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Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wilhelm Hennis

 

Professor Emeritus am Lehrstuhl für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte (vormals: Lehrstuhl für Politik und Soziologie)

verstorben am 10.11.2012 

Lebenslauf

Universität

Wilhelm Hennis wurde am 18. Februar 1923 in Hildesheim als Sohn eines Botanikers geboren. Im Jahre 1933 zog er mit der Familie nach Venezuela, kehrte aber 1938 auf ein Internat in Dresden zurück, wo er 1942 das Abitur ablegte. Im selben Jahr zur Marine eingezogen überlebte er mehrere Schiffsuntergänge und begann nach dem Krieg ein Studium der Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. Dort wurde er Mitbegründer der Göttinger Universitäts-Zeitung und schloss 1949 mit dem ersten juristischen Staatsexamen das Studium ab. Daraufhin promovierte er bei dem Staatsrechtler Rudolf Smend zum Dr. iur. mit einer 1951 abgeschlossenen Arbeit zum „Problem der Souveränität“ (die bis 2003 unveröffentlicht blieb). In den Folgejahren verschaffte er sich Einblicke in Praxis und Wissenschaft der Politik, indem er von 1951 bis 1952 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Adolf Arndt war, 1952 bis 1953 eine Forschungsreise in die Vereinigten Staaten unternahm, und schließlich von 1953 bis 1959 wissenschaftlicher Assistent von Carlo Schmid am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main wurde. Dort habilitierte er sich 1959 mit einer Arbeit zum Thema „Politik und praktische Philosophie. Eine Studie zur Rekonstruktion der politischen Wissenschaft“, in der er eine Politikwissenschaft einforderte, die die Aufgabe der Politik darin sieht, den Menschen ein würdiges und freies Leben zu sichern.

Nach seiner Habilitation lehrte Wilhelm Hennis im Jahr 1960 für kurze Zeit als Privatdozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt, bevor er auf eine Professur an der Pädagogischen Hochschule Hannover berufen wurde. Von dort wechselte er 1962 auf eine Ordentliche Professur am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg, die er bis ins Jahr 1967 bekleidete. Dann nahm er als Nachfolger Arnold Bergstraessers einen Ruf der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg an, wo er von 1967 bis 1988 als Ordinarius für Politik und Soziologie eine Wissenschaft von der Politik vertrat, die praktische Philosophie mit engagierter Regierungslehre zu verbinden wusste. So erwarb er sich in Freiburg den Ruf eines Wissenschaftlers, der als kritischer Interpret des Zeitgeschehens die Gegenwart prägte. Von 1971 bis 1988 war er überdies Mitglied im ZDF-Fernsehbeirat und bekleidete im akademischen Jahr 1977/78 die renommierte Theodor-Heuss-Gastprofessur an der New School for Social Research in New York, USA. Schließlich wandte Wilhelm Hennis sich dem Werk Max Webers zu, das er als „Wissenschaft vom Menschen“ neu interpretierte. Im Jahr 1987/88 war er zu diesem Zweck Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, und bekleidete im Wintersemester 1991/92 eine Gastprofessur an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wilhelm Hennis lebt in Freiburg im Breisgau. Auch nach der Emeritierung engagierte er sich mit Publikationen und Kommentaren in der Öffentlichkeit als Verfechter einer kritischen Sorge um die Entwicklung der Bundesrepublik. Am 10. November 2012 verstarb Wilhelm Hennis in Freiburg.

Zu Leben und Werk siehe auch die Biographie von Stephan Schlak: Wilhelm Hennis. Szenen einer Ideengeschichte der Bundesrepublik, München: C.H. Beck 2008.

Auszeichnungen

  • 1987: Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
  • 2003: Reuchlinpreis der Stadt Pforzheim für hervorragende deutschsprachige Arbeiten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft
  • 2009: Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg
  • 2009: Theodor-Eschenburg-Preis der DVPW

Theodor-Eschenburg-Preis der DVPW

Am 24.09.2009 wurde Wilhelm Hennis mit dem Theodor-Eschenburg-Preis der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) ausgezeichnet. Der Preis, der nur alle drei Jahre vergeben wird, stellt die wichtigste Auszeichnung der deutschen Politikwissenschaft dar und wurde von Hennis auf dem Kongress der DVPW an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter großem Beifall der versammelten Zunft entgegengenommen. Die scheidende Vorsitzende der DVPW, Prof. Suzanne S. Schüttemeyer, ehrte mit Wilhelm Hennis einen herausragenden Politikwissenschaftler für sein Lebenswerk. An den Schnittstellen von Staats- und Politikwissenschaft, von normativ-praktischer und empirisch orientierter Wissenschaft hat Wilhelm Hennis, der von 1967 bis 1988 in Freiburg lehrte, die deutsche Politikwissenschaft wie nur wenige geprägt. Die Laudatio, die in Heft 4/2009 der Politischen Vierteljahresschrift erschienen ist, hielt Prof. Dr. Reinhard Mehring (Pädagogische Hochschule Heidelberg).

Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg

Am 14. Juli 2009 wurde Prof. Wilhelm Hennis die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg verliehen. Prof. Dr. Dr. h.c. Wilhelm Hennis war von 1962 bis 1967 Professor am dortigen Institut für Politische Wissenschaften, an dessen Aufbau er wesentlich mitwirkte bevor er über 20 Jahre Lehrstuhlinhaber am Freiburger Seminar für Wissenschaftliche Politik war. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Christine Landfried (Institut für Politikwissenschaft, Hamburg).

Publikationsauswahl

  • Das Problem der Souveränität. Ein Beitrag zur neueren Literaturgeschichte und gegenwärtigen Problematik der politischen Wissenschaften [1951], Tübingen: Mohr Siebeck 2003.
  • Politik und praktische Philosophie. Eine Studie zur Rekonstruktion der politischen Wissenschaft, Neuwied: Luchterhand 1963.
  • Aufgaben einer modernen Regierungslehre, in: Politische Vierteljahresschrift, 6 (1965), S. 422-441. Politik als praktische Wissenschaft. Aufsätze zur politischen Theorie und Regierungslehre, München: Piper 1968.
  • Die deutsche Unruhe. Studien zur Hochschulpolitik, Hamburg: Wegner 1969.
  • Demokratisierung. Zur Problematik eines Begriffs, Köln/Opladen: Westdeutscher Verlag 1970.
  • Regierbarkeit. Studien zu ihrer Problematisierung, 2 Bde., Stuttgart: Klett Cotta 1977/79 (zus. herausgegeben mit Peter Graf Kielmansegg und Ulrich Matz).
  • Max Webers Fragestellung. Studien zur Biographie des Werks, Tübingen: Mohr Siebeck 1987.
  • Max Webers Wissenschaft vom Menschen. Neue Studien zur Biographie des Werks, Tübingen: Mohr Siebeck 1996.
  • Auf dem Weg in den Parteienstaat. Aufsätze aus vier Jahrzehnten, Stuttgart: Reclam 1998.
  • Regieren im modernen Staat. Politikwissenschaftliche Abhandlungen, Bd. 1, Tübingen: Mohr Siebeck 1999.
  • Politikwissenschaft und politisches Denken. Politikwissenschaftliche Abhandlungen, Bd. 2, Tübingen: Mohr Siebeck 2000. Max Weber und Thukydides. Nachträge zur Biographie des Werk, Tübingen: Mohr Siebeck 2003.
  • Herausgeberschaft der Reihen „Politica: Abhandlungen und Texte zur politischen Wissenschaft“ im Verlag Luchterhand, Neuwied/ Berlin 1960-1975 und „Zeitfragen“ im Verlag Wegner, Hamburg 1965-1972.
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