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Prof. Gottfried Schramm †

gottfried schrammGottfried Schramm war der Sohn des Historikers Percy Ernst Schramm und der Politikerin Ehrengard Schramm, geb. von Thadden. Er studierte Germanistik, Slawistik und Geschichte an den Universitäten Göttingen, Tübingen und Erlangen. Nach seiner altgermanistischen Promotion über zweigliedrige Personennamen der Germanen, einigen Studienmonaten in Paris und einer zweieinhalbjährigen Tätigkeit als Lehrer und Internatserzieher an der Schule Birklehof wechselte Gottfried Schramm zur Osteuropäischen Geschichte und wurde an der Universität Marburg wissenschaftlicher Assistent von Peter Scheibert.

Er habilitierte sich 1964 mit einer Arbeit über den „Polnischen Adel und die Reformation“ und wurde ein Jahr später auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Neuere und Osteuropäische Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1994 innehatte. Von 1971 bis 1994 leitete Schramm das Studium generale der Universität, seit 1974 bis zu seinem Tod 2017 war er Herausgeber der „Freiburger Universitätsblätter“.

 

Wissenschaftliches Werk


Schramms wissenschaftliche Arbeit erstreckt sich über ungewöhnlich weite Räume und Zeiten. Sie reicht von der Frühgeschichte Ost- und Südosteuropas über das frühneuzeitliche Polen bis zur Sowjetunion unter Stalin. Einen herausgehobenen Platz nehmen Schramms namenphilologische Zugänge zu der an Quellen armen Frühgeschichte Ost- und Südosteuropas bis etwa 1000 n. Chr. ein, die sich u. a. in Publikationen zum Anfang Altrußlands sowie zur lateinischen Kontinuität in Südosteuropa und den Anfängen des Christentums auf der Balkanhalbinsel niedergeschlagen haben.

Einen weiteren Schwerpunkt der Forschungen Schramms bildet die polnische Geschichte der frühen Neuzeit. Neben der Habilitationsschrift „Der polnische Adel und die Reformation“ hat er eine Vielzahl von Aufsätzen zur Kirchen- und Verfassungsgeschichte Polens, insbesondere zur Geschichte der städtischen Reformation, vorgelegt, in denen die polnischen Eigenentwicklungen vor dem Hintergrund europäischer Vergleichsfälle herausgearbeitet und in einen größeren Erklärungszusammenhang gestellt werden.

Eine wichtige Stellung in Schramms wissenschaftlicher Arbeit nimmt auch die neuere russische Geschichte ein. Als Mitherausgeber und Mitverfasser des „Handbuchs der russischen Geschichte“ galt sein besonderes Interesse den Entwicklungschancen des ausgehenden Zarenreiches. Zuletzt hat sich Schramm der Geschichte Russlands über das Werk der großen russischen Dichter genähert: „Von Puschkin bis Gorki. Dichterische Wahrnehmungen einer Gesellschaft im Wandel“.

Besonderes Aufsehen erregte Schramm mit dem 2004 veröffentlichten Buch „Fünf Wegscheiden der Weltgeschichte. Ein Vergleich“. Darin vergleicht er scheinbar heterogene, sich über dreitausend Jahre erstreckende, welthistorische Weggabelungen miteinander: die Abtrennung des jüdischen Monotheismus vom herrschenden Polytheismus, die Entstehung des Christentums, die Reformation in Mitteleuropa, die Grundlegung der repräsentativen Demokratie in Amerika und die Entstehung des revolutionären Sozialismus in Russland. Diese fünf Wegscheiden sieht Schramm durch eine lange Reihe struktureller Gemeinsamkeiten – darunter nicht zuletzt der missionarische Wahrheitsanspruch der neuen Überzeugungsgemeinschaften – miteinander verbunden, die zumindest im Bündel nirgendwo sonst in der Geschichte wiederbegegnen. Mit seinem Vergleich bietet Schramm weltgeschichtliche Antworten auf die Frage, warum das russische Experiment einer sozialistischen Gesellschaft scheiterte.


Auszeichnungen


  • 1990: Universitätsmedaille der Universität Freiburg
  • 1999: Offizierskreuz des Ordens Polonia Restituta
  • 2009: Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim
Neuerscheinungen
  • Martin Faber: Sarmatismus. Die politische Ideologie des polnischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert. Wiesbaden 2018.
  • Michel Abeßer: Den Jazz sowjetisch machen. Kulturelle Leitbilder, Musikmarkt und Distinktion zwischen 1953 und 1970. Köln 2018.
  • Ingrid Bertleff, Eckhard John, Natalia Svetozarova: Russlanddeutsche Lieder. Geschichte - Sammlung - Lebenswelten, 2 Bände, Essen 2018. (Ausgezeichnet mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2018)
  • Alfred Eisfeld, Guido Hausmann, Dietmar Neutatz (Hrsg.): Hungersnöte in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Band 48).
  • Peter Kaiser: Das Schachbrett der Macht. Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938). Stuttgart 2017.
  • Reinhard Nachtigal: Verkehrswege in Kaukasien. Ein Integrationsproblem des Zarenreiches 1780–1870. Wiesbaden 2016.
  • Thomas Bohn, Rayk Einax, Michel Abeßer (Hrsg.): De-Stalinisation Reconsidered. Persistence and Change in the Soviet Union. Frankfurt am Main/New York 2014.

 

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