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Subjektive Dialekträume im alemannischen Dreiländereck

Während sich die klassische Dialektforschung mit objektiven Belegen für die geographische Distribution sprachlicher Phänomene beschäftigt, hat sich in den letzten Jahrzehnten mit der sog. Ethnodialektologie ein Forschungszweig innerhalb der Linguistik entwickelt, der sich mit dem subjektiven dialektbezogenen Wissen der Sprecher beschäftigt. Im Rahmen dieses Projekts wurde den Fragen nachgegangen, wie die Bewohner des sog. 'alemannischen Dreiländerecks' ihre dialektale Umgebung wahrnehmen und welche Bedeutung der Dialekt für die regionale Identität besitzt.

Zu diesem Zweck wurden in einer empirischen Erhebung über 200 Sprecher mithilfe eines sog. Draw-a-Map-Tasks zu ihren Vorstellungen von der dialektalen Gliederung des Untersuchungsgebiets befragt. Es konnte gezeigt werden, dass die Sprecher teilweise sehr genaue Vorstellungen von der räumlichen Gliederung der Dialektlandschaft haben, die sich in vielen Fällen als überindividuell erweisen und sich einerseits an landschaftlich-topographischen Faktoren orientieren (Berge, Täler), andererseits auf die ehemalige (territoriale, konfessionelle) sowie aktuelle politische (nationalstaatliche, administrative) Zugehörigkeit zurückzuführen sind. Zudem zeigen sich beim Vergleich der Ergebnisse der älteren und der jüngeren Informanten Unterschiede, die auf einen Wandel der regionalen Bezugssysteme hindeuten: Während die Sprecher der älteren Generation ein umfangreicheres und differenzierteres Wissen bezüglich der Klassifikation lokaler Dialektgebiete in der näheren Umgebung äußern, erweist sich bei den jüngeren Informanten vor allem die Abgrenzung gegen weiter entfernte Gebiete (neben dem Elsass und der Schweiz vor allem das Schwäbische) als relevanter Faktor für die regionale Identitätskonstruktion.

  • Stoeckle, Philipp (2013): Subjektive Dialekträume im alemannischen Dreiländereck. Dissertation Universität Freiburg i. Br. (ausgezeichnet mit dem Ralf-Dahrendorf-Preis der Badischen Zeitung 2013)
  • Stoeckle, Philipp (2012): "The folk linguistic construction of local dialect areas - linguistic and extra-linguistic factors". In: Hansen, Sandra; Schwarz, Christian; Stoeckle, Philipp; Streck, Tobias (eds.): Dialectological and Folk Dialectological Concepts of Space. Current Methods and Perspectives in Sociolinguistic Research on Dialect Change. Berlin; Boston: de Gruyter, 142-163, 271-275.
  • Stoeckle, Philipp (2010): "Subjektive Dialektgrenzen im alemannischen Dreiländereck." In: Anders, Christina Ada; Hundt, Markus; Lasch, Alexander (Hgg.): Perceptual Dialectology. Neue Wege der Dialektologie. Berlin; New York: de Gruyter, 291-315.
     

Kontakt: Philipp Stoeckle

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