Abeßer: Den Jazz sowjetisch machen. Kulturelle Leitbilder, Musikmarkt und Distinktion zwischen 1953 und 1970. Köln 2018.
  • Ingrid Bertleff, Eckhard John, Natalia Svetozarova: Russlanddeutsche Lieder. Geschichte - Sammlung - Lebenswelten, 2 Bände, Essen 2018. (Ausgezeichnet mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2018)
  • Alfred Eisfeld, Guido Hausmann, Dietmar Neutatz (Hrsg.): Hungersnöte in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Band 48).
  • Peter Kaiser: Das Schachbrett der Macht. Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938). Stuttgart 2017.
  • Reinhard Nachtigal: Verkehrswege in Kaukasien. Ein Integrationsproblem des Zarenreiches 1780–1870. Wiesbaden 2016.
  • Thomas Bohn, Rayk Einax, Michel Abeßer (Hrsg.): De-Stalinisation Reconsidered. Persistence and Change in the Soviet Union. Frankfurt am Main/New York 2014.

 

Kontakt
Besucheranschrift:
Rempartstraße 15
Kollegiengebäude IV
Raum 4410
 
 
Postanschrift:
Historisches Seminar
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
79085 Freiburg im Breisgau
 
Tel.:  +49 (761) 2 03-34 35
Fax.: +49 (761) 2 03-91 90
Mail: oeg@geschichte.uni-freiburg.de
Benutzerspezifische Werkzeuge