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FRAGL 40: Metadiskurse zu gendersensibler Sprache

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Dara Schätzle

 Abstract

Im Kontext des abermals aufgekommenen Diskurses um gendergerechte Sprache gehe ich in dieser Arbeit unter Rückgriff auf zwei empirische Teilen der Frage nach, welche Argumente in diesem Diskurs geäußert werden und welche Einstellungen zu genderbezogener Personenreferenz registrierbar sind. Die Erläuterung der Hintergründe und Relevanzeinordnung des Analysegegenstands erfolgt durch eine Beschreibung des deutschen Genussystems, in dessen Kontext die personenreferentielle Besonderheit des sogenannten generischen Maskulinums (GM) besprochen wird. Auch die Soziohistorie des GMs und der feministischen (und später gender-linguistischen) Sprachkritik wird beschrieben. Die Analysemethodik des ersten empirischen Teils verortet sich im Bereich der kritischen Diskursanalyse (CDA), genauer in der Argumentationsanalyse. Stephen Toulmins Argumentationsmodell dient als methodische Grundlage und wird zu diesem Zweck ausführlich beschrieben. Der zweite analytische Teil diskutiert die Ergebnisse einer Fragebogenstudie, die im Frühjahr 2019 als Forschungspraktikum am Psycho-logischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg durchgeführt wurde.
In der Argumentationsanalyse wird zunächst nach Subdiskurstypen unterschieden, die sich danach aufgliedern, an wen die jeweiligen Diskursbeitrage adressiert sind (Adressierung), welchen Hintergrund der*die Verfasser*in hat (Fachlichkeitslevel) und ob der*die Verfas-ser*in eine Pro- oder eine Kontrahaltung zu gendersensibler Sprache einnimmt (Position). Ergebnisse der Analyse sind, dass sich linguistische Perspektiven auf den Gegenstandsbereich je nach der Position unterscheiden und dass sich die Argumentationen je nach Fachlichkeitslevel sowohl im Hinblick auf ihre Fundiertheit als auch im Hinblick auf ihre Schwerpunktsetzung unterscheiden.
Die Fragebogenstudie wurde als sechs verschiedene Abschnitte umfassend entworfen. Eine Vorannahme war, dass es Zusammenhänge zwischen der Einstellung zu gendersensibler Sprache und anderen politischen Einstellungen gibt. Außerdem wurde erwartet, dass das Hinter-grundwissen und die Bekanntheit gendersensibler Sprachformen mit diesen Einstellungen zusammenhängen. Es zeigen sich statistisch signifikante Korrelationen zwischen den (gen-der)politischen und „Pro-Gendern“-Einstellungen, sowie zum Hintergrundwissen und der Bekanntheit beispielsweise auch der Grapheme an der Morphemgrenze. Auffällig ist, dass Sprachformen, die als „nicht-dichotom“ verbreitet werden (Unterstrich, Sternchen, …) selbst nur zwei Dritteln der überdurchschnittlich akademisch geprägten Versuchspersonengruppe bekannt sind.

Keywords: Gendersensible Sprache, generisches Maskulinum, generische, Personenreferenz, Diskursanalyse, CDA, Argumentationsanalyse, Einstellungsforschung
 


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