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Forschungsprojekt:

Die Selbstorganisation der Deutschen in Ungarn und die ungarische Nationalitätenpolitik 1955-1990

 
 
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
Laufzeit: 1.4.2016-31.3.2019
 
 

Zusammenfassung

Das Forschungsprojekt untersucht die ungarische Nationalitätenpolitik des Einparteienregimes in Ungarn 1949-1989/90 und in deren Rahmen die Selbstorganisation der Ungarndeutschen. Es geht vor allem der Frage nach, welche Direktiven seitens der Partei und der Staatsmacht die Selbstorganisation prägten und welche Freiräume in diesem Zeitraum entstehen und sich zu behaupten vermochten.
 
 

Ziele des Forschungsprojekts 

Innenpolitische Aspekte
In der Zeitspanne zwischen 1950 und 1990 bestimmte die marxistisch-leninistische Ideologie die Nationalitätenpolitik von Partei und Regierung. Dementsprechend überschrieben zum einen die Klassengesichtspunkte die nationale bzw. ethnische Zugehörigkeit, zum anderen machte die unterschiedslose Gewährleistung der staatsbürgerlichen Rechte eine eigene Gewährleistung von Minderheitenrechten unnötig. 
Bereits die bisherigen Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass innerhalb des Untersuchungszeitraums mehrere Perioden unterschieden werden können. Innerhalb dieser Zeitabschnitte veränderten sich die inhaltlichen Elemente und Schwerpunkte der Nationalitätenpolitik. Zugleich waren die gesamten vier Jahrzehnte durch eine Verringerung des Gewichts der Minderheitenfrage, durch Widersprüche zwischen der rechtlichen Regelung und der praktischen Umsetzung, durch die Verhinderung der Selbstorganisation der Minderheiten bzw. durch eine Steuerung „von oben“ und die vollständige Kontrolle der Aktivitäten der Minderheiten sowie durch die – im Hinblick auf die Ungarn in den Nachbarländern – gleichzeitige selektive Anwendung der Auffassung von „Kulturnation“ und „Staatsnation“ geprägt. 
Das grundlegende Ziel der geplanten Forschung ist die monografische Aufarbeitung der Geschichte des Kulturverbands der Deutschen Werktätigen in Ungarn (1955-1960), sowie des Demokratischen Verbands der ungarländischen Deutschen Werktätigen (1960-1990) und ein Vergleich mit der Tätigkeit weiterer Nationalitätenverbände – der Rumänen, der Südslawen, der Slowaken – um Ähnlichkeiten und Unterschiede feststellen zu können.  Im Hinblick auf solche Unterschiede sollen auch deren Gründe aufgedeckt und der Frage nachgegangen werden, inwieweit diese durch die unterschiedlichen Strategien der Führungsgremien und deren politischen Stellung begründet werden können und inwieweit dabei die Nationalitätenpolitik von Partei und Regierung eine Rolle spielte.
 
Außenpolitische Aspekte
Zugleich ist auch beabsichtigt, die Situation der deutschen Minderheit in Ungarn in Beziehung zum deutsch-ungarischen Verhältnis (Ungarn-BRD-DDR) zu setzen. Beide deutsche Staaten haben nach ihrer Gründung – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – für die Lage der Ungarndeutschen Interesse gezeigt. Diesen Aspekt haben ungelöste Fragen noch dazu verstärkt: die Familienzusammenführung, die Schwierigkeiten der Besuche bei Verwandten oder die Rente der einst in der deutschen Wehrmacht gedienten Soldaten sowie die Entschädigungsansprüche. 
Die unterschiedlichen Behörden beider Staaten – Ministerien, Kulturinstitute, Universitäten –strebten mit dem Demokratischen Verband der ungarländischen Deutschen Werktätigen direkten Kontakt an. An einer Zusammenarbeit waren auch die durch die in der BRD von den Vertriebenen gegründeten Landsmannschaften sowie zivile Organisationen interessiert. Obwohl ab Dezember 1973, nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Ungarn und der BRD der Deutsche Verband seine ausländischen Beziehungen schon freier gestalten konnte, war diese Freiheit in erster Linie mehr auf die DDR beschränkt. Denn eine starke Partei- und Staatskontrolle blieb bis zum Systemwechsel 1989 in Geltung. 
 

Durchführung des Forschungsprojektes

Das Projekt hat seinen Sitz an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und wird in enger Kooperation mit dem Stiftungslehrstuhl für deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Pécs durchgeführt. Die Projektbearbeiterin vor Ort ist Dr. Tóth Ágnes, Universitätsdozentin und Leiterin des Stiftungslehrstuhls. 
 
Neuerscheinungen
  • Laura Ritter: Schreiben für die Weisse Sache. General Aleksej von Lampe als Chronist der russischen Emigration, 1920–1965. Köln 2019.
  • Martin Faber: Sarmatismus. Die politische Ideologie des polnischen Adels im 16. und 17. Jahrhundert. Wiesbaden 2018.
  • Michel Abeßer: Den Jazz sowjetisch machen. Kulturelle Leitbilder, Musikmarkt und Distinktion zwischen 1953 und 1970. Köln 2018.
  • Ingrid Bertleff, Eckhard John, Natalia Svetozarova: Russlanddeutsche Lieder. Geschichte - Sammlung - Lebenswelten, 2 Bände, Essen 2018. (Ausgezeichnet mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2018)
  • Alfred Eisfeld, Guido Hausmann, Dietmar Neutatz (Hrsg.): Hungersnöte in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Band 48).
  • Peter Kaiser: Das Schachbrett der Macht. Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938). Stuttgart 2017.
  • Reinhard Nachtigal: Verkehrswege in Kaukasien. Ein Integrationsproblem des Zarenreiches 1780–1870. Wiesbaden 2016.
  • Thomas Bohn, Rayk Einax, Michel Abeßer (Hrsg.): De-Stalinisation Reconsidered. Persistence and Change in the Soviet Union. Frankfurt am Main/New York 2014.

 

Kontakt
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Historisches Seminar
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