Informationen über Abschlussarbeiten
Wir stellen aber auch hier mögliche Arbeitsthemen in unserer Abteilung vor. Die verschiedenen Forschungsrichtungen / Themenschwerpunkte und jeweils mögliche Abschlussarbeitsthemen werden kurz erläutert. Bei Fragen kontaktieren Sie bitte einfach den jeweiligen Ansprechpartner.
Der Einfluss selektiver Aufmerksamkeit auf Emotionen
Raymond, Fenske und Tavassoli (2003) konnten belegen, dass selektive Aufmerksamkeit Emotionen beeinflusst. Sie verwendeten in ihren selektiven Aufmerksamkeitsstudien komplexe, bedeutungslose Muster und konnten zeigen, dass zu ignorierende Stimuli negativer bewertet werden als aufgabenrelevante und neue Stimuli. Auch wenn der Effekt vielfach repliziert wurde, sind einige Fragestellungen bislang noch offen. Zum einen gibt es unterschiedliche Auf-fassungen über die zugrunde liegenden Prozesse, zum anderen ist die Relevanz des Effekts für den Anwendungsbereich (zum Beispiel social first impressions oder Werbepsychologie) bislang unzureichend untersucht. In der Masterarbeit soll einer dieser Fragestellungen nachgegangen werden.
Literatur:
Raymond, J. E., Fenske, M. J., & Tavassoli, N. T. (2003). Selective attention determines emotional responses to novel stimuli. Psychological Science, 14, 537-542.
Betreuung/Ansprechpartner: Kerstin Dittrich
Measuring memory in the "cross-race effect"
Die Hypothese des Cross-Race-Effekt (CRE) besagt, dass Menschen Gesichter der eigenen Ethnie besser Wiedererkennen können als Gesichter von Personen mit einem anderen ethnischen Hintergrund. Viele Studien aus den USA zeigen scheinbar, dass Weiße tatsächlich schlechter in der Lage sind bei Gesichtern von Schwarzen korrekt anzugeben, ob sie diese bereits gesehen haben oder nicht (Sporer, 2001; Meissner & Brigham, 2001). Der CRE hat vor allem bei Zeugenaussagen oder vor Gericht eine große praktische Relevanz (z.B., Brigham, et al., 2007). In diesem Projekt wollen wir herausfinden ob sich der CRE auch bei Deutschen für Menschen mit arabischem Hintergrund zeigt.
Literatur:
Brigham, J. C., Bennett, L. B., Meissner, C. A., & Mitchell, T. L. (2007). The influence of race on eyewitness memory. In R. C. L. Lindsay, D. F. Ross, J. D. Read, & M. P. Toglia (Eds.), Handbook of eyewitness psychology. Volume II: Memory for people (pp. 257-281). Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum.
Meissner, C. A., & Brigham, J. C. (2001). Thirty years of investigating the own-race bias in memory for faces: A meta-analytic review. Psychology, Public Policy, & Law, 7, 3-35.
Sporer, S. L. (2001). Recognizing faces of other ethnic groups: An integration of theories. Psychology, Public Policy, and Law, 7, 36-97.
Betreuung/Ansprechpartner: David Kellen und Henrik Singmann
Fehlende Werte in der psychologischen Forschung
Beim Umgang mit empirischen Daten lernen angehende Psychologen haupt-sächlich geeignete Planung (im Vorfeld) und passende Auswertung (im Nachhinein). Was aber, wenn z.B. durch Systemausfall, abgesprungene Versuchspersonen, Patientenausfall etc. plötzlich Daten fehlen? Muss man wieder komplett von Vorne anfangen oder lassen sich ggf. die fehlenden Werte ersetzen? Und wenn ja, welche Voraussetzungen gibt es für eine gute Ersetzung?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieses Forschungsprojekt. Bis jetzt sind nur "Dau-menregeln" bekannt, ab wann bestimmte Ersetzungsverfahren eine akzeptable Ersetzung liefern. Eine systematische Untersuchung hinsichtlich bekannten, aber auch weniger untersuchten Einflussfaktoren auf die Güte der Ersetzung (z.B. N, Anzahl und Verteilung der Missings, Missingmuster, Anzahl der Variablen, Verteilungsformen, ...) fehlt. Dieses Forschungsvorhaben soll hier mit Simulationsstudien Abhilfe verschaffen, um in der psychologisch empirischen Forschung vage Daumenregeln in Guidelines zu verwandeln.
Betreuung/Ansprechpartner: Angela Cho
Beeinflusst Religiosität kognitive Prozesse?
Können sich religiöse Überzeugungen auf grundlegende Aufmerksamkeits- und Kontrollprozesse auswirken? Richten z.B. Mitglieder einer evangelikalen Gemeinde ihre Aufmerksamkeit auf andere Informationen als Atheisten? Erst kürzlich begannen Wissenschaftler, den Einfluss von Religiosität als Vermittler kultureller Variablen (wie z.B. Individualismus/Kollektivismus) auf kognitive Prozesse zu untersuchen. Beispielsweise zeigen erste Untersuchungen Unterschiede zwischen niederländischen Calvinisten und Atheisten in ihrer visuellen Aufmerksamkeit und Handlungskontrolle. Eine potentielle Abschlussarbeit soll dieser Beeinflussung kognitiver Prozesse durch Religiosität auf Ebene der Aufmerksamkeit und/oder Handlungskontrolle auch an anderen Glaubensgemeinschaften nachgehen und einen Beitrag zum besseren Verständnis der Wirkmechanismen leisten.
Literatur:
Colzato, L. S., van Beest, I., van den Wildenberg, W.P.M., Scorolli, C., Dorchin, S., Meiran, N., Borghi, A.M., & Hommel, B. (2010). God: Do I have your attention? Cognition, 117, 87-94.
Hommel, B., Colzato, L.S., Scorolli, C., Borghi, A.M., & van den Wildenberg, W.P.M. (2011). Religion and action control: Faith-specific modulation of the Simon effect but not stop-signal performance. Cognition, 120, 177-185.
Betreuung/Ansprechpartner: Annelie Rothe und Kerstin Dittrich
Gemeinsame Aufgabenrepräsentation im Flanker-Paradigma?
Viele Aktivitäten und Aufgaben in unserem Alltag erledigen wir gemeinsam mit an-deren Personen; sei es das Einräumen von Lebensmitteln zusammen mit einem WG-Mitbewohner, das gemeinsame Möbeltragen während eines Umzugs oder das Zusammenspiel im Mannschaftssport. Doch wie absolvieren wir diese Aufgaben zusammen? Als eine Komponente gemeinsamer Handlungen (joint actions) gilt die gemeinsame Repräsentation der Aufgabe, d.h. die Akteure repräsentieren die Auf-gabenregeln, Aktionen und Antworten des Partners analog zu den eigenen. Unter-sucht wurden die beteiligten kognitiven Prozesse vor allem mit Hilfe von räumlichen Kompatibilitätsaufgaben, die jedoch für die Bestimmung des Effekts problematisch sein können. Neuere Studien greifen auf die sogenannte Flanker-Aufgabe zurück. Dieses Aufgabenparadigma soll auch die Grundlage für die Untersuchung gemeinsamer Aufgabenrepräsentationen und der beteiligten Prozesse in einer Abschlussarbeit bilden.
Literatur:
Atmaca, S., Sebanz, N., & Knoblich, G. (2011). The joint flanker effect: Sharing tasks with real and imagined co-actors. Experimental Brain Research, 211, 371-385.
Sebanz, N., Knoblich, G., & Prinz, W. (2003) Representing others‘ actions: just like one’s own? Cognition, 88, B11-B21.
Betreuung/Ansprechpartner: Annelie Rothe und Kerstin Dittrich
Profile psychopathologischer Symptome – Differenzen zwischen somatoformen und depressiven Störungen
Kirchmann et al. (Kirchmann, Schreiber-Willnow, Seidler, & Strauss, 2011) präsentieren eine Clusteranalyse psychopatholoischer Symptomfaktoren (erhoben mit der SCL-90R) und setzten diese in Zusammenhang mit interaktionellen Problemen. Die empirisch gefundene Clusterstruktur erscheint klinisch bedeutsam und potenziell geeignet Therapie(miss)erfolge vorherzusagen.
Die projektierte Untersuchung soll
(1) Eine Überprüfung der Ergebnisse von Kirchmann et al zu den Profiltypen leis-ten.
(2) Die Profile mit diagnostischen Informationen verknüpfen und potenzielle Unterschiede in Intensität und Häufigkeit der Profile zwischen Patientengruppen mit depressiven und somatformen Diagnosen explorieren.
Dazu steht ein Datensatz von N>5000 Ersterhebungen von SCL-90R Tests an Patienten zu Verfügung.
Die Aufgaben des/der Qualifikanten sind: Datenclearing und Zusammenfügen be-stehender Datenbanken, Replikation der profilgenerierenden Cluster-Analysen der Originaluntersuchung. Literaturrecherche über Möglichkeiten zu „konfirmatorischer“ Clusteranalysen. Durchführung statistischer Analysen (deskriptive Statistik, Clusteranalysen, (M)ANOVA). Und schließlich Verschriftung in der Qualifikationsarbeit.
Literatur:
Kirchmann, H., Schreiber-Willnow, K., Seidler, K.-P., & Strauss, B. (2011). SCL-90-R symptom profile clusters among inpatients undergoing psychodynamic group psychotherapy: cluster stability, associations with clinical characteristics and treatment outcome. Psychopathology, 44(2), 71-82. doi:10.1159/000317579
Betreuung/Ansprechpartner: Rainer Leonhart
In Kooperation mit der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Armin Hartmann
