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Sommersemester 2018

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Vorlesungen     Haupt-/Masterseminare      Proseminare      Kolloquium      Übungen


Hinweise zu den Lehrveranstaltungen

  • Die Belegung findet ausschließlich über das Portal HISinOne statt.
  • Alle aktuellen Veranstaltungen sowie Lehrmaterialien finden Sie bei ILIAS.
  • Haben Sie Fragen zu unseren Lehrveranstaltungen, mailen Sie bitte dem HiWi-Team.

 

   

Vorlesungen

Prof. Dr. Dietmar Neutatz

Tschechen und Deutsche im 19. und 20. Jahrhundert

Dienstag, 14 bis 16 Uhr c.t. – Raum: KG I, HS 1010

Die Geschichte der Deutschen und Tschechen ist eng miteinander verknüpft. „Konfliktgemeinschaft“ wurde das Zusammenleben der beiden Nationalitäten in den böhmischen Ländern treffend genannt, weil sie zwar vieles gemeinsam hatten aber durchaus gegeneinander agierten. In der Vorlesung soll die Geschichte der böhmischen Länder bzw. der Tschechoslowakei unter dem Aspekt der Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen über rund 150 Jahre verfolgt werden, von der Nationsbildung im 19. Jahrhundert bis in die jüngste Zeit.

  • Einführende Literatur: Begegnung und Konflikt. Schlaglichter auf das Verhältnis von Tschechen, Slowaken und Deutschen 1815-1989. Hg. v. Jörg K. Hoensch und Hans Lemberg. Essen 2001. Křen, Jan: Die Konfliktgemeinschaft. Tschechen und Deutsche 1780-1918. 2. Aufl. München 2000. Hoensch, Jörg K.: Geschichte Böhmens. Von der slavischen Landnahme bis zur Gegenwart. 3. Aufl. München 1997. Hoensch, Jörg K.: Geschichte der Tschechoslowakei. 3. Aufl. Stuttgart 1992.

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Hauptseminare

Prof. Dr. Dietmar Neutatz

Masterseminar: Nicht nur Stachanow. Die Heroisierung von Arbeit in systemvergleichender Perspektive

Dienstag, 10 bis 12 Uhr c.t. - Raum: KG I, HS 1021

Die Figur des Arbeitshelden formierte sich als ein Kulturen und politische Lager übergreifendes Phänomen, das in den kommunistischen Bewegungen, im Faschismus und Nationalsozialismus, aber auch in der Sozialdemokratie, in der Konservativen Revolution oder auch in den USA während des New Deal eine wichtige Rolle spielte. Sie hat eine Schnittmenge mit dem ebenfalls lager- und länderübergreifenden Diskurs vom „neuen Menschen“. Die Auratisierung und emotionale Aufladung des Arbeiters, also ausgerechnet derjenigen Figur, die im industriellen Produktionsprozess eigentlich anonymisiert und in eine funktionale Rolle gedrängt wird, lässt sich interpretieren als Reaktion auf die moderne Industriegesellschaft, die geprägt ist von Technisierung, Ökonomisierung, Rationalisierung und Anonymisierung.Das Seminar wendet sich an Studierende aller Studiengänge des Historischen Seminars einschließlich BA Russlandstudien und MA Russlandstudien.

Das Seminar wendet sich an Masterstudierende des Historischen Seminars einschließlich MA Russlandstudien sowie an fortgeschrittene Lehramtsstudierende (GymPO). Ggf. ist eine mündliche Prüfungen nach individueller Absprache möglich.

Anmeldung über das Online-Belegverfahren in HISinOne. Kenntnisse der russischen Sprache werden nicht vorausgesetzt. Von der ersten auf die zweite Sitzung ist ein Essay abzuliefern, der als Teil der Studienleistung gilt. Das fristgerechte Erbringen dieser Studienleistung ist Voraussetzung für den weiteren Besuch des Seminars. Thema und Literatur werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

Prüfungsleistung: Schriftliche Hausarbeit (Abgabetermin 20.9.2018) oder mündliche Prüfung (nach individueller Absprache zwischen 16.7.2018 und 5.10.2018).

Studienleistungen: Eingangsessay, regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit, vorbereitende Lektüre (gesichert durch eine Klausur), Mitarbeit an den Sitzungsprotokollen.

  • Einführende Literatur: Gries, Rainer / Satjukow, Silke: Helden der Arbeit. In: Den Boer, Pin / Duchhardt, Heinz / Kreis, Georg u.a. (Hrsg.): Europäische Erinnerungsorte. Das Haus Europa, Bd. 2. München 2011, S. 65-72. Maier, Robert: Die Stachanov-Bewegung 1935-1938. Der Stachanovismus als tragendes und verschärfendes Moment der Stalinisierung der sowjetischen Gesellschaft. Stuttgart 1990. Patel, Kiran Klaus: „Soldaten der Arbeit“. Arbeitsdienste in Deutschland und den USA 1933-1945. Göttingen 2003. Satjukow, Silke / Gries, Rainer (Hg.): Sozialistische Helden. Eine Kulturgeschichte von Propagandafiguren in Osteuropa und der DDR. Berlin 2002. Yu, M.: „Labor is Glorious”. Model Laborers in the People’s Republic of China, in: Bernstein, T./ Li, H. (Hg.): China Learns from the Soviet Union, 1949 – Present. Lanham 2010, S. 231-258.

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PD Dr. Martin Faber

Die Wiederentstehung des polnischen Staats 1914-1922

Freitag, 10 bis 12 Uhr c.t. - Raum: KG I, HS 1036

Unter den vielen historischen Jubiläen im Jahr 2018 ist auch das 100. Der Wiederentstehung eines polnischen Staates nach 123-jähriger Teilung. Die Niederlage aller drei Teilungsmächte - Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland - im 1. Weltkrieg machte den Weg frei für die Entstehung neuer Staaten in Ostmitteleuropa, darunter auch eines polnischen Nationalstaats. Jedoch begann im Fall Polens dieser Vorgang nicht erst mit dem Kriegsende im November 1918 und endete auch nicht mit dem Abschluss des Versailler Friedensvertrags im Juni 1919. Vielmehr hatte die polnische Nationalbewegung schon seit 1914 versucht, den Krieg zwischen den Teilungsmächten auszunutzen, um eine neue Staatlichkeit zu erringen. Tatsächlich schufen Deutschland und Österreich-Ungarn schon im November 1916 ein polnisches Staatsgebilde auf dem Territorium des früheren russischen Teilungsgebiets. 1918 entstand dann mit der Rückendeckung der Siegermächte Frankreich,Großbritannien und USA ein Staat, der auch Gebiete einschloss, die zuvor zu Deutschland und Österreich-Ungarn gehört hatten. Doch um den genauen Verlauf der Grenzen entbrannten jahrelange Kämpfe mit fast allen Nachbarstaaten.
Erst 1922 waren alle Landesgrenzen endgültig festgelegt (wenn auch keineswegs unangefochten). Bis dahin musste das neue Polen Krieg führen, seine Diplomaten verhandeln lassen und bei Volksabstimmungen Bevölkerungen dazu animieren, sich für die Zugehörigkeit zum polnischen Staat auszusprechen. Um das Territorium Polens möglichst groß werden zu lassen, wurden ethnische, historische, moralische, biologische, kulturelle, wirtschaftliche und militärische Argumente eingesetzt. Höhepunkt dieser Kämpfe war sicher der Sieg im polnisch-sowjetischen Krieg über die Rote Armee in der Schlacht bei Warschau im August 1920. Dennoch konnte Polen am Ende keineswegs alle seine Gebietsansprüche durchsetzen, auch deshalb, weil andere Nationalitäten, die bis zum 18. Jahrhundert auf dem Gebiet des polnischen Staats gelebt hatten, nun eigene Ansprüche geltend machten. Darüber hinaus hatte das neue Polen auch im Innern eine ganz andere Gestalt als die alte Adelsrepublik der frühen Neuzeit, obwohl es sich mit vielen von deren Altlasten noch lange herumschlagen musste. Das Seminar soll diese Periode des intensiven Ringens zwischen Vergangenheit und Zukunft in allen Aspekten beleuchten.

  • Einführende Literatur: Reconstruction of Poland 1914-1923. Hg. von Paul Latawski. London 1992; Norman Davies: White eagle, red star. The Polish-Soviet war, 1919-20. New York 1972.

Studienleistung: Referat, regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit, vorbereitende Lektüre

Themen und Literatur werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben

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Proseminare

Michel Abeßer, M.A.

Sputnik, Jazz und Ballerinen – Die Sowjetunion im kulturellen Kalten Krieg

Dienstag, 13 - 16 Uhr c.t. - Raum: KG I, HS 1023

Der Kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion war mehr als ein Rüstungswettlauf und ein geopolitischer Konflikt um globalen Einfluss. Besonders im Bereich der Kultur erscheint die jahrhundertprägende Auseinandersetzung als ein tiefgreifendes und einzigartiges Phänomen. Beide Seiten konkurrierten um unterschiedliche Vorstellungen von Fortschritt und das Erbe der Aufklärung. In diesem Wettbewerb trafen Modernismus und Tradition, Atheismus und Religion, Rassen- und Geschlechterfragen aufeinander, wurden kontrovers ausgefochten und definierten die vermeintliche Essenz des jeweiligen Systems. Im Seminar diskutieren wir zentrale Weichenstellungen und Zäsuren sowjetischer Kulturpolitik gegenüber der westlichen Welt und der Satellitenstaaten, die nach Ende der Isolation des Landes unter Stalin in den 1950er Jahren mit neuem Geltungsanspruch formuliert wurden. Am Beispiel vertraglich vereinbarter Tourneen von Künstlern, Ausstellungen und dem Sport lassen sich Intention, Umsetzung und Effektivität der Kulturdiplomatie in der jeweiligen Phase des Kalten Krieges diskutieren. Fragen von Kulturtransfer, Interpretations- und Aneignungsprozessen westlicher Kultur durch den sowjetischen Bürger wiederum kann man sich erst durch mit Blick auf inoffizielle Kanäle westlicher Kultur wie Radiosender und den Schwarzmarkt annähern. Anhand zahlreicher Fallbeispiele werden wir so nach Chancen und Grenzen der sozialistischen Kultur im Wettbewerb mit dem Westen fragen und mithilfe verschiedener Theorieangebote den zentralen Zusammenhang von Politik und Kultur diskutieren.

Russischkenntnisse sind keine Teilnahmevoraussetzung. Quellen und Sekundärliteratur liegen in englischer und deutscher Sprache vor.

Einführende Literatur: Caute, David: The Dancer Defects: The Struggle for Cultural Diplomacy during the Cold War, Oxford, New York, 2003.; Hixson, Walter: Parting the Curtain: Propaganda, Culture, and the Cold War, New York 1997.; Neutatz, Dietmar: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013. Zhuk, Sergej: Rock and Roll in the Rocket City. The West, Identity, and Ideology in Soviet Dnepropetrovsk 1960 - 1985, Baltimore 2010.

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Dr. Peter Kaiser

Von Tannenberg bis Majdan – Osteuropäische Erinnerungsorte in Geschichte und Gegenwart

Montag, 9 - 12 Uhr c.t. - Raum: KG I, HS 1021

Spätestens seit der französische Historiker Pierre Nora den Begriff des lieu de mémoire in Anlehnung an den aus der antiken Mnemotechnik der Rhetoriker stammenden Begriff loci memoriae in die moderne Wissenschaftssprache eingeführt hatte, haben viele europäische Sprachen diese Formulierung in fast wörtlichen Übersetzungen übernommen, mit eigenen theoretischen Konzepten angereichert und fortentwickelt. Der im Deutschen seitdem geläufige Begriff des Erinnerungsortes verbindet in sich die Vorstellung vom kollektiven Gedächtnis als ideologischer Konstruktionen, die einen Identifikations- und Verständniscode für die Wir-Gruppe darstellen, mit der konkreten Geschichte eines topographisch oder metaphorisch verstandenen Ortes. Erinnerungsorte können sowohl realhistorische als auch imaginierte „historische Phänomene“ sein; sowohl Ereignisse und topographische Orte als auch (imaginierte und reale) Gestalten, Artefakte, Symbole und Ereignisse. Sie sind eine Art Archiv (Jan Assmann), in dem Ereignisse, Texte, Bilder und Haltungsmodelle gesammelt sind. Mithilfe der Erinnerungsorte wird eine komplexe Erinnerungsgeschichte und nicht nur die Erinnerungskultur von heute erforscht, wobei es gilt, die Erinnerung – oder noch genauer: das Erinnern – zu historisieren.
Nirgendwo scheint die identitätsrelevante Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart so lebendig und gleichzeitig so umstritten zu sein wie in heutigem Osteuropa. Dort gibt es kaum eine klare Grenze zwischen historischem Erinnerungsort und dem politischen Gründungsmythos, dem emotionalen Engagement und der Mobilisierung der Gesellschaft. Orte wie Stalingrad, Auschwitz, Srebrenica, Katyn oder das Warschauer Ghetto sind längst zu Mahnmalen für die geschichtlichen Katastrophen und Gräueltaten des 20. Jahrhunderts geworden. Andere Orte dagegen wie Roter Platz, der Weltraumbahnhof Baikonur, die sowjetischen Polarstationen oder der imaginierte Erinnerungsort „sozialistische Filmkomödien“ werden immer noch als Symbole des nationalen Stolzes und der kulturell-politischen Errungenschaften präsentiert. Und wiederum andere wie der Prager Frühling 1968, der Streit auf der Leninwerft in Danzig 1980 oder die Bürgerproteste auf dem Majdan-Platz in Kiew 2013-2014 haben mittlerweile als Gründungsmythen und Orte des Kampfes für die Unabhängigkeit ihren festen Platz in der „Erinnerungslandschaft“ der jeweiligen Länder.

Das Ziel des vorliegenden Seminars besteht nicht nur darin, die Entstehung und Entwicklung der einzelnen Erinnerungsorte zu beschreiben und ihre Identitätsrelevanz für die historischen Prozesse zu erkennen, sondern auch Fragen nach der Funktionalität dieser Orte sowohl im Identitätshaushalt der einzelnen Gesellschaften als auch für die Beziehungen dieser Gesellschaften untereinander aufzuwerfen und zu beantworten.

Besondere Sprachkenntnisse (Russisch, Ungarisch, Polnisch etc.) sind zwar willkommen, bilden jedoch keine Teilnahmevoraussetzung.

Der Abgabetermin der Hausarbeit ist am 01.09.2018;

ggf. mündliche Prüfungen nach individueller Absprache zwischen dem 16.07.2018 und 05.10.2018.ggf. mündliche Prüfungen nach individueller Absprache ab Ende Juli.

  • Einführende Literatur: Hans Henning Hahn/ Robert Traba (Hrsg.). Deutsch-polnische Erinnerungsorte. Bd. 1: Geteilt/ Gemeinsam. Paderborn 2015; Stefan Berger/ Joana Seiffert (Hrsg.). Erinnerungsorte: Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzeptes in den Kulturwissenschaften. Essen 2014; Aleida Assmann. Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. 5. Aufl., München 2010; Heidi Hein-Kircher/ Hans Henning Hahn (Hrsg.). Politische Mythen im 19. und 20. Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa. Marburg 2006.

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Kolloquium

Prof. Dr. Dietmar Neutatz

Aktuelle Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte

Dienstag, 18 bis 20 Uhr c.t. – Raum: KGIV, Konferenzraum (4429)

Das Kolloquium wendet sich an Abschlusskandidat/inn/en und Doktorand/inn/en. In der ersten Sitzung werden allgemeine Hinweise zur Anfertigung von Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Magister, Staatsexamen) und zur Präsentation derselben gegeben. In den Folgesitzungen werden laufende Qualifikationsarbeiten und Vorträge auswärtiger Wissenschaftler diskutiert. Das Programm wird zu Beginn des Semesters über die Homepage des Lehrstuhls für Neuere und Osteuropäische Geschichte bekannt gegeben.

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Übungen

Michel Abeßer, M.A.

Von edlen Wilden und gemeinen Banditen – der Kaukasus und das Russische Imperium

Montag 12-14 Uhr c.t. – Raum: KG I, HS 1032

Der Kaukasus als historische Region ist nicht nur aufgrund seiner Lage zwischen eurasischer Steppe, kleinasiatischer Hochebene und Mittlerem Osten, sondern auch wegen seiner ethnischen und sprachlichen Vielfalt einzigartig. Im schon von den Arabern so bezeichneten „Gebirge der Sprachen“ existierten über Jahrhunderte unterschiedlichste politische Gemeinwesen nebeneinander – Königreiche, Khanate und Fürstentümer ebenso wie lose Allianzen zwischen Hochgebirgsdörfern. Für das Russische Reich, das sich unter Zurückdrängung des osmanischen und persischen Machtbereichs im 18. und 19. Jahrhundert den Kaukasus mühsam einverleibte, stellte diese Heterogenität eine Herausforderung für seine imperialen Konzeptionen von Ordnung, Herrschaft und Fortschritt dar. In der Übung werden wir uns nach einem Einblick in die politischen, ökonomischen und kulturellen Gegebenheiten der Region mit der Integration ins Russische Imperium auseinandersetzen. Dabei diskutieren wir die militärischen, politischen und kulturellen Strategien St. Petersburgs, mit denen diese Region erobert, befriedet und entsprechend der eigenen Entwicklungsmodelle transformiert werden sollte. Einen prominenten Platz räumen wir dabei den kulturellen Repräsentationen der Region in der russischen Kultur und den zahlreichen Versuchen seiner Bewohner, der Unterwerfung Widerstand zu leisten, ein. Studierende erarbeiteten im Laufe des Semesters das historische Profil einer der Kaukasusregionen, das bei ausreichender Teilnehmerzahl in Form einer Onlinepräsentation veröffentlich wird.

Russischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Teilnahmevoraussetzung. Quellen und Sekundärliteratur liegen in englischer und deutscher Sprache vor.

  • Einführende Literatur: Hoetzsch, Otto: Russland in Asien. Geschichte einer Expansion, Stuttgart 1966.; Jersild, Austin: Orientalism and Empire. North Caucasus Mountain Peoples and the Georgian Frontier, 1845-1917, Montreal u.a. 2002.; Layton, Susanne: Russian Literature and Empire. The Conquest of the Causasus from Pushkin to Tolstoy, Cambridge 1994.; Suny, Ronald (Hg.): Transcaucasia. Nationalism and Social Change. Essays in the History of Armenia, Azerbaijan and Georgia, Ann Arbor 1996.

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Dr. Peter Kaiser

"Mord mit gutem Gewissen" - Das politische Attentat im 20. Jahrhundert.

Mittwoch 10-12 Uhr c.t. – Raum: „F“ Raum/ 4121

„Wer einen Tyrannen tötet, hat mit Sicherheit kein Verbrechen begangen“, schrieb Cicero in seinem letzten philosophischen Werk „De officiis“ und dieser Gedanke, den Jörg von Uthman in seiner Untersuchung der Geschichte des politischen Attentats pointiert als „Mord mit gutem Gewissen“ charakterisiert, ist kennzeichnend für viele Attentäter, die politische Ziele im Auge hatten und diese mit anderen Mitteln nicht zu erreichen hofften. Von den russischen Sozialrevolutionären des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts bis zu den religiös-fundamentalistischen Tätern der 2000er Jahre diente das öffentlich vorgetragene Bekenntnis, die Welt von „Bösem“ zu befreien, immer als Begründung für den Mord an „schlechten Politikern“, der als Fanal und Wende zum „Guten“ gesehen und gepriesen wurde. Weit mehr als zweitausend im allgemeinen Sinne politisch oder gesellschaftlich motivierter Gewalttaten gegen bestimmte Personen oder bedeutende Symbole kann man in den zahlreichen Büchern über Attentate und politische Morde zählen. Allgemein gilt neben dem 16. das 19. Jahrhundert als „Blütezeit“ des politisch motivierten Mordes. Jedoch ist die Liste der bedeutenden und weniger bedeutender Politiker, die im 20. Jahrhundert einem Anschlag zum Opfer fielen, nicht nur ebenfalls „beeindruckend“, sondern umfasst auch Taten, die in ihren Auswirkungen von welthistorischer Tragweite waren und deren Nachwehen immer noch zu spüren sind. Der italienische König Umberto I. und der russische Reformpolitiker Pjotr Stolypin, die US-Präsidenten William McKinley und John F. Kennedy, der sowjetische Revolutionär und Stalins Gegner Leo Trotzki, die deutschen Politiker Walther Rathenau und Matthias Erzberger, der Wunderheiler, Wandermönch und Vertrauter des russischen Zaren Grigorij Rasputin, die Begründer des deutschen Kommunismus Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand, der sowjetische Politiker Sergej Kirow, der jugoslawische König Alexander I. und der indische Befreiungstheoretiker Mahatma Gandhi, der serbische Regierungschef Zoran Djindjić und der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King – sie alle wurden Opfer von politischen Morden, die von verzweifelten Einzelgängern, religiösen Fanatikern oder streng hierarchisch organisierten Geheimbünden verübt wurden.

Das Ziel der Übung besteht nicht nur darin, dem jeweiligen Tathergang der oben erwähnten und anderen Attentate und den Beweggründen der Attentäter nachzuspüren und ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu geben, sondern die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Morde zu beleuchten und deren Verarbeitung in Kunst und Kultur (Film, Bücher etc.) zu behandeln. Daneben bildet die Untersuchung von missglückten Attentaten sowie der sie oft begleitenden Verschwörungstheorien und Propagandaaktionen weitere Schwerpunkte der Übung. Besondere Fremdsprachenkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Besondere Fremdsprachenkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

  • Einführende Literatur: Sven Felix Kellerhoff. Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern. Köln u.a. 2003; Jörg von Uthmann. Attentat. Mord mit gutem Gewissen. Berlin 2001; Alexander Demandt (Hrsg.). Das Attentat in der Geschichte. Köln u.a. 1996; Franklin L. Ford. Der politische Mord. Von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek bei Hamburg 1992.

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Gleb Kazakov

„Kosaken in der Geschichte Osteuropas: von widerspenstigen Rebellen zu Stützen des Zarentums“

Mittwoch 14-16 Uhr c.t. – Raum: KG IV, HS 4450

Ein bärtiger Mann in Bärenmütze mit einem scharfen Säbel in der Hand, der auf einem Pferd frei durch die russische Steppe reitet – dieses Bild der Kosaken vermitteln viele moderne Spielfilme, Romane und Computerspiele. Dabei werden Kosaken, die bereits von Zeitgenossen als tapferste Krieger Osteuropas beschrieben wurden, in der Populärkultur oft pauschal mit Russland gleichgesetzt. Das Phänomen des Kosakentums ist jedoch historisch gesehen viel komplexer und lässt sich nicht auf ein einzelnes stereotypes Bild reduzieren. Die egalitären Verbände, die sich an den Flüssen Dnepr, Don und Volga in der Frühneuzeit etablierten und sich „Kosaken“ nannten, waren ein Dorn im Auge des russischen Zaren und des polnischen Königs. Ihre Raubzüge betrafen nicht nur die Nomadenvölker der südrussischen Steppe und die türkischen Siedlungen am Schwarzen Meer, sondern auch die russischen oder polnischen Kaufleute. Auch nach ihrer Einverleibung durch den expandierenden russischen Staat blieben die Ansiedlungsgebiete der Kosaken unruhige Regionen, von denen aus etlichen gefährlichen Rebellionen gegen die zentrale Regierung gestartet wurden. Doch das Verhalten der Kosaken ändert sich im Laufe der Zeit: Seit dem 19. Jahrhundert stehen die Kosakenheere bereits im Dienst der Zaren der Romanov-Dynastie und werden zu einer ihrer wichtigsten militärischen Stützen, z. B. im Kampf gegen Napoleon. Schließlich werden die Kosaken im 20. Jahrhundert, vor allem nach dem Sturz des Zarismus, von den Bolschewiki als erklärte Feinde des revolutionären Regimes bezeichnet und bekämpft. Nach mehreren blutigen Schlachten mit der Roten Armee geraten sie allmählich in Vergessenheit – bis zu ihrer „Renaissance“ in der postsowjetischen Zeit. Das Ziel der Übung besteht darin, den Studierenden anhand der Quellen- und Forschungslektüre die Vielfältigkeit des Kosakenphänomens sowie die historische Entwicklung und die Bedeutung des Kosakentums für die Geschichte Osteuropas zu zeigen. Zum Quellenkorpus der Übung gehören dabei nicht nur historische Chroniken, sondern auch populärkulturelle Medien des Kosaken-Mythos wie Volkslieder, Auszüge aus Romanen, Gemälde, Plakate und Filmausschnitte. Viel Aufmerksamkeit wird gerade der Analyse von Biografien mehrerer bekannter Kosaken – Ermak, Sten’ka Razin, Bogdan Chmel’nitskij, Emel’jan Pugačev – geschenkt. Auch die Rolle von Kosaken und dem „Kosakenmythos“ in der Geschichte und der Kultur der Ukraine soll thematisiert werden.

Russische, ukrainische oder polnische Sprachenkenntnisse sind zwar willkommen, bilden jedoch keine Teilnahmevoraussetzung.

  • Einführende Literatur: Andreas Kappeler. Die Kosaken: Geschichte und Legenden. München 2013; Shane O‘Rourke. The Cossacks. Manchester 2007; Judith Kornblatt. The Cossack Hero in Russian Literature: a Study in Cultural Mythology. Madison, Wisc. 1992; Paul Avrich. Russian Rebels, 1660-1800. New York 1972.

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Aleksandra Pojda de Pérez

Polnisch für Historiker I (Niveau A1 ohne Vorkenntnisse)

Donnerstag, 12:00 bis 13:30 Uhr s.t. – Raum: KG IV, Raum 4450

Der Kurs wird von einer muttersprachlichen Dozentin geleitet und bietet einen Einblick in die polnische Sprache und Kultur. Im Mittelpunkt des Kurses stehen erste Sprech-, Grammatik- und Konversationsübungen, die in die Alltagssituation eingebettet werden. Außerdem werden auch landeskundliche Besonderheiten Polens zur Sprache gebracht. Der Kurs hat das Erlernen folgender Themenbereiche der polnischen Grammatik zum Ziel: Deklination der Substantive und Adjektive (Nominativ, Akkusativ und Instrumental), der Personal-, Possessiv-, Interrogativ- und Demonstrativpronomina; Präsens polnischer Verben sowie deren Reaktion. Es wird mit dem Lehrbuch "Hurra! Po polsku 1“ gearbeitet.

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Aleksandra Pojda de Pérez

Polnisch für Historiker II (Niveau A2 mit Vorkenntnissen)

Donnerstag, 13:30 bis 15:00 Uhr s.t. – Raum: KG IV, Raum 4450

Der Kurs wird von einer muttersprachlichen Dozentin geleitet und richtet sich an Studierende mit polnischen Sprachvorkenntnissen (Niveau A1/ A2, Fortsetzung des Kurses vom WS 2017/18). Im Mittelpunkt des Kurses stehen Sprech-, Grammatik- und Konversationsübungen, die in die Alltagssituation eingebettet werden. Außerdem werden auch landeskundliche Besonderheiten Polens zur Sprache gebracht. Der Kurs hat das Erlernen folgender Themenbereiche der polnischen Grammatik zum Ziel: Deklination der Substantive und Adjektive (Genitiv), Präteritum und Futur polnischer Verben sowie Aspekt der Verben. Es wird mit dem Lehrbuch "Hurra! Po polsku 1“ gearbeitet (ab Lektion 7).

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Iryna Dzyubynska

Russisch für Historiker II

Montag, 14 bis 16 Uhr c.t. –  Raum: KG IV, HS 4450

Donnerstag, 14 bis 16 Uhr c.t. - Raum: KG IV, HS 4121

Der Kurs ist die Fortsetzung aus dem Wintersemester. Es werden Kenntnisse vermittelt, die zum Verständnis historischer Quellen notwendig sind. (Niveau A1/A2)

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Maria Krempels

Ungarisch für Historiker

Donnerstag, 18 bis 19:30 Uhr s.t. – Raum: KG IV, Raum 4121

Der Kurs wird von einer muttersprachlichen Dozentin geleitet und bietet einen Einblick in die ungarische Sprache und Kultur. Im Mittelpunkt des Kurses stehen erste Sprech-, Grammatik- und Konversationsübungen, die in die Alltagssituation eingebettet werden.

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Neuerscheinungen
  • Alfred Eisfeld, Guido Hausmann, Dietmar Neutatz (Hrsg.): Hungersnöte in Russland und in der Sowjetunion 1891–1947. Regionale, ethnische und konfessionelle Aspekte. Essen 2017 (Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte im östlichen Europa, Band 48).
  • Peter Kaiser: Das Schachbrett der Macht. Die Handlungsspielräume eines sowjetischen Funktionärs unter Stalin am Beispiel des Generalsekretärs des Komsomol Aleksandr Kosarev (1929-1938). Stuttgart 2017.
  • Reinhard Nachtigal: Verkehrswege in Kaukasien. Ein Integrationsproblem des Zarenreiches 1780–1870. Wiesbaden 2016.
  • Thomas Bohn, Rayk Einax, Michel Abeßer (Hrsg.): De-Stalinisation Reconsidered. Persistence and Change in the Soviet Union. Frankfurt am Main/New York 2014.

 

Kontakt
Besucheranschrift:
Rempartstraße 15
Kollegiengebäude IV
Raum 4410
 
Postanschrift:
Historisches Seminar
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
79085 Freiburg im Breisgau

Tel.:  +49 (761) 2 03-34 35
Fax.: +49 (761) 2 03-91 90
Mail: oeg@geschichte.uni-freiburg.de
 
 


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