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Gundolfs Literaturgeschichte

 

Gundolfs Literaturgeschichte

Abstract


Die Fritz-Thyssen-Stiftung fördert eine kritische Edition von Friedrich Gundolfs bislang unpublizierten Vorlesungen zur deutschen Literatur von Luther bis George aus den Jahren 1911 bis 1930. Damit wird diejenige Monographie rekonstruiert, die der wohl wirkmächtigste Literaturwissenschaftler der Weimarer Republik trotz Wunsch seines ›Meisters‹ Stefan George nie veröffentlichte, obwohl sie als Torso in ausformulierten Manuskripten auf circa 4.600 Seiten vorliegt.
Friedrich Gundolf gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Germanisten, die sich kurz vor dem Ersten Weltkrieg von Philologie und Historik als Leitdisziplin der Literaturforschung lossagten und eine ›geistesgeschichtliche Wende‹ der Germanistik herbeiführten. Seine Bücher wurden viel gedruckt und breit rezipiert; die Vorlesungen, die Gundolf seit seiner Habilitation 1911 und seit 1920 als erster Ordinarius Heidelbergs für Neuere Deutsche Literatur bis zu seinem Tod 1931 in Heidelberg hielt, zogen weit überdurchschnittlich viele Studentinnen und Studenten aller Fakultäten an. Unter den Hörern firmieren etwa die Politiktheoretikerin Hannah Arendt, der Romanist Hugo Friedrich, der Historiker Ernst Kantorowicz, der Nationalökonom Edgar Salin oder der Anglist Rudolf Sühnel, daneben so prominente Germanisten wie Richard Alewyn, Max Kommerell oder Benno von Wiese. Ein Verzeichnis von allen Hörerinnen und Hörern Gundolfs nach der Quästur im Heidelberger Universitätsarchiv wird die Wirkbreite der Vorlesungen konkretisieren. So ermöglicht es die Rekonstruktion von Gundolfs ›Geschichte der deutschen Literatur‹ nicht zuletzt, Interdependenzen und Konstellationen im intellektuellen Feld der Moderne aufzuspüren.
Das Projekt beabsichtigt jedoch vorrangig, die Grundlage von Gundolfs Wirkmacht in den Schriften zu präsentieren, mit denen er seine akademische Lehre bestritt. Dazu wird eine kritische Edition von Friedrich Gundolfs Vorlesungsmanuskripten erarbeitet. Textgrundlage bilden die entsprechenden archivalischen Konvolute in Gundolfs Nachlass, den die Senate House Library in London verwahrt. Die archivalische Ordnung der Nachlass-Manuskripte, die teils auf Gundolf selbst, vor allem aber auf dessen Witwe zurückgeht, mutet immer wieder willkürlich an. Sie erlaubt es jedoch, die Konvolute in eine gegenstandsbezogen-chronologische Abfolge zu bringen, ohne die Einheit der Manuskripte aufzubrechen. Der edierte Text ergibt sich also zwanglos auf der Grundlage von fünf Sektionen, deren Kapitel aus einheitlichen Vorlesungsmanuskripten mit Gundolfs Titeln bestehen:

  • 1.1 ›Deutsche Bildung von Luther bis Lessing‹
  • 1.2 ›Deutsche Literatur der Reformationszeit‹
  • 1.3 ›Dt. Geistesgeschichte von Luther bis Nietzsche‹
  • 2 ›Deutsche Literatur von Opitz bis Lessing‹
  • 3 ›Klopstock‹
  • 4.1 ›Grundzüge deutscher Dichtung im Zeitalter Goethes‹
  • 4.2 ›Die Begründer der romantischen Schule‹
  • 5 Vorlesungen zum 19. Jahrhundert: ›Deutsche Literatur im 19. Jahrhundert‹

Für die Wissenschaftsgeschichte der Germanistik sind Gundolfs Vorlesungen auch deshalb zentral, weil Gundolf als Stichwortgeber der geisteswissenschaftlichen Methodendiskussion im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts fungierte. Seine Vorlesungen, die er für Wiederholungen in unterschiedlichen Semestern überarbeitet hat, bieten einen reichen Fundus an theoretisch-terminologischen Reflexen. Die punktuellen Variationen zeigen, wie Gundolf im wissenschaftlichen und weltanschaulichen Kontext der Zeit neu Position bezog. Durch die Dokumentation diese Reflexe in einem genetisch-linearen, nicht-topographischen, positiven Einzelstellenapparat kann nachvollzogen werden, wie die Alternation zentraler Termini (z. B. Geistesgeschichte/Ideengeschichte/Bildungsgeschichte) unterschiedliche Historiographiekonzepte privilegiert und sich damit wandelnde Wissenschaftsbegriffe manifestieren.
Die Edition der Vorlesungen, die Gundolf in Heidelberg hielt, und damit die Rekonstruktion seiner ›Geschichte der deutschen Literatur‹ kann eine Basis für weitere Forschungen zur intellektuellen Biographie Gundolfs, zum George-Kreis, zur Geschichte der Germanistik, der geisteswissenschaftlichen Methodologie und zur Kulturgeschichte der Moderne bieten. – Die Publikation soll im de-Gruyter-Verlag erscheinen.
 

Mitarbeiter

Leitung: Dr. Philipp Redl


Hans-Christian Riechers

Riechers

hans-christian.riechers@germanistik.uni-freiburg.de

0716/203-67590

Hans-Christian Riechers studierte von 2003 bis 2010 Philosophie, Germanistik und Religionswissenschaft in Freiburg und Valencia. 2011 unterrichtete er im Rahmen einer DAAD-Institutspartnerschaft an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. Von 2012 bis 2016 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Germanistik an der Universität Bielefeld (Redaktion Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur). 2018 Promotion mit einer Arbeit über Peter Szondi. Seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Editionsprojekt Friedrich Gundolfs Literaturgeschichte.

Publikationen

  • „Vis à vis de soi-même“: Knigges Über den Umgang mit Menschen. In: Das Achtzehnte Jahrhundert 37/I (2013), S. 74–82.
  • „eine Art Kritik der gattungspoetischen Vernunft“. Peter Szondi liest Friedrich Schlegel. In: Ulrich Breuer / Remigius Bunia / Armin Erlinghagen (Hg.): Friedrich Schlegel und die Philologie (= Schlegel-Studien 7). Paderborn u.a.: Ferdinand Schöningh 2013, S. 237–252.
  • Zwei Erinnerungsgedichte. Zu Friedrich Hölderlins Andenken und Itzik Mangers Abendlied. In: Freiburger Universitätsblätter 208 (2015), S. 137–152.
  • Wahlvaterschaften. Peter Szondi und die Patriarchen (Lukács, Benjamin, Scholem, Adorno). In: LEA – Lingue e Letterature d’Oriente e d’Occidente 7 (2018), Firenze University Press (in Vorbereitung).
  • Großinquisitor, Großtyrann. Zur Semantisierung totaler Macht in der Literatur der „Inneren Emigration“. In: Kritische Ausgabe 36 (2019) (in Vorbereitung).
  • Zahlreiche Kritiken und Rezensionen

Lehrveranstaltungen

  • Erinnerungsromane in der deutschen Gegenwartsliteratur: W.G. Sebald, Uwe Timm (Sankt Petersburg, Seminar, Winter 2011).
  • E.T.A. Hoffmann: Erzählungen (Sankt Petersburg, Seminar, Winter 2011).
  • „Echos aus der Vergangenheit“: W.G. Sebald (Bielefeld, Seminar BA Germanistik; Wintersemester 2012/13).
  • Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft (Bielefeld, Seminar MA DaF/Germanistik; Wintersemester 2012/13).
  • Französische Revolution: deutsche Literatur (1789–1799) (Bielefeld, Seminar BA/MA Germanistik und Sprachliche Grundbildung; Sommersemester 2013).
  • Frühromantik (Bielefeld, Seminar BA/MA Germanistik und Sprachliche Grundbildung; Wintersemester 2013/14).
  • Das Sonett in der deutschen Literatur (Bielefeld, Seminar MA DaF/Germanistik, Wintersemester 2014/15).
  • Einführung in die Theorie literarischer Gattungen (Bielefeld, Seminar BA Germanistik, Sommersemester 2015).
  • Lyriktheorie und Lyrikanalyse (Bielefeld, Seminar BA Germanistik, Wintersemester 2015/16 und Sommersemester 2016).


Mathis Lessau

Lessau

mathis.lessau@germanistik.uni-freiburg.de

0761/203-67588

Mathis Lessau studierte Philosophie und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Unterstützt durch die ‚Fulbright-Kommission‘ vertiefte er sein Studium der Philosophie von 2009‒2010 an der University of Wisconsin, Madison. Er arbeitete ebenfalls als Sprachassistent in Frankreich (2008‒2009) und profitierte, im Rahmen der Philosophie, von einem Erasmus-Aufenthalt an der Istanbul Universitesi (2010‒2011). Mathis Lessau war als wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Hasebrink (2006‒2007), sowie als Tutor am Lehrstuhl Prof. Hoenen (2007‒2009 und 2011‒2013) und am Lehrstuhl Prof. Nückles (2011) tätig. Im Januar 2014 wurde er Mitglied im GRK Faktuales und fiktionales Erzählen und konnte im März 2018 seine Promotion über Wilhelm Dilthey an der philosophischen Fakultät abschließen. Seit Juli 2018 Mitarbeiter im Editionsprojekt Friedrich Gundolfs Literaturgeschichte.

Publikationen

  • „From Reflexive Awareness to Autobiographical Identity: Wilhelm Dilthey on the Development of Self-Consciousness“, in: International Yearbook for Hermeneutics 14 (2015), S. 305-316.
  • „Wilhelm Dilthey und das Paradoxon der Fiktion.“ Franzen Johannes [et. al.] Hgg. Geschichte der Fiktionalität. Würzburg: Ergon-Verlag [im Druck].
  • „Ein Gefühl für das Leben entwickeln – über den Wert der Dichtung im Ausgang von Wilhelm Dilthey.“ Hüsch, Sebastian und Sikander Singh Hgg. Literatur als philosophisches Erkenntnismodell. Tübingen 2016, S. 177-194 .
  • „Wahrheit und Dichtung. Diltheys Autobiographiekonzept im Spannungsfeld zwischen ‚Explikation und Schaffen‘.“ Publikationen der internationalen Vereinigung für Germanistik. Zhu, Jianhua [u.a.] Hgg. Frankfurt: Peter Lang [im Druck].
  • „Diltheys Autobiographiekonzept als Grundlage der Geisteswissenschaften“, in: Geschichte der Germanistik 49/50 (2016), S. 153-155.
  • Selbstverstehen und Fremdverstehen. Diltheys Autobiographiekonzept als Grundlage der Geisteswissenschaften, Ergon (Studien zur Phänomenologie und praktischen Philosophie) [im Druck, erscheint Anfang 2019]
    Falk Bornmüller, Íngrid Ferran, Johannes Franzen, Mathis Lessau. Hgg. Literatur als Gedankenexperiment [In Vorbereitung: erscheint voraussichtlich bei Fink 2018).
  • Mathis Lessau, Nora Zügel. Hgg. Die Rückkehr des Erlebnisses in die Geisteswissenschaften [in Vorbereitung: erscheint voraussichtlich im Ergon-Verlag 2018).

Lehre

  • WS 2014/15: „Personale Identität“ (Projektseminar im Rahmen des Moduls „Faszination Wissenschaft“)
  • WS 2014/15: Übungen zur Wissenschaftstheorie (Lehraufträge am University College Freiburg)
  • WS 2015/16: „Literatur und Erkenntnis“ (Lehrauftrag der Universität Magdeburg)
  • WS 2016/17: „Empathie. Grenzen und Möglichkeiten“ (Projektseminar im Rahmen des Moduls „Faszination Wissenschaft“)
  • WS 2018/19: „Ethics, Decision-Making and Responsible Action” (Lehrauftrag University College)
  • WS 2018/19: “Wilhelm Dilthey und die Theorie der Geisteswissenschaften” (Lehrauftrag Husserl-Archiv)

 

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