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Entwicklung von Baumartenzusammensetzung und Struktur der Wälder vom Schwarzwald bis auf die Schwäbische Alb – mit besonderer Berücksichtigung der Buche

abgeschlossen 12/2004

Zusammenfassung

Die Arbeit entstand im Rahmen des Graduiertenkollegs‚ Gegenwartsbezogene Landschaftsgenese’. Ziel war es, die Auswirkungen der natürlichen und menschlichen Einflüsse auf die derzeitige Baumartenzusammensetzung zu untersuchen und Prognosen für die Entwicklung in der näheren Zukunft zu geben. Dazu wurden drei repräsentative Gebiete aus den unterschiedlichen Landschaftsräumen des Mittleren Schwarzwaldes, des Baar-Schwarzwaldes und der Südwestalb ausgewählt und die dort erzielten Ergebnisse abschließend miteinander verglichen. Außerdem war zu klären, ob die Entwicklung in den öffentlichen Wäldern und den Privatwäldern unterschiedlich ist. Weiterhin sollte ein Beitrag zur Klärung der Frage geleistet werden, inwieweit sich Nadelbaumreinbestände mittels Buchen-Naturverjüngung in Mischbestände umbauen lassen. Den Zielsetzungen entsprechend wurde die Arbeit in drei in sich geschlossene Teilprojekte unterteilt:

 

  1. Entwicklung des Waldaufbaus mit menschlichem Einfluss Im ersten Teilprojekt wurden die geschichtliche Entwicklung des Waldaufbaus in den drei Epochen ‚Devastierung’, ‚Wiederaufforstung’ und ‚Waldumbau’ und die Veränderungen der Baumartenzusammensetzung untersucht. Dies geschah durch Auswertung vorhandener Literatur und Ergänzungen durch Archivalien. Die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und während und nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Kahlflächen wurden in allen drei Gebieten meist mit Fichten und Kiefern aufgeforstet. Das führte auf großen Flächen zu nadelbaumdominierten Wäldern. Diese sollten ab etwa 1970 wieder zu stabileren Mischwäldern umgebaut werden. Die Entwicklung des Waldaufbaus in den letzten 15 Jahren konnte durch den Vergleich der Daten der beiden Bundeswaldinventuren von 1986/88 und 2001/02 aufgezeigt werden. Es war in allen drei Gebieten eine deutliche Abnahme des Fichtenanteils und der Fichtenreinbestände, sowie eine Zunahme der Mischbestände zu erkennen.
  2. Zustand und Entwicklung des Waldaufbaus im Kleinprivatwald Im zweiten Teilprojekt wurden in einem Gebiet im Mittleren Schwarzwald speziell die Gegebenheiten im Kleinprivatwald und der dortigen derzeitigen sowie zu prognostizierenden Baumartenzusammensetzung untersucht. Das gewählte Untersuchungsgebiet hat mit etwa 63% einen weit überdurchschnittlichen Kleinprivatwald-Anteil. Befragungen der Waldbesitzer ergaben, dass der Nadelbaumanteil, insbesondere der Fichte, auch in Zukunft hoch sein wird. Es zeichnete sich jedoch ein Umbau von Nadelbaumreinbeständen hin zu Mischbeständen ab. Die staatlichen Fördermaßnahmen zeigten bei den genehmigungspflichtigen Erstaufforstungen Wirkung. Auf 80 % der geförderten Aufforstungsflächen wurden in den Jahren 1993-2002 laubbaumreiche Jungbestände begründet. Dagegen wurden bei Voranbauten und Wiederaufforstungen in Windwurf- oder Käferlöchern überwiegend Nadelbäume gepflanzt. Dies ergab eine Auswertung der Anträge, die in den letzten Jahren im Rahmen des Förderprogramms ‚Naturnahe Waldwirtschaft’ gestellt wurden. Deutlich wurden die teilweise vorhandenen Rückstände bei den Durchforstungs- und Pflegemaßnahmen. Es besteht die Gefahr, dass die unzureichend durchforsteten Waldbestände instabil werden und die eingebrachten Mischbaumarten verloren gehen.
  3. Einwanderung der Buche in Nadelwälder Im dritten Teilprojekt wurden die Möglichkeiten geprüft, die natürliche Ausbreitung der Buchen in Nadelbaumreinbestände hinein für den Waldumbau zu nutzen. Dazu wurden Jungwuchsuntersuchungen in Nadelbaumbeständen durchgeführt. Das wichtigste Ergebnis ist, dass sich Jungbuchen bis zu 60 m entfernt von Samenbäumen in Nadelbaumreinbeständen etablieren. Für die Waldbaupraxis bedeutet dies, dass bei einer für die nächste Bestandesgeneration angestrebten Buchenbeimischung bereits 1 Altbuche/ha ausreicht, wobei eine intensive Pflege der Jungwüchse vorausgesetzt wird. Sollen die Buchen in der nächsten Generation qualitativ befriedigen, so reichen einzelne Buchen-Jungwüchse allerdings nicht. Vielmehr werden Gruppen von Buchen-Jungwüchsen benötigt. Auf der Südwestalb haben Fichten-Jungwüchse keine Chance, mit Eschen- und Bergahorn-Jungwüchsen zu konkurrieren. Die Buche ist mit geringen Anteilen ebenfalls an den Jungbeständen beteiligt, so dass ohne waldbauliche Hilfen in der nächsten Generation die Fichtenbestände vermutlich durch Eschen-Bergahorn-Bestände mit einigen Buchen abgelöst würden. Auch in den anderen beiden Untersuchungsgebieten wurde eine Tendenz zu höheren Laubbaumanteilen in den Jungbeständen deutlich. Unabwägbarkeiten ergeben sich aus der Verbissbelastung durch das Wild. Laubbäume und Tannen waren deutlich stärker verbissen während Fichten fast keine Schäden aufwies. Durch den Wildverbiss werden also die Jungwüchse der Fichte begünstigt. Als Fazit aus den Ergebnissen der drei Teilprojekte lässt sich konstatieren, dass im öffentlichen Wald und im Privatwald eine Entwicklung zu mehr Mischbeständen stattfindet. Die Baumartenzusammensetzung wird sich im öffentlichen Wald entsprechend der Zielsetzung in Richtung auf die Baumartenzusammensetzung des natürlichen Waldes verändern. Im Privatwald werden die Bestände zwar gemischter – die Flächen der Fichtenreinbestände nehmen ab - aber die Fichte wird weiterhin die wichtigste Baumart bleiben und die Baumartenanteile werden sich nur wenig verändern. Die Ausbreitung der Buche in Nadelbaumbestände hinein, lässt sich in die waldbaulichen Maßnahmen integrieren, erfordert aber entsprechende Pflegemaßnahmen.

 

Projektbearbeitung: Monika Ganz
Projektbetreuung:

Prof. Dr. J. Huss

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/1616/

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