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Ringvorlesung Terrormiliz IS

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Inhalt:   Programm  – Ausführliches Programm  –  Kooperationspartner


Terrormiliz IS/Daesh: Verstehen, Einordnen und Bewerten – eine standortübergreifende Ringvorlesung

Die Lehrveranstaltung im Sommersemester 2016 fand als Ringvorlesung statt, bei der Studierende und ExpertInnen aus unterschiedlichen Universitätsstandorten über eine digitale Videoplattform miteinander in Kontakt treten konnten. Jeder teilnehmende Standort hielt einen ExpertInnen-Vortrag vor Ort ab und die jeweils anderen Vorträge wurden digital eingespielt. Die Studierenden mussten dabei Texte vorbereiten und konnten via Live-Schaltung aktiv Fragen stellen oder Kommentare abgeben und mit den ReferentInnen interagieren.

 

Durch dieses Modell standen Lehrende zur Verfügung, die sich mit der Terrormiliz IS/Daesh und Terrorismus im Allgemeinen schon länger beschäftigen und als ExpertInnen auf diesem Gebiet ausgewiesen sind. Dies stellt eine Bündelung von Kompetenz dar, wie sie sonst schwerlich an einer Universität für eine Lehrveranstaltung zusammenzubringen ist. Die Konzeption wurde im Rahmen des AK Curriculum und Didaktik der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung e.V. (AFK) entwickelt.

 

Die Anmeldung zu dieser Lehrveranstaltung erfolgte an den beteiligten Universitäten Augsburg, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Freiburg, Hamburg, Mainz, Magdeburg, Marburg und Tübingen. Zusätzlich bieten die Universitäten Duisburg-Essen, Greifswald sowie die FU Berlin und die Bundeswehruniversität München Angebote an. Über eine gemeinsame E-Learningplattform für alle TeilnehmerInnen  werden vorbereitende Texte und die aufgezeigten Videos der Vorlesungen zugänglich gemacht. Die Vergabe von Leistungspunkten wurde gesondert jeweils vor Ort geregelt. Diese neue Lehr- und Lernform wurde evaluiert und sind Teil wissenschaftliche Begeleitforschung. Die Ergebnisse und Publikationen werden wir an dieser Stelle veröffentlichen.

 

Die überregionale Organisation lag in der Verantwortung von Prof. Dr. Tanja Brühl (Universität Frankfurt/M.), Ingo Henneberg, M.A. (Universität Freiburg) und Dr. Thomas Nielebock (Universität Tübingen).

 

Eine erste Evaluation wurde jüngst in der Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung publiziert:
Brühl, Tanja/ Henneberg, Ingo (2016): Standortübergreifende Ringvorlesung – Erfahrungen eines Lehrprojekts zum ‚Islamischen Staat’. In: Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung. Vol. 5, Nr. 2. S. 274-282. DOI: 10.5771/2192-1741-2016-2-274.

 

Die inter-universitäre Veranstaltungsreihe wurde im Sommersemester 2017 als Ringseminar fortgesetzt: http://www.ringseminar-europa.politik.uni-freiburg.de

 


 

Programm

 

 

Datum

Thema und ReferentIn

Standort

25.04.2016

Daesh/IS als Herausforderung für uns – aber wer sind wir und worin besteht die Herausforderung?

Prof. Dr. Harald Müller (HSFK)

Frankfurt/Main

02.05.2016

Inwieweit kann der IS als terroristische Gruppe eingeordnet werden?
Wolfgang Schreiber (AKUF, Universität Hamburg)

Hamburg

09.05.2016

Wie ist es unter der Herrschaft von Daesh/IS zu leben?
Dr. Florence Gaub (EUISS)

Marburg

23.05.2016

Grenzen und Side-effects der militärischen Bekämpfung des IS

Prof. Dr. Andreas Bock (Akkon Hochschule Berlin)

Augsburg

30.05.2016

Antimodern, Modern, Postmodern? Selbstkonstruktionen in Daesh Bekennervideos
Hanna Pfeifer
, M.A.
(Universität Magdeburg)

Magdeburg

06.06.2016

Critical Security Studies: Zur Konstruktion von Unsicherheit durch Terrorismus
Prof. Dr. Thomas Diez (Universität Tübingen)

Tübingen

13.06.2016

Weltherrschaftspläne des Daesh/IS: Wie universell sind seine Ansprüche im Lichte der Entstehung lokaler Terrorgruppen wie Boko Haram?
Dipl.-Pol. Jan Sändig (Universität Tübingen)

Tübingen

20.06.2016

„Macht der Bilder“: Selbstdarstellung und Herrschaftslegitimation des IS
Dr. Axel Heck (Universität Freiburg)

Freiburg

27.06.2016

Lernen und Lehren aus 9/11? Parallelen zwischen den USA und Frankreich
Dr. Witold Mucha (Universität Düsseldorf)

Düsseldorf

04.07.2016

IS/Daesh als Herausforderung für das außenpolitische Wirken der EU
Prof. Dr. Arne Niemann (Universität Mainz)

Mainz

11.07.2016

Welche Folgen hat das Vorgehen auch bei uns? Globale Konflikte auf lokalen Feldern
Dieter Lünse (Institut für Konfliktaustragung und Mediation Hamburg)

Hamburg

 

Sie finden das Programm auch hier als PDF zum runterladen und ausdrucken!
 


Ausführliches Programm mit Abstracts

 

Das Programm wird fortlaufend aktualisiert und ergänzt. Links zur Eigeninfomation, der Zugriff hängt von den Lizenzen Ihrer Universität oder Forschungseinrichtung ab. Studierende der beteiligten Standorte erhalten Zugriff über eine separate geschützte Lern/Lehrplattform.

 

 

Datum

Titel des Vortrags, ReferentIn und Abstract

25.04.2016

Daesh/IS als Herausforderung für uns – aber wer sind wir und worin besteht die Herausforderung?

 

Prof. Dr. Harald Müller (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK))

 

Der einführende Vortrag zur Ringvorlesung wirft drei Schlaglichter auf das Thema, die im weiteren Verlauf der Veranstaltung vertieft werden. Einführend stellt Harald Müller die historische Entwicklung von IS/Daesh dar und ordnet die Terrormiliz in die Gruppe früherer religiöser und säkularer Gewaltakteure ein. Er stellt die These auf, dass Massenmordbewegungen mit fanatisierten Gefolgschaften in der Geschichte ein bekanntes Phänomen sind. Sodann arbeitet er die Besonderheiten von IS/Deash aus, in dem er sich mit der „politischen Theologie“ von auseinander setzt. Die in der salafistischen Theologie angelegte Herrschaft in Form von Kalifaten setzt auf ein binäres Denkgebäude. Abschließend analysiert Harald Müller die Organisationsstrukturen der Terrormiliz.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Rosiny, Stephan 2015: The Rise and Demise of the IS Caliphate, in: Middle East Policy 22, 94–107. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/mepo.12131/abstract.

 

02.05.2016

Inwieweit kann der IS als terroristische Gruppe eingeordnet werden?

 

Wolfgang Schreiber (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF), Universität Hamburg)

 

Seit dem Erstarken der sich mittlerweile als IS bezeichnenden Gruppe im Jahr 2014 wurde diese in unseren Medien selbst in Kurzmeldungen immer mit dem Zusatz Terrormiliz oder Terrorgruppe versehen. Dieser Vortrag wird sich zunächst mit der Frage auseinandersetzen, inwieweit der IS unter gängige wissenschaftliche Definitionen von Terrorismus fällt. In einem zweiten Teil wird versucht werden, Fragestellungen aus der Terrorrismusforschung wie z.B. die Anwendung von Gewalt zur Verbreitung von Schrecken aber auch zur Werbung um Sympathien auf den IS anzuwenden. Um Parallelen und Grenzen der Erkenntnisse aufzuzeigen, wird dabei auf aktuelle und historische Beispiele der Gewaltanwendung durch andere Gruppen Bezug genommen werden.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Daase, Christopher 2013: Terrorismus, in: Enzmann, Birgit (Hrsg.), Handbuch Politische Gewalt. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, 335–348. http://link.springer.com/10.1007/978-3-531-18958-1_15.

 

 

09.05.2016

Wie ist es unter der Herrschaft von Daesh/IS zu leben?

 

Dr. Florence Gaub (Institut der Europäischen Union für Sicherheitsstudien (EUISS))

 

Musste leider ausfallen. Die Veranstaltung wird nach Möglichkeit nachgeholt.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Gaub, Florence 2015: Hybrid tactics - ISIL & Co., Issue Alert 47/2015, European Union Institute for Security Studies.
  • Gaub, Florence 2016: The Cult of ISIS, in: Survival 58, 113–130, http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00396338.2016.1142142.

 

23.05.2016

Grenzen und Side-effects der militärischen Bekämpfung des IS

 

Prof. Dr. Andreas M. Bock (Akkon Hochschule Berlin)

 

Eine Vielzahl von Staaten bekämpft den sogenannten »Islamischen Staat« (IS/Daesh) seit geraumer Zeit (wenn auch mit zum Teil sehr unterschiedlichen Absichten und Zielsetzungen) im Irak und Syrien mit militärischen Mitteln. Libyen droht der dritte Schauplatz im militärischen Anti-IS-Kampf zu werden. Ich vertrete die These, dass der IS/Daesh nicht nur weitgehend immun gegenüber militärischer Gewalt resp. massiver staatlicher Repression ist, sondern dass ein »Krieg gegen den IS/Daesh« den Funktionszusammenhang zwischen staatlicher Gewalt und Unterstützung terroristischer Gruppierungen bedient – und so den IS/Daesh buchstäblich gegen militärische Gewalt immunisiert. Das Funktionsprinzip von Terrorismus zielt auf die Beeinflussung der Wahrnehmung: Durch massive (militärische) Gewalt, d. h. hohe Opferzahlen und/oder schwere Rechtsverletzungen, delegitimieren sich die handelnden Staaten in der Wahrnehmung potenzieller Unterstützer des IS/Daesh, was umgekehrt die Legitimation der terroristischen Gruppierung und der terroristischen Gewalt zur Folge hat. Damit steigt das Bedrohungspotenzial des IS/Daesh – das Ausmaß potenzieller freiwilliger Unterstützung des IS/Daesh aus der Mitte der Gesellschaft.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Waldmann, Peter 2005: Terrorismus: Provokation der Macht 2. Aufl., Hamburg: Murmann Verlag. Kapitel 2, 5, 10, 11.
  • Bock, Andreas M./Zan, Fatma 2016: Immun durch Krieg. Warum militärische Gewalt den IS nur stärker macht, in: Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung 5, 117–133.

 

30.05.2016

Antimodern, Modern, Postmodern? Selbstkonstruktionen in Daesh Bekennervideos

 

Hanna Pfeifer, M.A. (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

 

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Aufmerksamkeit für Religion und religiöse Akteure in der öffentlichen Sphäre. Ein gängiges Narrativ ist dabei das der Wiederkehr der Religion, das ein bestimmtes, zumeist liberal geprägtes Vorverständnis des Religiösen, v.a. im Verhältnis zum Politischen, voraussetzt. Dabei wird oftmals der Begriff eines modernen, neutralen und vernünftigen Säkularen dem opaken, irrationalen und gewaltgeneigten Religiösen entgegen gesetzt. Religion erscheint dann als eine illegitime, unverständliche oder schlicht unzeitgemäße Expressionsform im öffentlichen Raum und wird im scharfen Gegensatz zur globalisierten Moderne gesehen. Erklärungsmuster für religiöse Gewalt verweisen dann entweder auf die psychopathologische Devianz von Individuen, die der religiösen Verführung anheim fallen (Stichwort: Fundamentalismus), oder aber auf das Mobilisierungspotential von Religion, die als narrativer Überbau für soziopolitische Interessen fungiert (Stichwort: Missbrauch von Religion). Die vermeintliche Trennschärfe zwischen Religion und säkularer Moderne zu hinterfragen, ist Ziel der Veranstaltung. Dies geschieht von einer poststrukturalistischen Theorieperspektive und am Beispiel von Bekennervideos westlicher Konvertiten, die sich daesh angeschlossen haben und im Kampf gestorben sind. Anhand von Videomaterial werden Muster der Selbstnarration dieser Individuen nachvollzogen: Wie begründen sie ihr Handeln, wie erzählen sie ihre Lebensgeschichte und wie konstruieren sie ihr Verhältnis zum Islam? Ein poststrukturalistischer Zugang erlaubt es dabei, ein dynamisches und nicht zu einer Seite auflösbares Verhältnis zwischen säkularer Moderne und Religion nachzuzeichnen.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Dauber, Cori E./Robinson, Mark 2015: GUEST POST: ISIS and the Hollywood Visual Style, in: JIHADOLOGY: A clearinghouse for jihādī primary source material, original analysis, and translation service. http://jihadology.net/2015/07/06/guest-post-isis-and-the-hollywood-visual-style/.
  • Reder, Michael 2013: Dekonstruktion von Religion (J. Derrida), in: Religion in säkularer Gesellschaft: Über die neue Aufmerksamkeit für Religion in der politischen Philosophie. Freiburg im Breisgau: Verlag Karl Alber.
  • Rittberger, Volker/Hasenclever, Andreas 2005: Religionen in Konflikten. Religiöser Glaube als Quelle von Gewalt und Frieden, in: Zimmer, Manfred (Hrsg.), Religion und Politik im Zeichen von Krieg und Versöhnung. Tübingen: Books on Demand, 35–60.

 

06.06.2016

Critical Security Studies: Zur Konstruktion von Unsicherheit durch Terrorismus

 

Prof. Dr. Thomas Diez (Eberhard Karls Universität Tübingen)

 

Im Rahmen der Bemühungen um die Etablierung einer kritischen Sicherheitsforschung gibt es auch seit einigen Jahren innerhalb der Terrorismusforschung einen „kritischen“ Strang, der sich vor allem auf poststrukturalistische Argumente bezieht. Dabei steht vor allem die Frage nach der Repräsentation von Terrorismus zur Legitimierung bestimmter Politiken im Vordergrund, die Kritiker*innen zum einen wegen ihrer Konsequenzen für bürgerliche Freiheiten, zum anderen aber auch wegen ihrer kontraproduktiven Effekte für den Umgang mit Terrorismus als problematisch ansehen. Die Konstruktion einer gesellschaftlichen Unsicherheit, die spezifische Repräsentation islamistischer Terroristen und ihrer Herkunft sowie die Neudefinition des Verhältnisses von Freiheit und Sicherheit sind drei zentrale Aspekte in diesen Legitmationsdiskursen. Diese Vorlesung bietet einen ersten Überblick über eine solche kritische Terrorismusforschung und diskutiert die dort vorgetragenen Argumente.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Gunning, Jeroen 2007: A Case for Critical Terrorism Studies?, in: Government and Opposition 42, 363–393. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1477-7053.2007.00228.x/abstract.
  • Jackson, Richard Dean Wells 2007: The Case for a Critical Terrorism Studies, in: european political science. http://cadair.aber.ac.uk/dspace/handle/2160/1945.

 

13.06.2016

Weltherrschaftspläne des Daesh/IS: Wie universell sind seine Ansprüche im Lichte der Entstehung lokaler Terrorgruppen wie Boko Haram?

 

Dipl.-Pol. Jan Sändig (Eberhard Karls Universität Tübingen)

 

In der Öffentlichkeit besteht derzeit bei vielen – u.a. in der Bewegung gegen die Islamisierung des Abendlandes – der Eindruck, dass der selbsterklärte “Islamische Staat“ (IS) im Zuge seiner Weltherrschaftspläne bereits weite Teile der arabischen Welt und Westafrikas kontrolliert. In Westafrika sticht dabei vor allem die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram hervor, die zuletzt offiziell als “IS in Westafrika“ in Erscheinung trat und in ihrer Brutalität mit 6500 Todesopfern 2014 den IS im Irak und in Syrien sogar überbot. Ist Boko Haram tatsächlich ein Teil des IS? Kontrolliert die Gruppe bereits den Großteil Westafrikas und verfolgt sie die globalen Bestrebungen des IS? Diese Fragen werde ich in der Vorlesung behandeln und dabei in drei Schritten vorgehen. Erstens werde ich kritisch die Verbindungen zwischen Boko Haram, anderen islamistischen Gruppen in Westafrika, dem IS und Al-Qaida betrachten. Dabei zeigt sich, dass letztlich nur begrenzte Verbindungen zwischen diesen Gruppen bestehen und Boko Haram vielmehr eine lokale (“homegrown“) Terrorgruppe ist als das Produkt transnationaler Terrornetzwerke. Im darauffolgenden Teil werde ich anhand gängiger Ansätze aus der Terrorismusforschung – u.a. Grievances, Ressourcen, Netzwerke, Framing und Repression – die wesentlichen Entstehungsursachen von Boko Haram herausarbeiten. Diese liegen primär in politischen, sozialen und ökonomischen Missständen in Nigeria sowie der kontraproduktiven Aufstandsbekämpfung durch das nigerianische Militär. Abschließend werde ich die Implikationen dieser Analyse für die Bekämpfung von Boko Haram, anderen islamistischen Terrorgruppen in der Region und dem IS diskutieren.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Celso, Anthony N. 2015: The Islamic State and Boko Haram: Fifth Wave Jihadist Terror Groups, in: Orbis 59, 249–268. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0030438715000204.
  • Dowd, C./Raleigh, C., 2013: The myth of global Islamic terrorism and local conflict in Mali and the Sahel, in: African Affairs 112, 498–509. http://afraf.oxfordjournals.org/cgi/doi/10.1093/afraf/adt039.
  • Hasenclever, Andreas/Sändig, Jan 2014: Nigeria - Gewaltursache Religion?, in: Werkner, I.-J./Kursawe, J./Johannsen, M./Schoch, B./u.a. (Hrsg.), Friedensgutachten 2014. Berlin: Lit Verlag, 180–195.

 

Zum Thema gerade erschienen:

 

20.06.2016

„Macht der Bilder“: Selbstdarstellung und Herrschaftslegitimation des IS

 

Dr. Axel Heck (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

 

Mit dem Islamischen Staat hat ein Akteur die Weltbühne betreten, der in kürzester Zeit eine unverwechselbare politische Ikonographie entwickeln konnte. Kaum ein anderer Akteur scheint derzeit in der Lage, die sprichwörtliche „Macht der Bilder“ so sehr für sich zu nutzen wie der IS. Neben den teilweise aufwendig inszenierten und medial verbreiteten Darstellungen von Enthauptungen, Erschießungen und der Verbrennung von Opfern bei lebendigem Leibe finden sich aber auch immer wieder Artefakte, die Hinweise auf die Herrschaftslegitimation und die politisch-normative Ordnung des IS enthalten. In dieser Vorlesung wird die politische Ikonographie des IS systematisch aufgefächert und bezüglich der eingeschriebenen Herrschaftslegitimation und Ordnungskonzeptionen analysiert.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Friis, Simone Molin 2015: ‘Beyond anything we have ever seen’: beheading videos and the visibility of violence in the war against ISIS, in: International Affairs 91, 725–746. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1468-2346.12341/abstract.
  • Winter, Charlie 2015: The Virtual ‘Caliphate’: Understanding Islamic State’s Propaganda Strategy, London: Quilliam. http://www.quilliamfoundation.org/wp/wp-content/uploads/publications/free/the-virtual-caliphate-understanding-islamic-states-propaganda-strategy.pdf.

 

Für Interessierte aus Freiburg:
Die Lehrveranstaltung wird in Freiburg für diese Sitzung geöffnet und findet als Vortrag im Rahmen des Colloquium politicum statt. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

27.06.2016

Lernen und Lehren aus 9/11? Parallelen zwischen den USA und Frankreich

 

Dr. Witold Mucha (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

 

Der Vortrag vergleicht die Reaktion der Hollande-Regierung nach den Anschlägen vom 13. November 2015 mit denen der US-Administration im Zuge von 9/11. Im Vordergrund der Berichterstattung stand seinerzeit der Einmarsch in Afghanistan und den Irak. Weniger Beachtung wurde den innenpolitischen Implikationen des Patriot Act geschenkt. Konkret ermächtigte das Gesetz die Ermittlungsbehörden, im großen Stil Daten untereinander auszutauschen und eine weitreichende Überwachung der Bevölkerung durchzuführen. Die Pariser Intensivierung der Luftschläge in Syrien im Kampf gegen Daesh sowie die Ausweitung des Ausnahmezustandes lassen Parallelen bei der französischen Reaktion erkennen. Vor diesem Hintergrund werden zwei Fragestellungen untersucht: (a) welche Maßnahmen wurden von den Regierungen eingeleitet? (b) Inwiefern waren sie erfolgreich? Die Definition von Erfolg orientiert sich zum einen an der Darstellung der jeweiligen Regierungen (z.B. Anzahl Terroranschläge). Zum anderen wird diskutiert, inwiefern der Preis der Überwachung und Ausspähung dem Ertrag gerecht wurde. Der französische Fall eignet sich für die Analyse, da Politik und Gesellschaft innerhalb eines Jahres mit zwei Terroranschlägen konfrontiert wurden, die der Zivilbevölkerung ihre bis dato scheinbar unantastbare Verwundbarkeit spiegelte. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Regierung die nach den Charlie Hebdo-Anschlägen ein- geleiteten Maßnahmen erneut verschärfte und dies im gesamtgesellschaftlichen Konsens geschah – eine Dynamik, die an die Tage und Wochen nach 9/11 erinnert.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Baker, Nancy V. 2003: National Security versus Civil Liberties, in: Presidential Studies Quarterly 33, 547–567. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1741-5705.00006/abstract.
  • Fischer, Susanne 2016: Immer mehr Sicherheitsbedrohungen und immer mehr Sicherheitsmaßnahmen?, in: Fischer, Susanne/Masala, Carlo (Hrsg.), Innere Sicherheit nach 9/11. Wiesbaden: Springer. http://link.springer.com/10.1007/978-3-658-02638-7.
  • Hellmuth, Dorle 2015: Countering Jihadi Terrorists and Radicals the French Way, in: Studies in Conflict & Terrorism 38, 979–997. http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1057610X.2015.1076277.
  • Huysmans, Jef 2004: Minding Exceptions: The Politics of Insecurity and Liberal Democracy, in: Contemporary Political Theory 3, 321–341. http://www.palgrave-journals.com/cpt/journal/v3/n3/abs/9300137a.html.
  • Schneckener, Ulrich 2011: Der schwierige Umgang mit dem 'Risiko Terrorismus'. Möglichkeiten und Grenzen der Terrorismusbekämpfung, in: Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft 08/2011. Osnabrück: V&R unipress.

 

04.07.2016

IS/Daesh als Herausforderung für das außenpolitische Wirken der EU

 

Prof. Dr. Arne Niemann (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

 

Die Rolle der Europäischen Union als Akteur in der Weltpolitik hat in den letzten Jahrzehnten substantiell zugenommen. Auch außerhalb der traditionellen Kompetenzen der EU (z.B. in der Handels- und Entwicklungspolitik) ist das außenpolitische Wirken der EU gestiegen, unter anderem in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, was auch an den über 30 Missionen im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) seit 2003 ersichtlich ist. Die EU hat im März 2015 eine „Regionalstrategie für Syrien und Irak sowie zur Bewältigung der Bedrohung durch ISIL/Daesh“ veröffentlicht. Die Vorlesung befasst sich mit den Rahmenbedingungen der EU sich dieser Bedrohung wirksam entgegenzusetzen und analysiert in wie weit die Regionalstrategie der EU zu Problemlösung beiträgt bzw. in wie weit diese Strategie bisher (erfolgreich) umgesetzt wurde.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Schmidt, Siegmar/ Schünemann, Wolf J. 2013: Europäische Union. Eine Einführung. Baden-Baden: Nomos. Kapitel: Die Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union. S. 305-326.
  • Stein, Shimon 2016: The European Union and the Rise of the Islamic State, in: Schweitzer, Yoram/ Einav, Omer (Hrsg.): The Islamic State: How viable is it. INSS, Tel Aviv.
  • Council of the European Union 2015: Council conclusions on the EU Regional Strategy for Syria and Iraq as well as the ISIL/Da'esh threat. http://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2015/03/16-council-conclusions-eu-regional-strategy-for-syria-and-iraq-as-well-as-the-isil-daesh-threat/

11.07.2016

Welche Folgen hat das Vorgehen auch bei uns? Globale Konflikte auf lokalen Feldern

 

Dieter Lünse (Institut für Konfliktaustragung und Mediation Hamburg)

 

Die gewalttätigen und kriegerischen Auseinandersetzungen um die Stadt Kobane fanden im Oktober 2014 ihren Widerhall in Hamburg St. Georg. Auf einer belebten Einkaufsstraße lieferten sich Kurden und sogenannte IS Anhänger einen Kampf. Die traurige Bilanz waren bei 400 Beteiligten fast 30 Verletzte durch Messerstiche und andere Gewalteinwirkungen. Nur wenige Stunden nach den schweren Auseinandersetzungen kam ein runder Tisch zustande, der gegen diese Eskalation wichtige Maßnahmen einleitete. St. Georg hat die Eskalation der Gewalt verhindert. Das hat mit Menschen zu tun, die sich seit Jahren kennen, Unterschiede aushalten, miteinander reden und gemeinsam für eine friedliche Stadt eintreten. Die Beziehungen zwischen diesen sogenannten Akteuren im Stadtteil sind belastbar. Einfach war das nicht: St. Georg ist voller Gegensätze. Zum einen gibt es zunehmend sehr teuren Wohn- und Gewerberaum sowie viele Hotels und Restaurants. Zum anderen herrschen in dem Viertel gleichzeitig Armut und es gibt dort eine Drogen- und Prostitutionsszene. Auf der einen Seite gibt es die evangelische und katholische Gemeinde, auf der anderen 14 muslimische Gemeinden und andere Glaubensstätten. Welten, die nebeneinander existieren. Fragen zum Frieden vor Ort sind: Welche Bedingungen sind nötig, um effektiv zu deeskalieren? Wie kann ein Stadtteil als offenes System stabilisiert werden, um Belastungen im größeren Ausmaß standzuhalten?
Der Vortrag wird von Dipl. Sozial Ökonom Dieter Lünse vom Institut für Konfliktaustragung und Mediation Hamburg (ikm) mit den Gästen Daniel Abdin, Vorsitzender der Al Nour Moschee, und Dr. Irmgard Schrand, Nahost Expertin und Beraterin gehalten.

 

Empfohlene Literatur zur Sitzung:

  • Erben, Urs/ Geffers, Gerlinde/ Lünse, Dieter 2014: Vielfalt. St.Georg Borgfelde 2011 bis 2014. Hamburg, Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e.V.
  • Lünse, Dieter: Der Zusammenhang in Hamburg St. Georg Borgfelde.

 

 

 

 

 


 Kooperationspartner


Die Ringvorlesung vereinte eine Vielzahl an renommierten deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen

  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz
  • Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
  • Philipps-Universität Marburg
  • Universität Augsburg
  • Universität Hamburg
  • Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald
  • Freie Universität Berlin
  • Universität der Bundeswehr München
  • Universität Duisburg-Essen
  • Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK)
  • Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF)
  • Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
  • Institut für Konfliktaustragung und Mediation Hamburg (ikm)

 

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